Martin Müller-Raidt (vorne) und Christian Hofmann (links) bei der Umstellung auf digitale Projektion.
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Martin Müller-Raidt (vorne) und Christian Hofmann (links) bei der Umstellung auf digitale Projektion.

Kelkheim

Kinopolis ist keine Konkurrenz

  • Torsten Weigelt
    vonTorsten Weigelt
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Seit 30 Jahren betreibt ein Verein das örtliche Kino in Kelkheim. In die Zukunft wird optimistisch geblickt. Das Kino Kelkheim werde sich in seiner Nische behaupten.

Zwei Säle mit insgesamt 165 Plätzen, digitale Projektoren und „aktive“ 3-D-Brillen – das Kino Kelkheim ist heute technisch auf dem neuesten Stand. Davon konnten die sieben Film-Enthusiasten um den Vorsitzenden des Kino-Vereins, Martin Müller-Raidt, nicht einmal träumen, als sie vor 30 Jahren beschlossen: Kelkheim braucht wieder ein Kino. Zumal keiner von ihnen viel Ahnung vom Filmgeschäft hatte.

Immerhin gelang es ihnen, einen gebrauchten Projektor samt Leinwand und 75 Stühlen im Allgäu aufzutreiben. 10 000 Mark blätterten sie dafür auf den Tisch. Als Kinosaal musste ein ehemaliger Klassenraum in der alten Schule Hornau herhalten. Der Komfort war bescheiden. „Wir mussten die Filme durch eine Pause unterbrechen, um mal durchzulüften“, erinnert sich Müller-Raidt.

Doch das störte die Besucher nicht. Sie freuten sich, dass sie in Kelkheim wieder Filme auf der vergleichsweise großen Leinwand sehen konnten, nachdem in den 70er Jahren das letzte Filmtheater der Stadt seine Pforten geschlossen hatte.

Als ersten Streifen präsentierte das junge Kino-Team den oscarprämierten Mozart-Film „Amadeus“ von Milos Forman. Damit gaben sie auch schon die Linie für das Programm vor, das bis heute eher auf anspruchsvolles „Arthouse“-Kino setzt als auf Ballerei und Klamauk. Deshalb sieht Müller-Raidt das Kino Kelkheim auch nicht in Konkurrenz zum Kinopolis im Main-Taunus-Zentrum. „Die spielen in einer anderen Liga und haben auch ein anderes Publikum“, sagt er.

Parallelen gibt es da schon eher zur Kult-Kinobar in Bad Soden. Doch auch hier sieht Müller-Raidt keine Gefahr. „Wir sind weit genug auseinander.“ Das Publikum in Kelkheim stamme in erster Linie aus der eigenen Stadt sowie aus Eppstein und Königstein. Außerdem setzten die Sodener Kollegen verstärkt auf Live-Veranstaltungen wie Kabarett.

Stolz verweist der Verein darauf, dass das Kelkheimer Kino immer noch das einzig ehrenamtlich betriebene gewerbliche Filmtheater in ganz Deutschland ist. Zwar gibt es mit Christian Hofmann inzwischen einen hauptamtlichen Theaterleiter. „Aber die Programmgestaltung und der Betrieb des Kinos liegen nach wie vor in den Händen des Vereins“, betont der Vorsitzende Müller-Raidt. Und der Verein, der aktuell aus fünf Mitgliedern besteht, hat in den vergangenen Jahren auch einiges in das Kino investiert. 2000 bezog es seine beiden Kinosäle im neu gebauten Vereinshaus Hornau. Und 2012 gelang der Sprung ins digitale Zeitalter. 150 000 Euro hat die Umstellung auf das neue Projektionsverfahren gekostet. Trotz hoher Zuschüsse von der Filmförderungsanstalt und vom Land Hessen hat der Verein aus eigenen Mitteln 45 000 Euro selbst aufgebracht.

„Es war ein voller Erfolg“, sagt Martin Müller-Raidt mit Blick auf die Zuschauerresonanz. Waren die Zahlen vor der Digitalisierung stetig gesunken, kamen 2012 wieder deutlich mehr Besucher in die beiden Säle. Inzwischen können die Kelkheimer Kinomacher wieder mit 25 000 bis 30 000 Zuschauern pro Jahr kalkulieren. Das gilt auch für das laufende Jahr. Erfolgreichster Film war bislang „Honig im Kopf“ von Til Schweiger.

„Wir sind zufrieden“, sagt Martin Müller-Raidt. Und auch für die Zukunft ist ihm nicht bange. Das Kino Kelkheim werde sich in seiner Nische behaupten, ist er sicher. Es sei denn, die gesamte Branche bekomme Probleme, etwa wenn Video-on-demand-Anbieter wie Amazon und Netflix dafür sorgen sollten, dass neue Filme ihre Premieren künftig nicht mehr im Kino feiern.

Doch das ist Zukunftsmusik. In nächster Zeit plant der Kinoverein erst einmal keine größeren Investitionen. Derzeit geht es eher um Kleinigkeiten wie eine bessere Breitbandverbindung zu den Verleihern oder mehr Speicherkapazität auf dem eigenen Server, schildert Müller-Raidt.

Und auch das Jubiläum wird nicht groß gefeiert. Für die Besucher hat der Verein aber ein kleines Sonderprogramm zusammengestellt.

Das Kino Kelkheim beendet am Donnerstag, 27. August, seine Sommerpause. Zu sehen sind der neue „Mission Impossible“-Film und „Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben“.

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