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Das historische Medico-Palais steht zurzeit leer. Demnächst könnte es Sitz der Bad Sodener Stadtverwaltung werden.

Bad Soden

Rathaus soll ins Medico-Palais umziehen

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Bürgermeister Frank Blasch (CDU) will das eng mit der Bad Sodener Stadtgeschichte verbundene Gebäude für die Öffentlichkeit erhalten. Der Denkmalschutz würde sogar Glasanbauten billigen.

Wo sollen die rund 80 Mitarbeiter der Bad Sodener Kernverwaltung künftig arbeiten? Im ursprünglich als Hotel konzipierten Rathaus an der Königsteiner Straße, das aus den späten 1950er Jahren stammt und dringend saniert werden muss? Oder im geschichtsträchtigen Medico-Palais oberhalb des Alten Kurparks? Das Palais könnte in Absprache mit dem Denkmalschutz durch Glasanbauten erweitert werden, um zusätzlichen Platz für die Abteilungen zu schaffen, die aktuell im Neuenhainer Bürgerhaus untergebracht sind.

Bürgermeister Frank Blasch hat dazu eine klare Meinung: „Ich präferiere das Medico-Palais als neuen Verwaltungssitz“, sagte der CDU-Politiker vor Journalisten. Zuvor hatte Blasch im Bauausschuss eine vergleichende Betrachtung der Verwaltungsstandorte vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass die Stadt, egal, für welche Option sich die Parlamentarier am Ende entscheiden, nicht darum herumkommen wird, mehrere Millionen Euro in die künftigen Büros der Rathausmitarbeiter zu investieren.

Mindestens sechs Millionen Euro würde es laut Blasch kosten, das jetzige Rathaus sowie das frühere Gebäude der Taunus-Sparkasse an der Königsteiner Straße, in dem ebenfalls Teile der Verwaltung untergebracht sind, von Grund auf zu sanieren. Erweiterungsmöglichkeiten gebe es an dieser Stelle keine. Übergangsweise müssten Büros in Container ausgelagert werden.

Medico-Palais

Vor mehr als 100 Jahren wurde das Jugendstilgebäude am Burgberg als größtes Inhalatorium Europas vom Sodener Ärzteverein errichtet.

Im Eigentum der Stadt ist das Medico-Palais seit 1983. Nach der Renovierung wurde es im Jahr 1993 wiedereröffnet.

Diverse Arztpraxen waren bis Ende 2018 darin untergebracht. Die Stadt bezuschusste die Betriebskosten jedes Jahr mit einer sechsstelligen Summe. Mittlerweile steht das historische Gebäude mit dem imposanten Atrium leer. aro

Die Kosten für Umbau und Erweiterung des denkmalgeschützten Medico-Palais zum Verwaltungssitz schätzen Experten auf rund neun Millionen Euro. Die Maße des ehemaligen Burgberg-Inhalatoriums, in dem jahrzehntelang Arztpraxen untergebracht waren, seien für Büros durchaus geeignet, stellte Bauamtsleiter Michael Henninger fest. Größere Sitzungsräume könnten in den Anbauten untergebracht werden, die als Glaskuben hinter dem Medico-Palais vorgesehen sind. Die Denkmalschutzbehörde würde einer solchen Erweiterung zustimmen, wenn das Jugendstilgebäude als Verwaltungssitz künftig weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sei, berichtete Blasch.

Das jetzige Rathausgebäude würde nach dem Umzug der Verwaltung nicht mehr gebraucht, auch das Sparkassengebäude stünde leer. Das gesamte Areal zwischen Königsteiner Straße und Straße zum Quellenpark bis hin zum Adlerplatz könnte an einen Investor verkauft, ein neuer Bebauungsplan für das Scharnier zwischen Altstadt, Kurpark und Bahnhof entwickelt werden, sagte Frank Blasch. „Was immer dort entsteht, es wäre ein städtebaulicher Befreiungsschlag“, ist er überzeugt. Für das 2300 Quadratmeter große sogenannte Rathauscaree rechnet der Bürgermeister mit einem Verkaufserlös von mindestens drei Millionen Euro. Das Medico-Palais hingegen lasse sich wegen der strengen Auflagen des Denkmalschutzes nur schwer veräußern. In zwei Bieterverfahren war es der Stadt bislang nicht gelungen, einen Käufer für das Gebäude und das umgebende Grundstück zu finden.

Das Medico-Palais im städtischen Besitz zu halten und die Verwaltung dort in unmittelbarer Nähe zum Bürgerbüro im Paulinenschlösschen und dem Kulturzentrum im Badehaus unterzubringen, ist für den Rathauschef noch aus einem anderen Grund wichtig. „Ein so eng mit der Stadtgeschichte verbundenes Gebäude verkauft man einfach nicht“, findet Blasch. „Frankfurt verkauft ja auch nicht die Paulskirche.“

Als Magistratsvorlage soll der Vorschlag, das Medico-Palais als Verwaltungssitz umzubauen, im September im Parlament zur Abstimmung gestellt werden. Bereits im kommenden Jahr könnten die Planungen beginnen.

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