Die „Brauwichte“ in ihrem Element. Im Hintergrund die beiden Kessel.
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Die „Brauwichte“ in ihrem Element. Im Hintergrund die beiden Kessel.

Bier aus Kelkheim

Die Brauwichte vom Zauberberg

  • Torsten Weigelt
    vonTorsten Weigelt
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Seit knapp zwanzig Jahren stellt eine Hobby-Gruppe in Kelkheim ihr eigenes Bier her. Es dient vor allem dem Eigenbedarf.

Das Geheimnis sei das gute Wasser, erklärt Franz Schalk. Allein wegen der Qualität der Quelle am Ruppertshainer Zauberberg habe einst eine große deutsche Brauerei den gesamten Gebäudekomplex aufkaufen wollen. Der Zuschlag ging jedoch an Erich Nitzling, der in der früheren Lungenheilanstalt eine Mischung aus Wohnungen, Arztpraxen und Gastronomie etablierte. Das Interesse der Brauerei brachte den inzwischen verstorbenen Nitzling aber auf die Idee, es einmal selbst mit Bier zu versuchen. Per Aushang suchte er 2007 während des Zauberberg-Fests Mitstreiter – die „Brauwichte“ waren geboren.

„Am Anfang haben wir ganz normale Einkochtöpfe benutzt“, berichtet Schalk und lacht. „Das hat teilweise sogar funktioniert.“ Allerdings nicht immer. Denn in den Töpfen seien Zeit und Temperatur nicht so exakt zu regeln gewesen, wie es für das Bierbrauen nötig ist. „Da war dann auch mal eine Charge nicht so gut“, gibt Schalk zu.

Das änderte sich, als Erich Nitzling seiner Hobby-Brau-Truppe zwei professionelle Kessel spendierte. Seitdem können die derzeit zwölf Brauwichte nach Herzenslust experimentieren – oft mit unterschiedlichen Biersorten in je einem der beiden Kessel. „Wir probieren ständig neue Zusammensetzungen aus“, schildert Franz Schalk. Heraus kommt dabei mal ein Pils, mal ein Dunkles, mal ein Weizenbier. Was unter den Brauwichten als „Schneewittchen“-Bier firmiert, weil es die Lieblingssorte von Heike Fischer ist, der einzigen Frau unter den Brauwichten. Im Sommer konzentriere man sich auf leichtere, obergärige Biere, erklärt Franz Schalk. Im Winter seien dann die untergärigen, schwereren Biere an der Reihe.

Mit großem Interesse blicken die Brauwichte auf die Craft-Bier-Bewegung, die derzeit mit originellen Kreationen für Furore in der Brauer-Zunft sorgt. „Aber wir arbeiten immer nach Reinheitsgebot“, betont Andreas Fischer. Und im Gegensatz zum sogenannten „Fernsehbier“ der Großbrauereien werde das Zauberberg-Bier auch nicht zusätzlich erhitzt oder pasteurisiert, um es haltbarer zu machen, betont Horst Biener. Alle sechs Wochen setzen er und die anderen Brauwichte einen frischen Sud an, der dann vier bis sechs Wochen braucht, bis er trinkbar ist. Dabei entstehen jeweils 60 Liter frisches Bier, 500 bis 600 Liter im Jahr. Keine Menge, mit der man schwunghaften Handel treiben kann. Deswegen verkaufen die Hobby-Brauer ihr Bier ausschließlich bei Veranstaltungen rund um den Zauberberg. Der Rest dient dem Eigenbedarf.

Fast noch wichtiger als das gemeinsame Bierbrauen sind für die meisten der zwölf Hobby-Brauer, die sich als „Interessengemeinschaft“ und nicht als Verein verstehen, die vierzehntägigen Treffen. „Die soziale Komponente“, nennt Heimo Posamentier das. Da werde dann auch kontrovers darüber diskutiert, welches Bier am besten schmeckt. Einen echten Streit habe es aber in all den Jahren noch nicht gegeben, versichert Andreas Fischer.

Auch nicht, als die Wichte einst aus Versehen zehn mal mehr Röstmalz in den Kessel geschüttet hatten als vorgesehen. Dabei sei eine „rabenschwarze Brühe“ herausgekommen, schildert Franz Schalk. Die aber noch nicht einmal schlecht geschmeckt habe, wie alle versichern. „Unser Ruppertshainer Guinness“, flachst Andreas Fischer. Das Malz, den sie säckeweise in ihrem Domizil am Zauberberg deponiert haben, beziehen die Brauwichte von einem Landwirt aus der Rhön, Hopfen und Hefe bestellen sie über das Internet.

Aber nicht nur Bier kommt bei den Brauwichten auf den Tisch. Besucht man sie in ihrem Braukeller, kann es passieren, dass sie den Gast mit Bembel und Geripptem begrüßen. Denn sie keltern auch Apfelwein, mit den Früchten von den Zauberberg-Wiesen. Besonders stolz sind sie darauf, dass sie damit im vergangenen Jahr den Titel des Ruppertshainer Apfelweinkönig gewonnen haben.

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