Maximilien Reul (29) im Gastraum des Grünen Baumes in Bad Soden.
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Maximilien Reul (29) im Gastraum des Grünen Baumes in Bad Soden.

Bad Soden

Jungwirt im „Grünen Baum“ liebt Flair der Siebziger

Maximilian Reul ist gerade einmal 29 Jahre alt und hat das Traditionsgasthaus „Grüner Baum“ in Altenhain gepachtet. Den Einrichtungsstil der Siebzigerjahre will er erhalten. Auch auf der Speisekarte gibt es wenig Veränderungen. Die Stammgäste freut’s.

An der Einrichtung wird nichts geändert.“ Maximilian Reul sagt diesen Satz mehrmals beim Rundgang durch das Altenhainer Dorfgasthaus. Die Frage, ob der „Grüne Baum“ nicht ein Facelifting gebrauchen könnte, kommt unterwegs immer wieder auf: Die rustikalen Tische und Stühle aus massivem Holz und die Bänke mit der roten Kunstlederpolsterung stammen aus den 1970er Jahren, ebenso die Deckenlampen mit den kupferfarbenen Schirmen. Bembel in vielerlei Größen und Pokale stehen auf Wandregalen im Gastraum, daneben hängen alte Schwarz-Weiß-Fotografien.

Treue Stammgäste

Ganz schön altmodisch für einen 29-jährigen Jungwirt. Doch Maximilian Reul ist überzeugt: Die Gäste, die in den „Grünen Baum“ kommen, mögen genau diese nostalgische Atmosphäre. Mehr noch: Sie würden den Siebzigerjahre-Look, den man kaum noch in einem Gasthaus in der Rhein-Main-Region findet, vermissen, wenn er nicht mehr da wäre. Ebenso schätzen Altenhainer und Taunusausflügler die gutbürgerliche Küche mit Rippchen, Schnitzel, Tafelspitz und Holzfällersteak, die Reuls Vorgänger, Friedl Maier, über Jahrzehnte hinweg im „Grünen Baum“ kultiviert hat.

Auch an dieser Tradition will Maximilian Reul nicht rütteln. Ein paar vegetarische Gerichte mehr hat er auf die Karte gesetzt, kauft alle Zutaten von regionalen Anbietern und lässt sie seinen Küchenchef frisch verarbeiten. Das war’s dann aber auch an Veränderungen.

Mit der Übernahme des „Grünen Baums“ hat sich der Neuenhainer einen Traum erfüllt. Nach der Ausbildung zum Hotelfachmann und Betriebswirt im Sulzbacher Dorint-Hotel und an der Hotelfachschule in Heidelberg hat Maximilian Reul unter anderem am Tegernsee, auf einem Kreuzfahrtschiff, im Hotel „Post“ in Lech am Arlberg und als stellvertretender Restaurantleiter auf der Burg Schwarzenstein gearbeitet. Zuletzt leitete er eine Betriebskantine von Eurest.

„Für mich war schon immer klar, dass ich ein eigenes Restaurant haben möchte“, sagt Reul. Dass es nun ein Traditionswirtshaus wie der „Grüne Baum“ mit einer 300-jährigen Geschichte geworden ist, sei ein Glücksfall. „Ich wollte hier unbedingt einsteigen und bin sehr froh darüber, dass es geklappt hat.“

Seit 22. Mai hat der „Grüne Baum“ in der Altenhainer Langstraße nach dem Corona-Lockdown wieder geöffnet. Die Stammgäste von früher seien dem Gasthaus treu geblieben, berichtet Reul. Die Sänger des Vereins Taunus-Liederzweig haben den „Grünen Baum“ zu ihrem Vereinslokal erkoren, ebenso die Freiwillige Feuerwehr. Auch für Taufen, Hochzeiten, Kommunion- und Firmfeiern sowie runde Geburtstage hofft Maximilian Reul die Gaststuben und den großen Saal unterm Dach bald wieder zur Verfügung stellen zu können. Inklusive Aushilfen beschäftigt er bis zu 15 Mitarbeiter, Chefkoch ist Holger Kretzer, der bereits seit 25 Jahren im „Grünen Baum“ am Herd steht.

„Du passt da rein als Wirt“, hätten ihm Stammgäste gesagt, berichtet Maximilian Reul. In Jeans, kariertem Hemd und Turnschuhen steht er hinter der Schank. Damit die vielen Bembel zum Einsatz kommen, will er demnächst von Äpfeln der umliegenden Streuobstwiesen seinen ersten eigenen Apfelwein keltern. Nur die Wurstmaschinen im Nebengebäude des „Grünen Baumes“ werden nicht mehr angeworfen. Diese Tradition übernehme er nicht von seinem Vorgänger, sagt Maximilian Reul.

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