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Bad Soden: Streetwork gegen Randale

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Von: Andrea Rost

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Streetworkerin Lena Stippich am Jugendcafé in Bad Soden.
Streetworkerin Lena Stippich am Jugendcafé in Bad Soden. © Michael Schick

Bad Sodens neue Streetworkerin Lena Stippich soll mithelfen, dass sich das Verhältnis zwischen Jugendlichen und älteren Menschen in der Stadt entspannt.

Randalierende Jugendliche rund um den Bad Sodener Bahnhof und im Alten Kurpark haben in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Flaschen flogen, Polizeikräfte wurden mit Steinen attackiert, Anwohnerinnen und Anwohner fürchteten um ihre Sicherheit, beklagten Ruhestörung. Dass es in der beschaulichen Kurstadt nie wieder zu solchen Gewaltexzessen kommt, könne sie nicht versprechen, sagt Lena Stippich. „Und wenn es passiert, werde ich nicht diejenige sein, die eingreift, ich bin keine Polizistin.“ Als Streetworkerin wolle sie aber präventiv mit den Jugendlichen arbeiten, sich ihre Sorgen und Nöte anhören und Freizeitangebote machen. Das sei in Pandemiezeiten für junge Leute besonders wichtig. „Sonst gehen die Sozialkontakte verloren.“

Lena Stippich ist 30 Jahre alt, lebt in Frankfurt und hat eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht. In den vergangenen sechs Jahren arbeitete sie im „Haus Gottesgabe“, einer vollstationären Einrichtung der evangelischen Jugendhilfe in Bad Homburg. Kinder und Jugendliche, deren Leben bisher nicht einfach verlaufen ist, als Bezugsperson im Alltag zu begleiten, sei für sie eine spannende Herausforderung gewesen, sagt sie. Feste Strukturen und Vorgaben ließen jedoch wenig Spielraum in der stationären Jugendhilfe. „Das Mitspracherecht der Jugendlichen ist sehr begrenzt.“

Genau das möchte sie Heranwachsenden als Streetworkerin nun in Bad Soden ermöglichen. Die Jugendlichen sollen selbst entscheiden, ob sie zu ihr Kontakt aufnehmen, mit ihr ins Gespräch kommen. Niedrigschwellig wolle sie arbeiten, sagt Lena Stippich, an Orte gehen, an denen sich junge Leute in Bad Soden treffen, Vertrauen aufbauen, sich umhören, was gebraucht wird. Ihren Dienstausweis wird sie immer dabeihaben, aber ansonsten nicht als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung erkennbar sein.

Zum Termin mit der Frankfurter Rundschau kommt sie sportlich gekleidet in Jeans und Turnschuhen und mit schicker Kurzhaarfrisur. Alle 14 Tage gehe sie zum Barberfriseur, verrät sie auf dem Foto, das sie in ihrem Instagram-Account gepostet hat. Aufgenommen wurde das Bild am Jugendcafé in der Innenstadt. Lena Stippichs Mountainbike steht nebendran. „Vielleicht haben Jugendliche in Bad Soden ja Lust, mit mir eine Radtour zu machen“, sagt sie. Als Fußballerin will sie demnächst auch beim „Samstagskick“ in der Sporthalle der Theodor-Heuss-Schule vorbeischauen.

Er habe sich sehr für die Schaffung einer Streetworking-Stelle in Bad Soden starkgemacht, sagte Bürgermeister Frank Blasch (CDU) der FR. Die Stadt habe sich der Kompass-Sicherheitsinitiative des Landes Hessen angeschlossen. Im Zuge der Gespräche sei klar geworden, dass neben der Stärkung der Ordnungspolizei auch der präventive Ansatz in der Jugendarbeit intensiviert werden sollte. „Es geht um ein verträgliches und vernünftiges Miteinander“, formuliert Blasch das Ziel. „Wir müssen Zugang zu den jungen Menschen gewinnen, die selbstverständlich einen Platz in Bad Soden haben.“

Lena Stippich weiß, dass das nicht von heute auf morgen klappen wird. „Es ist ein Prozess, der länger dauert“, sagt sie. Die vergangenen drei Wochen hat sie fürs Netzwerken genutzt, Flyer mit ihren Kontaktdaten verteilt, das Jugendcafé besucht und den Teekeller im Stadtteil Neuenhain, Kontakte zur Schulsozialarbeit geknüpft und zu den Konfirmandengruppen. In der Stadt wird sie auch abends unterwegs sein und am Wochenende, und sie wird versuchen, als Straßensozialarbeiterin für Jugendliche den Spagat zu schaffen zwischen Kontrolle und Freiheit. „Ich bin für dich da und möchte dich unterstützen“, steht auf ihrem Flyer. Bislang habe es nur positive Reaktionen gegeben, sagt Lena Stippich. Auch im Bad Sodener Rathaus bekomme sie viel Unterstützung. „Für mich als Einzelkämpferin in der aufsuchenden Jugendarbeit ist das besonders wichtig.“

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