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Auszeichnung

Weniger Stress im Tierheim

  • vonJürgen Streicher
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Der Hessische Tierschutzpreis für außerordentliches ehrenamtliches Engagement geht nach Bad Soden. Der dortige Tierschutzverein setzt auf stressfreie Zonen.

Mylo ist der Chef. Den Hütehund merkt man dem riesigen Kerl an. Als Chef ist er akzeptiert, trotz einiger Beeinträchtigungen. Sein Gang ist schwer, mit den Gelenken hat er trotz seiner erst sechs Jahre schon lange zu schaffen. Direkt neben Mylos Box hat Malta ihr Zuhause, ein Schäferhündin-Mix. Wenn die beiden wollen, können sie ihr kleines Reich teilen, es gibt eine Verbindungstür für Hunde, die sich gut verstehen. So wie Mylo und Malta. An der Box sind acht Schilder angebracht, die Patenschaften anzeigen, sechs für Mylo, zwei für Malta.

Die freundliche Nachbarschaft von Mylo und Malta zeugt unter zwei Aspekten vom Konzept des Tierschutzvereins Bad Soden/Sulzbach, für das er kürzlich mit dem hessischen Tierschutzpreis ausgezeichnet wurde. Der Neubau des Hundehauses, Reduzierung des Stresses für die Hunde, war dabei ein wichtiges Ziel. Das Wohl der aufgenommenen Tiere steht stets im Vordergrund. Und wie bei den Patenschaften, die viele freiwillige „Gassigeher“ übernehmen, auch das ehrenamtliche Engagement der inzwischen über 300 Mitglieder und Förderer.

Die Menschen, die sich um Tier und Heim kümmern, sind das Kapital des Vereins. Mit den öffentlichen Zuschüssen können nur knapp 20 Prozent der jährlichen Kosten finanziert werden, der Rest sind Spenden und Ehrenamt. Junge Mädchen, die sich im Katzenhaus um Findlinge kümmern, Gassigeher und Vorstandsmitglieder wie Chrissie Frank, die meist fünf Tage in der Woche auf das Gelände am Ortsrand von Sulzbach kommt.

Auszeichnung

Der Hessische Tierschutzpreis wird vom Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für ehrenamtliches Engagement im Tierschutz vergeben. Er ist mit 7000 Euro dotiert. Der Tierschutzverein Bad Soden/Sulzbach wurde für den Bau seines neuen Hundehauses ausgezeichnet, der Tierschutzverein Viernheim und das Tierheim Gelnhausen bekommen ihn für Projekte zur „Resozialisierung“ von Hunden. Der Verein kümmert sich auch um Katzen und Kleintiere, im vergangenen Jahr wurden 86 Katzen und 63 Hunde neben 71 Kleintieren versorgt. Spendenkonto DE95 5019 0000 0000 1638 05 bei der Frankfurter Volksbank. (jüs)

Dort gibt es immer etwas zu tun. Auch für Kassenwartin Chrissie Frank und all diejenigen, die den Bau des neuen Hundehauses über Jahre vorbereitet, begleitet und mit Handanlegen durchgezogen haben; von der Erarbeitung eines Raumbuchs in allen Einzelheiten bis zur Anbringung einer großen Ehrentafel aus Edelstahl am Eingang. Darauf viele Namen wie bei einem Stammbaum, von oben nach unten mit einer Erblasserin an der Spitze, zwei Großspendern, Namen von Menschen, die einen kompletten „Baustein“ für 4000 Euro gespendet haben, halbe, viertel und achtel Bausteine und viele ganz kleine Bausteine, für die Kinder und Jugendliche ihr Taschengeld geopfert haben, so die Vereinsvorsitzende Kathrin Finkel. Darauf sind sie stolz im Verein und auch für die Ehrung durch den Tierschutzpreis als Anerkennung für das unermüdliche Ehrenamt.

Beim anstehenden Abriss des alten Hundehauses wünschen sie sich finanzielle Unterstützung durch die Kommunen, die vom ehrenamtlichen Einsatz profitieren. Rund 60 000 Euro soll das kosten, eine „Hausnummer“, die für den Verein zu groß ist. Der Altbau aus den 1950er Jahren, noch steht er. Ist Beleg für den Quantensprung durch die Eigeninitiative.

Im alten Haus waren die Boxen zur Straße ausgerichtet, jeder vorbeigehende Spaziergänger löste Hundegebell aus. Durch den Flur konnten sich die Hunde in den Boxen gegenüber sehen, ein weiterer Stressfaktor. Jetzt sind die Boxen nicht nur mindestens doppelt so groß, jetzt sind sie nach hinten zum Freilaufgelände ausgerichtet, werden jeden Tag ausgespritzt, sind in Teilbereichen mit Fußbodenheizung versehen. „Von einem Tag auf den anderen“, so Kathrin Finkel, seien die Hunde nach der Eröffnung des neuen Hauses Ende 2018 zur Ruhe gekommen, ein Erfolg des Konzepts.

Das Hundehaus bietet nun zehn normale Boxen, eine Polizei-Box mit schallabsorbierenden Matten an der Wand und Tageslicht von oben und eine Quarantänestation. Die Polizei-Box ist für so genannte „Fremdhunde“, die etwa nachts von der Polizei im Bereich Eschborn, Bad Soden, Sulzbach und Hofheim aufgegriffen werden. Rund 200 Hunden, Katzen und Kleintieren bietet das Tierheim jährlich Zuflucht, Chrissie Frank kennt sie alle mit Namen.

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