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Angst vor piepsenden Lastwagen

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Von: Kerstin Klamroth

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Hier soll die Edeka-Filiale angesiedelt werden, die alten Gebäude werden abgerissen.
Hier soll die Edeka-Filiale angesiedelt werden, die alten Gebäude werden abgerissen. © Martin Weis

In der Staufenstraße formt sich Bürger-Widerstand gegen einen Edeka-Markt. Sie befürchten Lärm von rückwärts fahrenden Lastern und Geräusche von Lüftungen.

Bürgermeister Alexander Simon (CDU) war sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten: „Wir sammeln Ihre Anregungen“ betonte er immer wieder bei der Bürgerversammlung zum Thema Edeka, „es kann sich beim Bauleitverfahren noch eine ganze Menge ändern.“ Das wollten ihm etliche Bürger nicht so recht glauben. „Wir werden hier vor vollendete Tatsachen gestellt, unsere Meinung ist gar nicht gefragt“, formulierte ein Anwohner aus der Staufenstraße sein Unbehagen. In der Staufenstraße soll die neue Edeka-Filiale später mal ihre Zufahrt haben.

„Altstadt wird platt gemacht“

Zur Bürgerversammlung am Mittwochabend waren jedoch nicht nur Anwohner, sondern auch Vockenhausener Geschäftsleute, Kommunalpolitiker aus Eppstein und Hofheim sowie die beiden Rewe-Manager Erik Lorenz und Axel Kittler gekommen, die unlängst ihre eigene Marktanalyse den Bürgern präsentiert hatten. Dieser Studie zufolge würde ein Konkurrent dieser Größe den Supermärkten in Vockenhausen und Bremthal sowie dem Lädchen in der Alstadt erhebliche Umsatzeinbußen bescheren.

Dieses Argument wurde auch bei der Bürgerversammlung von vielen Kritikern aufgegriffen. „Edeka macht die Altstadt platt“, prophezeite ein Bürger und setzte seiner Kritik noch eine Spitze auf: „Mit einem Markt dieser Größe sind die Bürger in Eppstein dann nicht mehr unter- sondern überversorgt.“

Diesen Befürchtungen konnte Simon keine Fakten entgegenstellen, denn ausgerechnet die von der Stadt in Auftrag gegebene Überarbeitung des Einzelhandelskonzepts aus dem Jahre 2009 fehlt noch immer. Darin sei auch eine Kaufkraftanalyse enthalten, beteuerte der Bürgermeister, wollte aber keine Zahlen nennen. So mussten sich die Bürger mit den bereits vorliegenden Gutachten zum Thema Lärm, Verkehr und Artenvielfalt zufrieden geben, die allesamt dem Vorhaben grünes Licht signalisieren.

Während die Gutachter bescheinigen, dass die gesetzlich vorgegebenen Richtwerte beim Lärm und Verkehr nicht überschritten werden, äußerten die Anwohner am Mittwoch ihre Ängste: Sie könnten sich vom Piepsen rückwärts fahrender Laster und dem Geräusch von Lüftungen belästigt fühlen; Kinder, die sich auf dem naheliegenden Spielplatz in der Straße In der Müllerwies aufhalten, würden nicht mehr sicher über die Straße kommen; die Linksabbieger Richtung Eppstein-West müssten an der Ampelkreuzung künftig zu lange warten, da der Verkehr zunehmen werde.

Öl ins Feuer goss der stellvertretende SPD-Ortsvereinsvorsitzende Dieter Falk, als er dem Verkehrsgutachten der Firma Zick-Hessler eigene Erfahrungswerte gegenüber stellte: Eine Stunde lang hatten die Genossen am Mittwochnachmittag den Verkehr an der Einmündung B455/Staufenstraße gezählt und mittels eines aus dem Internet heruntergeladenen Tools den Lärm mit einem Smartphone gemessen. Fazit: Ein neues Ampelkonzept sei nötig, die Verkehrsbelastung werde enorm sein und dabei seien die Anwohner der neuen Baugebietes Bienroth noch gar nicht berücksichtigt, so Falk.

Wie die neue Edeka-Filiale letztlich aussehen wird, konnte Expansionsleiter Stephan Walter noch nicht schildern. Das Unternehmen, als Genossenschaft gegründet, hat im Südwesten über 1000 Filialen an selbständige Einzelhändler übergeben, auch in Eppstein wird dies so sein. Die neue Niederlassung will der Konzern selbst bauen, sie soll energieeffizient und mit einem Wärmerückgewinnungsanlage ausgestattet sein. Außerdem achte man darauf, dass nicht zu viel Oberfläche versiegelt werde. Der Markt, so verspricht Walther, werde sich ins Eppsteiner Stadtbild einfügen, die Höhe der nebenan stehenden ehemaligen Turnhalle werde nicht überschritten.

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