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Hebamme Steffi Brune (links) kümmert sich in der Wochenbett-Ambulanz um W Magdalena Landherr und ihre neugeborene Tochter Loreley. 

Bad Soden

Hebammen-Ambulanz im Bad Sodener Krankenhaus

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Der Main-Taunus-Kreis und die Kreiskliniken starten ein Kooperationsprojekt, um junge Mütter vor und nach der Geburt ihres Kindes besser zu unterstützen. Denn auch im Landkreis zwischen Frankfurt und Wiesbaden sind Hebammen Mangelware.

Im Main-Taunus-Kreis ist die Situation nicht besser als anderswo in Deutschland: 50 Prozent der Frauen finden keine Hebamme, die sie vor und nach der Geburt ihres Kindes zu Hause betreut, sagt die Leiterin der Geburtsklinik am Krankenhaus Bad Soden, Chefärztin Anne Vollmann. Für die 1200 Kinder, die jedes Jahr in dem „babyfreundlichen“ Krankenhaus geboren würden und von denen die allermeisten aus dem Main-Taunus-Kreis stammten, stehen keine 40 Hebammen zur Verfügung. Rund die Hälfte von ihnen ist im Kreiskrankenhaus angestellt, etwa ebenso viele Hebammen arbeiten freiberuflich im Landkreis zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Ausreichend ist das bei Weitem nicht. Jede Woche müsse sie sieben bis acht Frauen abweisen, berichtet Helene Schwarz, die seit drei Jahren als freiberufliche Hebamme im Main-Taunus-Kreis arbeitet. Besonders groß sei die Versorgungslücke in den Sommermonaten.

Um die Situation für Frauen, die im Main-Taunus-Kreis leben und dort ihre Kinder zur Welt bringen, zu verbessern, starten die Main-Taunus-Kliniken und der Landkreis jetzt ein Kooperationsprojekt. Bereits in der Schwangerschaft können sich Frauen, die trotz aller Bemühungen keine Hebamme finden konnten, an die neue Koordinierungsstelle im Gesundheitsamt der Main-Taunus-Kreisverwaltung in Hofheim wenden. „Wir helfen dann bei der Suche nach einer Hebamme“, sagt Gesundheitsdezernentin Madlen Overdick (Grüne).

Für die Zeit nach der Geburt des Kindes bieten die Kreiskliniken außerdem künftig eine Wochenbett-Ambulanz an. Die Sprechstunden, für die man sich anmelden muss und die zunächst an zwei Tagen pro Woche abgehalten werden, könnten nicht die Betreuung durch eine Hebamme im häuslichen Umfeld der jungen Familien ersetzen, betont Hebamme Helene Schwarz. „Wenn wir nach Hause kommen, ist etwas ganz anderes, der Rahmen ist persönlich und intim und die Familien haben eine feste Bezugsperson.“

Kontakt

Die neue Koordinierungsstellefür Hebammen im Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises ist montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr erreichbar. Telefon 06192/201-2007, e-Mail: hebamme@mtk.org.

Vor der Geburtihres Kindes bietet die Koordinierungsstelle Familien Unterstützung bei der Suche nach einer Hebamme an. Nach der Geburt kann dort ein Termin für die Wochenbett-Ambulanz am Kreiskrankenhaus Bad Soden vereinbart werden.

Bis zu drei Termine(Dauer jeweils 60 Minuten) sind bis zum Ende der zwölften Lebenswoche des Kindes in der Ambulanz möglich, falls der Familie keine Hebamme zur Verfügung steht, die ins Haus kommt.

Eine Listefreiberuflich tätiger Hebammen im Main-Taunus-Kreis findet man unter www.mtk.org. 

Verbessert werden könne die Situation all jener Frauen, die für die Zeit nach der Entbindung keine Hebamme gefunden hätten, durch die Wochenbett-Ambulanz aber allemal, ist Madlen Overdick überzeugt. „Immer mehr junge Familien ziehen ins Rhein-Main-Gebiet. Wenn das erste Kind kommt, haben sie oft noch keinen Freundeskreis und die Eltern sind weit weg. In so einem Fall ist die Unterstützung durch eine Hebamme besonders wichtig.“

Der Geschäftsführer der Main-Taunus-Kliniken, Stefan Schad, hofft, dass möglichst viele Hebammen in der Wochenbett-Ambulanz mitarbeiten werden. Die Beratung können sie als Kassenleistung abrechnen, Zusatzkosten puffere der Main-Taunus-Kreis ab, sagt Madeln Overdick.

20 000 Euro seien für das Projekt mit den Kreiskliniken im Haushalt eingeplant. Auch Fortbildungen für Hebammen sollen über dieses Budget finanziert werden.

Eine Dauerlösung, da sind sich Overdick und Schad einig, sollen Koordinierungsstelle und Hebammen-Ambulanz nicht werden. „Das Projekt wurde aus einer Notlage geboren, um die schlechte Versorgungssituation abzumildern“, erläutert die Gesundheitsdezernentin. Ziel müsse sein, den Beruf der Hebamme generell aufzuwerten, so dass mehr junge Frauen sich ausbilden lassen und anschließend auch dauerhaft als Hebamme arbeiten.

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