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Ameisenbläuling bereitet Sorgen

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Der Dunkle Ameisenbläuling ist geschützt. Matthias Fehlow
Der Dunkle Ameisenbläuling ist geschützt. Matthias Fehlow © Matthias Fehlow

Bad Soden Kreis untersucht Bestände des Schmetterlings im Süßen Gründchen

Unscheinbar hockt der Dunkle Ameisenbläuling in dem Gläschen, das Schmetterlingsexperte Matthias Fehlow in die Höhe hält. Mittelbraun ist seine Unterseite, mit Punkten verziert. Nur wenige Populationen gibt es bundesweit von der geschützten Art, denn sie braucht ganz besondere Voraussetzungen, um sich fortzupflanzen. Das "Süße Gründchen" neben dem Sportplatz Sauerborn in Neuenhain bietet diesen Lebensraum und steht seit 2006 unter Schutz.

Aber auch dort ist die Zahl des Dunklen und noch mehr des Hellen Ameisenbläulings besorgniserregend geschrumpft. Um darauf aufmerksam zu machen, hatte die Erste Kreisbeigeordnete der Grünen, Madlen Overdick, zu einem Ortstermin eingeladen. Im idyllischen Grün hören sich die Teilnehmer interessiert an, was Matthias Fehlow, der für den Kreis seit vielen Jahren bedrohte Schmetterlinge kartiert, über die Entwicklung der beiden Bläulingsarten erzählt.

Rasenschnitt

zur richtigen Zeit

Sie brauchen nämlich zum Überleben den Großen Wiesenknopf, von dessen Nektar sie sich ernähren und der in wechselfeuchten Wiesen zu Hause ist. In diesen lege der Schmetterling Mitte Juli - durch die Trockenheit inzwischen eher Anfang Juli - seine Eier ab. Acht Tage später schlüpfen die Raupen und lassen sich nach der dritten Häutung auf den Boden fallen.

Das Besondere: Neben der speziellen Pflanze ist auch noch eine ganz bestimme Ameisengattung, die rotgelbe Knotenameise, notwendig, deren Bestand durch die trockenen, heißen Sommer allerdings gefährdet sei. Sie trägt die drei Millimeter große Bläulingsraupe in ihren Bau, wo sie sich monatelang von Ameisenlarven ernährt, sich im Juni des Folgejahres verpuppt und irgendwann schlüpft.

Ein gefährlicher Moment, so Fehlow, denn eigentlich würden sich die räuberischen Ameisen auf den frisch geschlüpften Schmetterling stürzen und ihn fressen. Aber die verlassene Puppe sei chemisch getarnt, so dass sich die Ameisen ersatzweise darauf konzentrierten und der Bläuling unbeschadet den Bau verlassen könne. Zwei bis drei Wochen fliege er nun über die Wiesen, paare sich und lege irgendwann die Eier für die nächste Generation im Großen Wiesenknopf ab. Für den Erhalt dieser einzigen Futterpflanze sei wichtig, dass die Grasfläche nicht gedüngt werde und der Rasenschnitt zur richtigen Zeit erfolge.

Das erledigt im Auftrag der Stadt Landwirt Jürgen Schaar, der beim Ortstermin dabei ist. Er regt an, den Zeitpunkt der Mahd angesichts der Klimaveränderung sogar etwas nach vorne zu verschieben und betont, dass es möglich sei, wirtschaftlich Naturschutz zu betreiben. Das gemähte Gras nämlich decke seine Kosten. Auch Vertreter des örtlichen Nabu sind dabei, ohne deren unermüdlichen Einsatz das "Süße Gründchen" wohl nicht eine der wenigen Heimstätten der seltenen Population geblieben wäre.

Viele private Landbesitzer nämlich hatten seit den 50er Jahren ihre Grundstücke mit Zäunen, Hecken oder Fichten eingegrenzt und Hütten aufgestellt. Eigentlich illegal, dennoch habe es für großen Ärger gesorgt, die Eigentümer zum Abbau der Zäune zu bewegen. Nicht immer sei es leicht gewesen, den Eigner aufzustöbern, manchen habe man zum Verkauf an die Stadt bewegen können. Sogar mit der Säge sei man unterwegs gewesen, um Lücken ins Dickicht zu schlagen, um den Schmetterlingen den ungehinderten Flug zu ermöglichen, erinnert sich Klemens Fischer, Stellvertretender Nabu-Vorsitzender in Bad Soden. Inzwischen sei das Gebiet zu 70 Prozent in öffentlicher Hand.

Wie schwer es ist, Lebensraum für gefährdete Arten zu erhalten, davon kann auch Fehlow ein Lied singen. Er werde sich aber weiterhin für den Artenerhalt einsetzen, denn das brauche einen Rückhalt.

Waren in früheren Jahren im Kreis noch 3000 Dunkle Ameisenbläulinge in 20 Gebieten und 350 Helle Individuen in fünf Gebieten unterwegs, so sind die Zahlen gegenüber 2018 auf einen Bestand von fünf bis zehn Prozent geschrumpft. Im Vordertaunus habe er in diesem Jahr nur noch im "Süßen Gründchen" Populationen des Hellen Bläulings entdeckt, sagt Fehlow. Hoffnung mache, dass er schon eine Eiablage auf einem Wiesenknopf gesichtet hat. Das Überleben der nächsten Generation sei also gesichert.

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