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Marien-Apotheke schließt

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Bernd Parthun vor seiner Apotheke wenige Tage bevor er das Geschäft schließen muss.
Bernd Parthun vor seiner Apotheke wenige Tage bevor er das Geschäft schließen muss. kramer © Brigitte Kramer

Mietvertrag wurde nicht verlängert / Besitzer Bernd Parthun: „Wir haben hier einen guten Job gemacht“

Bad Soden - Sie war die erste in Bad Soden und ist die älteste Apotheke im Main-Taunus-Kreis, die die gesamte Region mit Arzneien versorgt hat. Die Rede ist von der Marien-Apotheke an der Königsteiner Straße/Ecke Wiesenweg, die am morgigen Mittwoch, 30. November, für immer ihre Tore schließt. Als Dank an seine Kunden und zur Erinnerung an vergangene Zeiten hat Apotheker Bernd Parthun vor einigen Wochen ein „Abschiedsfenster“ eingerichtet. Gerätschaften wie ein altes Mikroskop, eine in die Jahre gekommene Waage, ein Rezeptbuch der Sodener Ärzte, die Rezeptur von Frostbalsam und Zäpfchen und vieles mehr sind im Schaufenster der Marien-Apotheke zu bestaunen.

Den Kunden seit 35 Jahren verbunden

Am 1. Januar 1993 hat Bernd Parthun, die Marien-Apotheke erworben. Nach seinem Pharmaziestudium hat der gebürtige Wiesbadener fünf Jahre lang hier seine erste Anstellung bei der Apotheker-Familie Contzen gefunden. Seinen Kunden in Bad Soden ist er somit seit 35 Jahren verbunden. Von Anfang an, berichtet der heute 63-Jährige habe ihm die Arbeit hier viel Spaß gemacht. Mit dem Resultat, dass Dr. Christfried Christian, „der letzte Contzen aus drei Apotheker-Generationen“, ihm die Apotheke Ende 1992 übertrug. Gern hätte er die Option gezogen, verrät Bernd Parthun, und bis zu seiner Pensionierung das Geschäft weiter geführt. Doch die neuen Besitzer hätten mit der Immobilie offensichtlich andere Pläne und seien an einer Verlängerung seines Mietvertrages nicht interessiert gewesen. So geht Parthun in den Ruhestand.

Vieles sei in den vergangenen Jahren durch die Corona-Pandemie und weitere Herausforderungen liegen geblieben, erklärt er, was nun erledigt werden müsse. Und darüber hinaus könne er sich gemeinsam mit seiner Frau Beate, die ebenfalls selbstständige Apothekerin ist, neue Tätigkeitsfelder vorstellen, etwa sich für eine Hilfsorganisation wie „Apotheker ohne Grenzen“ einzusetzen. „Es heißt ja nicht“, sagt Parthun, Vater eines erwachsenen Sohnes und einer Tochter, „dass wir nicht mehr arbeiten können, wenn wir in Rente sind.“

Wenn Bernd Parthun auf die 35 Jahre seiner Tätigkeit zurückblickt, hat sich vieles verändert, sagt er. „Als ich in der Apotheke gelernt habe, wurden viele Medikamente selbst hergestellt. Pillen wurden gedreht, Salben gerührt und Kapseln hergestellt.“ Die Dosierungen seien kleiner gewesen als heute zu Zeiten der Pharmaindustrie.

Früher seien die Kunden mit dem Rezept vom Arzt gekommen und mit den Medikamenten gegangen, die darauf standen. Heute habe der Beratungsbedarf deutlich zugenommen, da sich die Leute oft zuerst im Internet informierten und dann bei ihrem Apotheker um Rat fragten. Auch der Dienstleistungsbereich habe sich ausgedehnt.

Für den 63-jährigen Apotheker, der sich als Mittler zwischen dem Patienten, Arzt und den Menschen bewege, die zu Hause betreut werden, also dem Pflegedienst, bedeute das eine zusätzliche Herausforderung. Besonders die vergangenen Jahre der Corona-Pandemie mit Maskenbestellungen, QR-Codes, Testungen und Impfungen, stellt Parthun fest, „hat sehr viel zusätzliche Manpower erfordert“.

Mit Blick auf sein Mitarbeiter-Team, ist Bernd Parthun überzeugt, „wir haben hier einen guten Job gemacht“. So habe ihm ein Nachbar vor einigen Tagen bescheinigt: „Erst wenn die Apotheke tatsächlich geschlossen ist, werden es die meisten richtig begreifen.“

Die Postkarte zeigt die Marien-Apotheke um 1900: Wilhelm Contzen mit seiner Frau Laura auf der Freitreppe. Stadtarchiv Bad Soden
Die Postkarte zeigt die Marien-Apotheke um 1900: Wilhelm Contzen mit seiner Frau Laura auf der Freitreppe. Stadtarchiv Bad Soden © Stadtarchiv Bad Soden

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