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Mehlschwalben brauchen Lehm, um ihre Nester zu bauen, doch der ist mittlerweile rar geworden. Bildquelle: kathy büscher/Nabu rinteln
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Mehlschwalben brauchen Lehm, um ihre Nester zu bauen, doch der ist mittlerweile rar geworden. Bildquelle: kathy büscher/Nabu rinteln

Bad Soden

Kunstnester für Mehlschwalben

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Der Naturschutzbund Bad Soden will die selten gewordenen Sommervögel wieder in die Wohngebiete holen. Mehr als 60 Nisthilfen aus Holzbeton hängen bereits an Häusern in der Stadt. Auch in der Hauptstraße in Sulzbach wurden welche montiert.

Mehlschwalben sind so etwas wie Sommerboten. Wenn sie demnächst aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückkehren, beginnt bei uns die warme Jahreszeit. Früher nisteten Mehlschwalben unter den Dachvorsprüngen vieler Häuser. Mittlerweile ist ihre Zahl um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Das liegt zum einen daran, dass die Vögel nicht ausreichend Futter finden, weil es durch das Spritzen von Herbiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft immer weniger Insekten gibt. Es hat aber auch mit der Schwierigkeit zu tun, das geeignete Baumaterial für Nester zu finden. Mehlschwalben brauchen dafür feuchten Lehm. Mit ihrem Speichel formen sie daraus bis zu 1500 kleine Kügelchen pro Nest.

In der versiegelten Landschaft, in der nicht einmal auf Feldwegen Wasserpfützen über längere Zeit stehen bleiben, ist Lehm jedoch rar geworden. „Mehlschwalben behelfen sich dann häufig mit Moos, das auf Waschbetonbauten wächst“, weiß Klemens Fischer vom Naturschutzbund (Nabu) Bad Soden. Die Nester, die so entstehen, seien jedoch instabil und löchrig. Eier und Jungvögel landeten häufig auf dem Boden.

Der Vogel

Mehlschwalben sind kleiner und kompakter als Rauchschwalben. Ihr kurzer Schwanz ist breit gegabelt. Oberseite und Flügel sind schwarz, Kopf und Rücken glänzen metallisch blau. Unterseite und Bürzel leuchten weiß.

Ihre Nester bauen Mehlschwalben als beinahe geschlossene Lehmkugeln an Gebäuden unter dem Dach oder in Nischen von Felswänden.

Als Nahrung dienen ihnen Insekten, die sie im Flug fangen und Blattläuse.

Die Überwinterquartiere der Mehlschwalben sind in Afrika. Erst im Frühjahr kehren sie zurück. aro

Auch in Bad Soden, wo früher fast jedes Haus ein Mehlschwalbennest hatte, waren die Vögel mit dem schwarz-blauen Deckgefieder und dem weißen Bauch fast ausgestorben. Mittlerweile gibt es wieder mehr als 60 Nester in der Stadt, die meisten davon in Neuenhain. Die Mehlschwalben haben sie allerdings nicht selbst gebaut, sondern Klemens Fischer und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom Nabu haben die künstlichen Nisthilfen aus Holzbeton unter den Dachsparren von Häusern montiert. „Sie wurden sofort von den Vögeln angenommen“, freut sich Fischer. Mehlschwalben brüteten in Kolonien. „Wenn ein Vogelpaar kommt, sind auch andere schnell zu Stelle.“

Während noch vor wenigen Jahren viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer Nester abschlugen und die Vögel zu vergrämen versuchten, meldeten sich jetzt immer mehr Menschen, die gerne ein Mehlschwalbennest unter ihrem Dach hätten, sagt Fischer. Das sei auch in Sulzbach so gewesen, wo der Nabu gestern in der Hauptstraße am Haus Nummer 5 mehrere Kunstnester montierte. Initiiert hatte die Aktion, für die eigens ein Hubsteiger gemietet wurde, der Sulzbacher Carl-Christoph Hedrich, der sich im örtlichen Naturschutzbund ehrenamtlich engagiert.

Wichtig sei, die Nester dort anzubringen, wo bereits Mehlschwalben Nistversuche unternommen haben, erläuterte Klemens Fischer im Gespräch mit der FR. Und er berichtet von einer Aktion, die der Nabu vor sechs Jahren startete und die bislang nicht erfolgreich war. Im ökologischen Lehrpark Rohrwiese in Bad Soden wurde damals ein Schwalbenhaus mit einer künstlichen Lehmkuhle nebendran gebaut. Auf die gefiederten Bewohner warten die Naturschützer bislang allerdings vergeblich. Noch nicht einmal ein solarbetriebener Lockruf konnte die Mehlschwalben dazu bringen, Eier in die Kunstnester zu legen und ihren Nachwuchs dort großzuziehen.

„Wir haben aus diesem Fehler gelernt und suchen weiterhin nach Häusern, um künstliche Nisthilfen für die Mehlschwalben dort anzubringen“, sagt Klemens Fischer.

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