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In der Trauerbegleitung für Kinder spielen Symbole eine wichtige Rolle.
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In der Trauerbegleitung für Kinder spielen Symbole eine wichtige Rolle.

Main-Taunus

„Hier mussten wir uns nicht verstellen“

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Kathrin Böck und ihre Kinder haben nach einem schweren Schicksalsschlag dringend Hilfe benötigt. In der Trauergruppe von „Sternenzelt“ der evangelischen Familienbildung Main-Taunus haben sie Halt gefunden.

Der Tod ihres Mannes Torsten traf Kathrin Böck und ihre zwei Kinder völlig unvorbereitet. Der junge Familienvater starb Anfang 2012 am plötzlichen Herztod. Tochter Laura war damals zehn Jahre alt, Sohn David neun. Mit dem Jüngsten, Jakob, war Kathrin Böck in der 30. Woche schwanger. „Für mich war sofort klar: Wir brauchen Hilfe“, erinnert sich die Schwalbacherin. Ihre Familie sei mit der Situation komplett überfordert gewesen, auch für die Schwiegereltern war der Tod des Sohnes ein Tabu. „Wir konnten nicht darüber sprechen.“

Den beiden Kindern Laura und David, die ihren Vater von einer Sekunde zur anderen verloren hatten, sei es damals sehr schlecht gegangen, erzählt Kathrin Böck. „Aber sie haben weitergemacht, sind schnell wieder zur Schule gegangen, wollten sich ihre Trauer nicht anmerken lassen.“

Beim Projekt „Sternenzelt“ der evangelischen Familienbildung Main-Taunus fand die junge Familie Hilfe. „Hier mussten wir uns nicht verstellen, nicht funktionieren wie sonst im Alltag“, sagt Kathrin Böck. Laura und David knüpften Kontakt zu anderen Kindern, die ebenfalls einen nahen Angehörigen durch Tod verloren hatten. Sie konnten mit ihnen spielen, lachen, weinen und um ihren Vater trauern – auf ihre individuelle Weise und in ihrem Tempo. Ihre Fragen wurden ernst genommen. Und sie bekamen das Gefühl: „Wir sind nicht alleine mit dem, was wir erlebt haben.“

Auch Kathrin Böck tat der Austausch mit anderen verwitweten Frauen und Männern gut. Sie lernte, die eigenen Gefühle zuzulassen. „Da war viel Anteilnahme in der Gruppe, keiner hat den anderen beurteilt. Wir haben uns gegenseitig gestützt und gehalten, konnten auch mal nur schweigen.“

Angebot von „Sternenzelt“ lange Zeit genutzt

Die Familie hat das Angebot von „Sternenzelt“ lange Zeit genutzt. Die erste, die nach drei Jahren ausstieg, war Tochter Laura. Sie arbeitete mit ihrer Therapeutin weiter. Sohn David blieb länger dabei. Mittlerweile hat auch er seinen eigenen Weg gefunden, mit dem frühen Verlust des Vaters umzugehen.

Eine Zeit lang besuchte Kathrin Böck die Trauergruppe auch mit ihrem Jüngsten, Jakob, der vor zwei Jahren plötzlich feststellte „Ich habe keinen Papa, ich bin richtig sauer.“ Fast jeden Tag habe er danach über den Vater, den er nie kennenlernen durfte, gesprochen, erinnert sich Kathrin Böck. „Damit als Mutter umzugehen, ist nicht immer leicht.“

Bei „Sternenzelt“ habe Jakob die Möglichkeit bekommen, den emotionalen Verlust zu begreifen, eine gesunde Art von Beziehung mit dem ihm unbekannten Vater zu finden, die ihn ins Leben gehen lässt, ohne den Verstorbenen zu idealisieren. Dass andere Kinder in der Trauergruppe Ähnliches erlebt haben, habe auch Jakob geholfen, mit der Situation zurechtzukommen, sagt Kathrin Böck.

Dass sie sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes das Angebot von „Sternenzelt“ weiterhin nutzt, hat für Kathrin Böck nichts Belastendes. Die Trauer werde dadurch nicht immer wieder neu aufgerissen, sagt sie. „Sie ist so oder so immer in unserem Leben dabei. Der Verlust tut weiterhin weh, aber es ist gut, wenn man damit nicht alleine ist und durch die eigenen Erfahrungen auch anderen Hilfe geben kann.“

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