Das Badehaus im Alten Kurpark stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es ist heute Kulturzentrum.

Hintergrund

Heilendes Wasser, gutes Klima in Bad Soden

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Die einstige Kurstadt darf sich jetzt „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ nennen. Der Bürgermeister will das Prädikat fürs Marketing nutzen.

Der Begriff „Kurort“ ist längst aus dem Stadtnamen verschwunden. Die Bad Sodener Sole- und Mineralquellen, die unter anderem Atemwegs- und Hauterkrankungen lindern sollen, werden nicht mehr zu Therapiezwecken genutzt. Auch ins über 100 Jahre alte Medico-Palais oberhalb des Alten Kurparkes wird die Sole nicht mehr hochgepumpt. Alle Arztpraxen dort haben Ende vergangenen Jahres geschlossen, die Mediziner sind an andere Orte im Stadtgebiet gezogen. Das denkmalgeschützte Gebäude harrt einer neuen Verwendung.

Bereits 2009 musste das Thermalsolebad den Betrieb einstellen. 700 000 Euro hatte die Stadt zuletzt pro Jahr zugeschossen, die Therme an koreanische Investoren übergeben, die bald das Handtuch warfen und einen Berg Schulden hinterließen. Der eigentliche Kurbetrieb, der zuletzt in kommunaler Hand lag, wurde 2001 aufgegeben. Reformen im Gesundheitssystem hatten der städtischen Gesellschaft ab Mitte der 1990er Jahre kräftige Defizite beschert. Die Zahl der Übernachtungen war massiv eingebrochen. Kur- und Rehakliniken mussten schließen.

„Wir sind kein Heilbad mehr, aber wir haben unseren Gästen nach wie vor viel zu bieten, sind Gesundheitsstandort mit zahlreichen Arztpraxen und den Main-Taunus-Kliniken im Stadtgebiet, haben Tagestourismus, ein breites Kulturangebot und wunderschöne Natur“, sagt Bürgermeister Frank Blasch (CDU). Da passe das Prädikat „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“, das die Stadt neuerdings führen darf, exakt dazu.

Das historische Erbe aus seiner glanzvollen Zeit als Kurort ist in Bad Soden ohnehin noch vielerorts präsent. Ein Dutzend der einst über 30 Mineralquellen sprudeln nach wie vor im Stadtgebiet. Sie tragen so klingende Namen wie Champagnerbrunnen, Milchbrunnen, Glockenbrunnen oder Stahlquelle und sind für jedermann zugänglich. Ihr Wasser kann weiterhin für Trinkkuren oder zum Inhalieren genutzt werden.

Berühmte Kurgäste wie Felix Mendelssohn Bartholdy oder die Gebrüder Tolstoi hatten die Quellen einst in die Kleinstadt am Taunus gelockt und seit dem frühen 18. Jahrhundert für regen Kurbetrieb in Bad Soden gesorgt. Das Kurhaus, das im 19. Jahrhundert im Schweizer Stil errichtet wurde, steht nicht mehr. Kurvillen mit Türmchen, Erkern und schmiedeeisernen Balkonen prägen aber weiterhin das Stadtbild.

Und es gibt vier historische Parkanlagen, die mit der Kur im Zusammenhang stehen. Die größte unter ihnen ist der Alte Kurpark an der Königsteiner Straße, der im Stil eines Landschaftsgartens ab 1820 am Fuße des Burgberges angelegt wurde und wegen seines einzigartigen Baumbestandes unter Denkmalschutz steht. Das strahlend weiße Gebäude des historischen Badehauses ist heute Kulturzentrum mit Bücherei, Stadtmuseum und Kunstgalerie. Schräg davor liegen das Becken des Alten Sprudels, dessen Fontäne zeitweise bis zu sechs Meter in die Höhe schoss, sowie der Schwefelbrunnen, an dem einst Wasserfrauen die Kurgäste mit Trinkgläsern versorgten.

Westlich der Königsteiner Straße liegen Wilhelmspark und Quellenpark und die in den 1950er Jahren gebaute neue Trinkhalle, die heute eine Tanzschule beherbergt. Über dem Solbrunnen im Quellenpark thront seit dem Ende des 19. Jahrhunderts der Sodenia-Tempel. Die im Stil des Historismus farbig bemalte Statue der Göttin Sodenia ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde erst vor kurzem aufwendig restauriert, ebenso der sie umgebende steinerne Tempel.

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Wer Bad Soden besucht, kann also auch heute noch eintauchen in die Zeit, als das Kurwesen noch florierte, er kann die Heilquellen nutzen und das angenehme Klima genießen, das der Deutsche Wetterdienst eigens geprüft und für geeignet befunden hat. Es sei ein aufwendiges Verfahren gewesen, um das Prädikat „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ zu erhalten, sagt Frank Blasch. Aber es habe sich gelohnt. Für Marketingzwecke wolle die Stadt das neu erworbene Siegel künftig nutzen, kündigte der Bürgermeister an und strahlte, als ihm die Urkunde, die der Hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) unterschrieben hat, vor dem Badehaus im Alten Kurpark überreicht wurde. „Es ist eine Anerkennung für unser Bemühen, das historische Erbe in Bad Soden zu bewahren“, sagte Blasch.

Zur Sache

Mehrere Kriterien müssen Städte und Gemeinden erfüllen, um sich „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ nennen zu dürfen.

Neben den Heilquellen , die wissenschaftlich anerkannt sind, waren es die gepflegten kurortgerechten Parkanlagen mit ausgeschildertem Wegenetz, die Gesundheitsinfrastruktur mit einem breiten medizinischen Angebot sowie die bioklimatischen Gegebenheiten in Bad Soden, die die Jury überzeugt haben.

An drei Orte in Hessen wurde das Prädikat „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ bislang vom Hessischen Wirtschaftsministerium verliehen. Neben Bad Soden sind das Bad Vilbel im Wetteraukreis und Bad Zwesten im Schwalm-Eder-Kreis.

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