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Als Bad Sodener Heilquellenbeauftragter braucht Nils Kriener auch Kreativität.

Porträt

Der Herr der Quellen

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Nils Kriener sorgt dafür, dass das Bad Sodener Heilwasser sauber aus den Brunnen sprudelt.

Lernen kann man das nicht. „Da gehören viel Erfahrung und Interesse dazu“, sagt Nils Kriener. Der Mann in der orangefarbenen Arbeitskluft ist Heilquellenbeauftragter der Stadt Bad Soden. Kriener arbeitet bei den Stadtwerken und ist an fünf Tagen in der Woche rund um den Alten Kurpark, den Wilhelms- und den Quellenpark unterwegs, um die Sodener Heilquellen zu inspizieren. Dabei hat er vor allem die aufwendige Technik im Blick, die sich unter den Sprudeln, im Keller des Badehauses oder unterm Dach der ehemaligen Trinkhalle im Quellenpark verbirgt. Dort schlägt sozusagen das Herz der Heilquellen, die mit dafür verantwortlich sind, dass der einstige Kurort jetzt das Prädikat „Ort mit Heilquellenkurbetrieb“ verliehen bekommen hat.

Rund 150 000 Euro lässt sich die Stadt Betrieb und Wartung ihrer Quellen pro Jahr kosten. Zwölf sind es insgesamt, allesamt liegen sie in der Bad Sodener Innenstadt und sind staatlich anerkannt. Einmal pro Monat wird eine Probe gezogen, und Experten des Instituts Fresenius kontrollieren, ob das Wasser frei von Keimen ist. Wird, wie jüngst beim Warmbrunnen und beim Milchbrunnen am Franzensbader Platz, eine Verkeimung festgestellt, sperrt die Stadt die Brunnen, um sie zu reinigen und zu desinfizieren. Erst wenn eine erneute Probe ergeben hat, dass die Quellen keimfrei sind, können sie wieder genutzt werden.

Jeden Tag läuft Nils Kriener die zwölf Quellen ab und schaut nach der Technik. Er kontrolliert, ob alle Pumpen funktionieren und dass sich Rohre nicht zugesetzt haben. Vor allem beim Alten Sprudel im Alten Kurpark droht rasch Verstopfung, weil das Wasser viel Eisenmangan enthält, das sich im Inneren der Rohre ablagert. Kriener schiebt dann eine Spirale hinein und sorgt für weiterhin guten Durchfluss. Drei Mal im Jahr muss eine Spezialfirma kommen und die Rohre professionell durchspülen.

Kriener ist gelernter Spengler und Sanitärtechniker und hat den Meister für Bäderbetriebe gemacht, ehe er bei den Bad Sodener Stadtwerken zum Quellenbeauftragten wurde. Pläne zu den teilweise über 100 Jahre alten technischen Anlagen gebe es so gut wie keine, sagt er. Mit dem Computer lasse sich nichts steuern. „Da braucht man Fingerspitzengefühl, um klarzukommen.“ Beim Reparieren der alten Anlagen kommt Kriener seine Fachausbildung zugute. Ersatzteile gibt es meist nicht. Kreativität ist gefragt.

Im Laufe der letzten Jahre ist Nils Kriener zum absoluten Fachmann geworden. Er hat über die Bad Sodener Heilquellen recherchiert, kennt die Zusammensetzung des Wassers und die Technik, die es hochpumpt, sofern die artesischen Brunnen nicht von selbst aus der Erde sprudeln. Er weiß, wie er die Grenzwerte kontrollieren kann, beispielsweise den Kohlendioxidwert in den Technikräumen. Ist zu viel CO2 im Raum, gerät er selbst in Gefahr. Das Gas mache müde, schlimmstenfalls drohe ein Ohnmachtsanfall, erzählt Kriener. Sicherheitsgeräte würden in einem solchen Fall Alarm schlagen.

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Einen großen Technikraum gibt es auch an der Rückseite des Badehauses im Alten Kurpark. Neuer und Alter Sprudel laufen dort ein. Bis vor einigen Monaten wurde das solehaltige Heilwasser ins Medico-Palais hochgepumpt, wo Hautärzte es zu Behandlungszwecken nutzten. Jetzt sind die Ärzte ausgezogen, das Palais steht leer. Die Bad Sodener Sole wird nicht mehr medizinisch genutzt.

Die alte Technik ist noch da und wird es erst mal auch bleiben. Auch hier muss Nils Kriener einmal am Tag nach dem Rechten schauen, damit die Spaziergänger im Alten Kurpark die Quellen sprudeln sehen und das Wasser nutzen können.

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