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Gnadenhof für Tauben

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Der Tierschutzverein Bad Soden/Sulzbach kümmert sich um 60 Tiere. Helfer und Paten werden gesucht.

Bibo hat nur ein Auge. Mit voller Wucht sei die Taube gegen die Fensterscheibe eines Bürogebäudes in Eschborn geflogen, erzählt Kathrin Finkel. Eine Angestellte setzte das verletzte Tier in eine Kiste, rief beim Tierschutzverein Bad Soden/Sulzbach an. „Ich habe die Taube abgeholt, sie zum Tierarzt gebracht und später bei mir zu Haue gepflegt“, sagt Finkel. Bibo hat sich erholt und ist im Gnadenhof für Tauben eingezogen, den der Verein vor knapp zwei Jahren im Bad Sodener Stadtteil Neuenhain eröffnet hat. Mittlerweile hat die einäugige Taube Anschluss gefunden. Zusammen mit Taubendame Gretchen sitzt Bibo stundenlang im gemeinsamen Nistplatz.

60 Tauben, die an Flügeln oder Füßen verletzt, geschwächt oder dehydriert aufgefunden wurden, leben mittlerweile auf dem Gnadenhof. In drei Volieren sind die Tiere untergebracht, abends kommen sie ins Taubenhaus, um sie vor Mardern zu schützen.

Vorbild sei das Stadttaubenprojekt in Frankfurt Oberrad, sagt Kathrin Finkel. Dort hatte sie einst selbst eine verletzte Taube abgegeben. „Tierheime nehmen Tauben für gewöhnlich nicht auf, weil sie nicht vermittelbar sind“, weiß die Tierschützerin. Verletzte Tauben, denen der Arzt eine Überlebenschance attestiere, einschläfern zu lassen, bringe sie jedoch nicht übers Herz. „Da müssen wir Menschen Verantwortung übernehmen.“ Unter den Tauben, die im Gnadenhof leben, sind neben verletzten Straßentauben auch einige Brieftauben, die nicht mehr nach Haus finden oder von ihren Besitzern ausgesetzt wurden. In der freien Natur kämen sie alleine nicht zurecht, weiß Kathrin Finkel. Nach Tierschutzgesetz handle es sich um verwilderte Haustiere. „Sie brauchen unsere Hilfe.“

Umstrittenes Projekt

Unumstritten war das Gnadenhofprojekt für Tauben nicht, erzählt Kathrin Finkel. Auch die eigenen Vereinskollegen sahen das Engagement für den nicht gerade beliebten Vogel, der vielerorts massiv bekämpft wird, skeptisch. Mittlerweile gibt es jedoch eine Reihe Ehrenamtlicher, die das Taubenhaus mit seinen Sitzregalen und Nistplätzen putzen, die Volieren sauber machen und die Tauben mit einer speziellen Körnermischung füttern. Bibo und seine Artgenossen fühlen sich offensichtlich wohl. Sie flattern von Stange zu Stange und gurren, was das Zeug hält.

Nachwuchs soll es im Gnadenhof nicht geben. Deshalb werden die gelegten Eier von den Tierschützern regelmäßig durch Gipseier ersetzt. Langfristiges Ziel sei, den Taubenbestand im Main-Taunus- Kreis zu reduzieren, sagt Kathrin Finkel und verweist auf Taubenprojekte in Wiesbaden, Frankfurt oder Darmstadt. auch dort würden schwache und verletzte Tiere nicht ihrem Schicksal überlassen sondern aus den Schwärmen herausgenommen.

Der Taubengnadenhof in Neuenhain ist der einzige, in der Region, der von einem Tierschutzverein betrieben wird. Und Kathrin Finkel will weiter um Unterstützung werben. Bei Kreistagspolitikern sei sie schon vorstellig geworden, um Geld locker zu machen, sagt sie. Das Taubenhaus sei renovierungsbedürftig, die Volieren könnten vergrößert werden. Auch Paten für die Tauben und Sponsoren sind willkommen sowie weitere Freiwillige, die die Tiere des Gnadenhofes versorgen.

Eine Infoveranstaltungfür Kinder zum Thema „Tauben – Wildtiere oder verwilderte Haustiere“ gibt es am Sonntag. 16. Juni, 14 bis 15.30 Uhr auf den Gnadenhof in Neuenhain. Anmelden kann man sich über die Internetseite www.tierschutzverein-bad-soden-sulzbach.de. Die Teilnahme ist kostenlos.

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