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Alt-Bürgermeister sorgt sich

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Von: Torsten Weigelt

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Hans-Georg Wehrheim hat beim Empfang zu seinem 85. Geburtstag den politischen Stil in Eschborn kritisiert.

Wenn es in Eschborn eine Autorität gibt, die bei Bürgern und Politikern aller Parteien gleichermaßen anerkannt ist, dann Hans-Georg Wehrheim. Er war es, der in den 60er Jahren als Jung-Bürgermeister mit SPD-Parteibuch den Anstoß zur Expansion der Stadt gab, die heute bei 20 000 Einwohnern 30 000 Arbeitsplätze zu bieten hat – und ihren Bürgern unter anderem Kindergartengebühren und Hundesteuer erspart.

Obwohl er schon seit 35 Jahren nicht mehr Rathauschef ist, erhält Wehrheim bei öffentlichen Veranstaltungen immer noch mehr Beifall als alle aktuellen Amtsträger. Und so nutzte der Alt-Bürgermeister gestern abend die Gelegenheit, beim Empfang zu seinem 85. Geburtstag, den politisch Verantwortlichen ins Gewissen zu reden.

Sehr traurig

Wehrheim erinnerte daran, dass es zu seiner Amtszeit „eine Basis des Vertrauens zwischen den Fraktionen des Stadtparlaments“ gegeben habe und die wichtigen Entscheidungen „in aller Regel einvernehmlich zustande kamen“. Deshalb sei er nun sehr traurig, ja sogar „zuweilen erzürnt“, dass seit einiger Zeit „so viele Negativnachrichten über die Eschborner Verhältnisse zu lesen sind“.

Damit nahm Wehrheim unter anderem Bezug auf die Berichterstattung in Bild und FAZ, die sich seit der Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr auf den neuen Rathauschef Mathias Geiger (FDP) eingeschossen haben. So hatten beide Blätter erst in der vergangenen Woche die Nachricht verbreitet, dass gegen Geiger wegen Geheimnisverrats ermittelt werde – was jedoch die zuständige Staatsanwaltschaft dementiert.

Leider entstehe so der Eindruck, dass die Arbeit in Rathaus und Politik „von persönlichen Anfeindungen und Intrigen geprägt“ sei, bedauert Wehrheim. Dabei leisteten die meisten Rathaus-Mitarbeiter und Kommunalpolitiker engagierte Arbeit. „Sie geraten unverschuldet in diesen schlimmen Ruf, der nicht zuletzt dieser Stadt immer mehr schadet.“

Appell an alle Beteiligten

Deshalb appellierte er gestern eindringlich an alle Beteiligten, „sich schnellstens auf ein an der Sache orientiertes Miteinander zu besinnen“. Schließlich gebe es eine Vielzahl von Projekten in der Stadt, die in nächster Zeit angepackt werden müssten.

Hans-Georg Wehrheim war von 1961 bis 1979 Bürgermeister von Eschborn. In seiner Amtszeit kaufte die Stadt den örtlichen Landwirten zahlreiche Grundstücke ab, um sie in Gewerbegebiete umzuwandeln. Den daraus resultierenden Gewerbesteuereinnahmen verdankt Eschborn seinen Reichtum. Hans-Georg Wehrheim lebt heute mit seiner zweiten Frau Marlis in Schwalbach.

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