Sven Hammerbeck mit dem neu erstellten Belegungsplan auf dem alten jüdischen Friedhof in Bad Soden.
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Sven Hammerbeck mit dem neu erstellten Belegungsplan auf dem alten jüdischen Friedhof in Bad Soden.

Bad Soden

Bad Soden: Grabsteine erzählen Geschichte

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Die Forschungsarbeiten zum jüdischem Friedhof von Bad Soden sind nicht nur in einer Online-Datenbank gesichert sondern auch in Buchform dokumentiert.

Das schmiedeeiserne Tor ist an vielen Stellen verrostet, die schwarze Farbe blättert ab. Demnächst soll die Pforte, die den Eingang zum jüdischen Friedhof von Bad Boden markiert, hergerichtet werden. Der Verein „Wir für Bad Soden“ übernimmt dafür die Kosten. Eine Fachfirma sei mit den Arbeiten beauftragt, erzählt Sven Hammerbeck. „Das Tor darf nur von Hand lackiert werden und es muss wieder schwarz sein. Da achtet der Denkmalschutz drauf.“

Sven Hammerbeck hat eine besondere Beziehung zu dem fast 150 Jahre alten Friedhof an der Niederhofheimer Straße. Zusammen mit seiner Frau Lissy hat er „das Archiv aus Stein“ am Rande der einstigen Kurstadt vor dem Verfall bewahrt. 2015 begannen die beiden mit ihren Recherchen. Die Grabsteine waren damals mit Moosen und Flechten bewachsen, die hebräischen Inschriften nahezu unleserlich geworden. Mit Unterstützung anderer Ehrenamtlicher der Interessengemeinschaft Jüdischer Friedhof wurden die Steine gesäubert. In dem Neu-Isenburger Lothar Tetzner fand man einen Experten, der die alten Inschriften entziffern, übersetzen und Textfragmente ergänzen konnte. Jedes der noch erhaltenen Gräber wurde dokumentiert. Die Informationen über die darin bestatteten Menschen sind in der Datenbank des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (Lagis) erfasst.

Der Friedhof

Der jüdische Friedhof von Bad Soden liegt an der Niederhofheimer Straße. Er ist rund 2000 Quadratmeter groß.

Von den 288 Grabstätten sind noch 189 erhalten. Seit 2015 wurden die Grabsteine von Lissy Hammerbeck und ihrem Mann Sven Hammerbeck mit Unterstützung von Lothar Tetzner entziffert und digital erfasst.

Nachzulesen ist das Ergebnis der Recherchen, für das die Interessengemeinschaft mehrfach ausgezeichnet wurde, auch in einem Buch, das die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Main-Taunus-Kreis herausgegeben hat. Lissy und Sven Hammerbeck stellen darin jedes Grab mit Bild und Inschrift vor. Und sie erzählen die Geschichte des Friedhofs. Als Begräbnisstätte von fünf jüdischen Gemeinden – Bad Soden, Höchst mit Unterliederbach, Okriftel, Hattersheim und Hofheim – wurde er 1873 angelegt. 288 Tote sind im Sterberegister, dem so genannten „Protocoll-Buch“ eingetragen.

Die letzte Bestattung fand im Januar 1939 statt. Nach den Zerstörungen in der NS-Zeit und einer Friedhofsschändung im Jahr 1973 sind 189 Grabsteine übrig geblieben. In einem von den Autoren neu erstellten Belegungsplan sind sie alle verzeichnet.

Als „kostbare Bibliothek“, in der es viel über Tradition, Werte, Geschichten und Schicksale der jüdischen Familien zu erforschen gebe, bezeichnet Lissy Hammerbeck den Bad Sodener Friedhof. Neben deutschen Juden aus den umliegenden Gemeinden sind auch 56 jüdische Kurgäste aus ganz Europa hier bestattet. Sie verstarben in der israelitischen Kuranstalt und im Sanatorium Villa Aspira, weil die Bad Sodener Quellen sie nicht von der Tuberkulose zu heilen vermochten.

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