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Von Alben, Zwergen und Vampiren

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Der Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein.
Der Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein. © dpa

450 Besucher gruseln sich lustvoll beim Fantasy-Festival in Weilbach. Der bekannte Autor Wolfgang Hohlbein ist dabei schon Stammgast. Von Jöran Harders

Von Jöran Harders

Auf dieses Gespräch hatte sich Meike Mertsch schon vorher gefreut. Im Autorenzelt des Fantasy-Festivals auf dem Gelände der Weilbacher Kiesgruben konnte die 25-Jährige mit den Schriftsteller-Brüdern Jyoti und Suresh Guptara plaudern. "Klar, dass ich mir so eine Gelegenheit nicht entgehen lasse", meinte die leidenschaftliche Fantasy-Leserin, der das Buch "Calaspia" der britisch-indischen Zwillinge besonders gut gefallen hat. Der jährliche Besuch bei der Lesenacht ist für die Hattersheimerin Pflicht. "Ganz egal, wie viel Stress ich vorher hatte - sobald ich hier bin, bin ich entspannt", erklärte Mertsch. Das liege auch daran, dass die Fans von Fantasy-Literatur "wie eine große Familie" seien. In den vergangenen Jahren habe sie auf dem Festival einige Gleichgesinnte kennengelernt. "Die treffe ich zwar immer nur hier, aber das ist dann jedes Mal sehr nett."

Während das Festival in den vergangenen zwei Jahren wetterbedingt in Hallen stattfinden musste, lasen die Autoren am Freitag auf einer eigens aufgebauten Open-Air-Bühne. Die stand auf einer Wiese in den ehemaligen Kiesgruben, einem Ort, der spätestens beim Hereinbrechen der Dämmerung durchaus einen gewissen fantastischen Reiz hatte. "Als ich das hier zum ersten Mal gesehen habe, war mir sofort klar, dass der Ort zur Fantasy-Literatur passt", erzählte Buchhändler Hans Jürgen Hansen, der das Festival vor vier Jahren ins Leben gerufen hat. Er selbst liest zwar keine Fantasy-Romane, "aber meine Frau ist ein Fan", erklärt er die Wahl des Genres.

"Das Schöne ist, dass ich hier Autoren höre, die ich noch nicht kenne, und dann, wenn mir eine Geschichte gefällt, direkt ins Bücherzelt gehen kann, wo es die Sachen, die vorgelesen werden, zu kaufen gibt", sagte Petra Rose. Die Vielleserin gibt ihre Lektüre auch an ihre Nichten und Neffen weiter und verhindert so, dass ihre Bücherregale irgendwann überquellen. Damit auch Kenner der Fantasy-Literatur auf dem Festival noch etwas zu entdecken haben, werden immer wieder andere Autoren eingeladen. Genauso kommen aber auch Schriftsteller wieder, die beim Publikum besonders gut angekommen sind. Erstmals war Markus Heitz in Weilbach dabei, der neben seinem neuen Bestseller "Die Legenden der Albae" auch ein populärwissenschaftliches Buch, das er zum Thema Vampirismus verfasst hat, zum Vorlesen mitgebracht hatte. Stammgast beim Fantasy-Festival ist Wolfgang Hohlbein, der dort bereits zum vierten Mal das Publikum begeisterte - diesmal mit Ausschnitten aus dem noch unveröffentlichten Werk "Silberhorn".

"Das Spektrum an Themen ist riesig", lobte Meike Mertsch die gebotene Vielfalt. Und wenn sie beim sechsstündigen Lesemarathon den einen oder anderen Autor nicht ganz so interessant findet, sei das nicht schlimm. "Dann habe ich Zeit, um im Bücherzelt weiter zu schmökern." Dass sich mit solch einem Festival kein Geld verdienen lässt, stört Hans Jürgen Hansen nicht. "Wir haben Sponsoren, die helfen, unsere Kosten im Rahmen zu halten", sagte der Lesenacht-Organisator. Gedacht sei eine solche Veranstaltung ja nicht als Einnahmequelle, sondern als Werbung für das Lesen und die Fantasy-Literatur.

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