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Passt auch in Sträßchen und enge Gassen: der autonome Bus „Easy“ mit acht Sitzplätzen.
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Passt auch in Sträßchen und enge Gassen: der autonome Bus „Easy“ mit acht Sitzplätzen.

Verkehr

Bad Soden-Salmünster testet den Bus der Zukunft

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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In Bad Soden-Salmünster testet der RMV ein autonom fahrendes Shuttle erstmals im Straßenverkehr. Von Fahrgästen wird das Angebot gut angenommen.

Die Bremsen greifen gut“, bemerkt Waldemar Hermann mit einem zufriedenen Lächeln. Ein parkendes Auto blockiert die Weiterfahrt. Operator Hermann muss den futuristisch aussehenden Minibus nun manuell um das Hindernis manövrieren – mit einem Nintendo Pro Controller für Computerspiele. Seit Mitte Juni ist in Bad Soden-Salmünster der autonom fahrende Bus unterwegs. Das als Easy (Electric Autonomous Shuttle for You) bezeichnete Vehikel und Projekt wird vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) betrieben und von der Frankfurter University of Applied Sciences wissenschaftlich begleitet. In der Kurstadt geht der RMV mit Easy erstmals in den öffentlichen Verkehr. Der Testbetrieb dauert bis Jahresende. Zuvor pendelte das Fahrzeug nur auf abgesperrten Arealen wie dem des Klosters Eberbach.

„Das Shuttle wird sehr gut angenommen“, heißt es von der RMV-Pressestelle. Wegen der Corona-Bestimmungen konnte der Fahrgastbetrieb erst ab 16. Juni aufgenommen werden, bis heute seien mehr als tausend Personen mit dem Easy gefahren. Der RMV spricht von einem „sehr guten Wert“, denn aufgrund der Corona-Pandemie dürfen aktuell nicht alle der acht Sitzplätze belegt sein. Stehen dürfen hingegen nur die Operator:innen, um stets rundum die Sicht auf die Verkehrssituation zu haben – auch wenn das Vehikel vorn, hinten und an den Seiten mit Radarsensoren ausgestattet ist, die den Abstand kontrollieren. In den Wochen davor hatte der Shuttle wegen des Lockdowns ohne Passagiere schon 500 Kilometer abgespult.

Bad Soden-Salmünster hat, da es für den Feldversuch ausgewählt wurde, nun mit dem Easy eine zusätzliche Linie. „Wir bieten hier eine Ergänzung des ÖPNV an“, heißt es von RMV. Als Zusatz zum bestehenden ÖPNV-Netz, etwa als Anrufbus oder als Shuttle für die „letzte Meile“ – so wird auch die Zukunft des Easy aussehen, heißt es. Bis dahin soll der Bus des französischen Herstellers Navya im Testbetrieb reifen.

Vorbereitete Strecke

Die Größe des Elektro-Shuttles sei geeignet, um in Bad Soden-Salmünsters engen und für einen regulären Bus unzugänglichen Straßen der Altstadt zu fahren. An die 1,3 Kilometer misst die Strecke, die Kliniken, Therme, Kurpark, Busparkplatz Altstadt und Festplatz verbindet. Einmal hin und zurück dauert rund 30 Minuten. Das Mitfahren ist kostenlos.

Einfach eine Route festlegen und den Easy mit bis zu elf Kilometer pro Stunde durch Straßen und Fußgängerzonen losfahren lassen, ist dabei nicht möglich. Die Strecke musste zuvor auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Wo sind Haltestellen und Halteverbote für Autos einzurichten, wo gibt es kreuzenden Verkehr und wo ragt Gestrüpp in den Straßenraum, das die Abstandsmesser erfassen und den Wagen zum Stehen bringen? Der Easy musste die Route regelrecht lernen. Orientierung erhält das Shuttle per GPS, Internet und aus dem Zählen der Radumdrehungen, erläutert Operator Hermann. „Wenn eine der drei Informationen etwa wegen einer Störung ausbleibt, stoppt der Bus sofort.“ Dies mache den Betrieb ohne Begleiter derzeit unmöglich, neben den noch bestehenden gesetzlichen und versicherungstechnischen Hürden. „Es gab anfangs auch überraschende Momente, da ging es auf der Strecke überhaupt nicht weiter“, sagt Hermann. Bei der Fehlersuche stellte sich heraus, dass sich über Nacht „ein Blümchen in den Fahrbereich hinein geneigt hatte“.

Hermann ist einer von sechs Operator:innen, er und zwei seiner Kolleginnen und Kollegen fahren sonst Linienbusse. Weitere Begleiter:innen mussten vorab den Personenbeförderungsschein machen, dann gab es eine Woche Schulung für den Easy. „Zu Beginn waren wir schon voreingenommen und haben uns vor jedem Hindernis oder jeder Kreuzung gefragt: Bremst er jetzt?“, sagt Hermann.

Kurgäste und Einheimischen nähmen den Shuttle mittlerweile sehr gern in Anspruch, berichtet er. Manche Autofahrer:innen betrachteten ihn jedoch als rollendes Hindernis. Touristinnen und Touristen zückten hingegen ihre Handys, um das vermeintlich führerlose Gefährt zu filmen. Es gibt auch kritische Stimmen. „Ich steige nicht ein“, sagt eine Frau aus einer Gruppe. „Dieser Bus wird einmal Arbeitsplätze kosten“, erklärt sie den Grund.

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