Der erste Finanzpunkt von Volksbank und Taunussparkasse wurde gestern in Bad Soden-Neuenhain eröffnet.
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Der erste Finanzpunkt von Volksbank und Taunussparkasse wurde gestern in Bad Soden-Neuenhain eröffnet.

Bad Soden

Banken-Kooperation im Taunus startet in Bad Soden

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Taunussparkasse und Frankfurter Volksbank haben ihre erste gemeinsame Filiale in Bad Soden-Neuenhain eröffnet. Die Kooperation der Geldinstitute könnte ein Modell der Zukunft in ländlichen Gebieten sein.

Vom „Bankenhammer“ war die Rede, als Taunussparkasse und Frankfurter Volksbank im September ankündigten, künftig im Main-Taunus- und im Hochtaunuskreis gemeinsame Filialen betreiben zu wollen. Vom Experiment einer „Volkssparkasse“ und vom „Pakt der Rivalen“. Die ungewöhnliche Form der Zusammenarbeit sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen.

Keine 100 Tage später haben die beiden Geldinstitute ihren ersten „Finanzpunkt“ in Bad Soden-Neuenhain eröffnet, und der Ansturm am gestrigen Donnerstag war groß. Dutzende Fotografen und Kameraleute drängten sich um die beiden Vorstandsvorsitzenden Eva Wunsch-Weber und Oliver Klink, die gemeinsam mit den Landräten Michael Cyriax und Ulrich Krebs sowie dem Bad Sodener Bürgermeister Frank Blasch die Filiale von Sparkasse und Volksbank per Knopfdruck offiziell in Betrieb gehen ließen.

Im Wechsel wollen die Geldinstitute ihre Kunden in der Neuenhainer Hauptstraße betreuen. Montag und Dienstag werden die Sparkassenmitarbeiter da sein, Donnerstag und Freitag die der Volksbank. Ein großer Würfel im Schaufenster, der mal rot und mal blau leuchtet, zeigt an, welches Geldinstitut gerade vertreten ist. Mittwochs bleibt der Finanzpunkt geschlossen. Eingerichtet ist die deutschlandweit erste gemeinsame Filiale der beiden Wettbewerber in den ehemaligen Räumen der Frankfurter Volksbank in Neuenhain. Nur wenige Meter davon entfernt hatte die Taunussparkasse bis vor einem Jahr ihre Filiale.

Das Interesse der Medien an der ungewöhnlichen Kooperation war groß. 

Nun stehen die Geldautomaten beider Institute im Finanzpunkt – rechts die blauen der Volksbank, links die roten der Taunussparkasse. Dazu gibt es schlichte weiße Schreibtische und silberfarbene Laptops für die Bankmitarbeiter, die im papierlosen Büro arbeiten werden. Die IT-Infrastruktur ist strikt getrennt, damit Bankgeheimnis und Datenschutz an den gemeinsamen Standorten gewährleistet sind.

Neu und unkonventionell sei diese Form der Zusammenarbeit für zwei konkurrierende Geldinstitute, räumte die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank, Eva Wunsch-Weber, ein. Möglicherweise sei das Konzept nicht für jede Region tauglich. „Für den Taunus ist es aber der richtige Weg.“ Die Kooperation sichere die Präsenz beider Unternehmen in der Fläche und leiste einen Beitrag, um die lokale Infrastruktur zu erhalten.

Das Projekt

50 Standortewollen Taunussparkasse und Frankfurter Volksbank im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis zusammenlegen, um künftig Bankdienstleistungen unter einem Dach anzubieten.

Bis Ende 2020sollen 26 gemeinsame Finanzstandorte in den beiden Landkreisen entstehen.

Fünf Millionen Euroinvestieren die Geldinstitute in das Kooperationsprojekt.

Informationenunter www.FinanzPunkt.de. aro

Sinkende Kundenzahlen in ihren Filialen und Mitarbeiter, die Mini-Geschäftsstellen nicht mehr als attraktiven Arbeitsplatz empfanden, hätten Sparkasse und Volksbank über eine Zusammenarbeit nachdenken lassen, hatte Wunsch-Weber bereits im September als Grund für die Kooperation genannt.

Das Share-a-Bank-Modell sei eine intelligente Lösung für die Zukunft, sagte gestern der Vorstandsvorsitzende der Taunussparkasse, Oliver Klink. „Unsere Filialen kampflos aufgeben wollen wir nicht.“ Das Interesse der Bürger sei groß. Noch ehe der Finanzpunkt in Bad Soden-Neuenhain offiziell eröffnet wurde, hätten bereits die ersten Kunden vor der Tür gestanden, berichtete Klink.

Bis Ende 2020 wollen die beiden Geldinstitute insgesamt 26 gemeinsame Finanzpunkte eröffnen. An 17 Standorten werden Mitarbeiter für Beratung zur Verfügung stehen, neun Finanzpunkte werden als Selbstbedienungscenter geführt.

Bereits am heutigen Freitag eröffnet ein weiterer Finanzpunkt mit Beratung in Weil an der Rod. Gemeinsame SB-Center von Taunussparkasse und Volksbank gibt es ab heute in Hofheim-Diedenbergen, im Hattersheimer Stadtteil Eddersheim, in Hofheim-Langenhain sowie in den Kelkheimer Stadtteilen Fischbach und Ruppertshain. Aus einigen Orten hatten sich die Geldinstitute bereits komplett zurückgezogen und Filialen sowie SB-Center geschlossen.

Mit der Kooperation von Sparkasse und Volksbank werde eine Antwort gegeben auf die Entwicklung in den Dörfern, in denen nach und nach Angebote wegfielen, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende der Taunussparkasse, Hochtaunuslandrat Ulrich Krebs (CDU). Der Finanzpunkt sei eine gemeinsame Plattform zweier Anbieter, wie sie in der digitalen Welt längst gang und gäbe sei, erläuterte Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU). „Damit bleiben die Banken nah an den Menschen.“

Lob kam von Hessens Finanzminister Thomas Schäfer: „Volksbank und Sparkasse schlagen mit dem Finanzpunkt einen neuen Weg im Finanzwesen ein“, sagte der CDU-Politiker. Damit reagierten die Banken auf die veränderten Anforderungen und Wünsche ihrer Kunden, die zwar inzwischen viele ihrer Bankgeschäfte digital abwickelten, aber trotzdem auf die Beratung und auf Geschäftsstellen vor Ort nicht verzichten wollten.

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