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Ärger um Kachelmann-Deal

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Der Metereologe Jörg Kachelmann will in Hofheim eine Mess-Station einrichten - aber nur, wenn die öffentliche Hand zahlt.
Der Metereologe Jörg Kachelmann will in Hofheim eine Mess-Station einrichten - aber nur, wenn die öffentliche Hand zahlt. © dpa

Mit der Finanzierung der Langenhainer Wetterstation hat es Hofheim ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes geschafft. Von Barbara Helfrich

Von Barbara Helfrich

Der Bund der Steuerzahler wirft der Stadt Hofheim und dem Main-Taunus-Kreis Geldverschwendung vor. Stein des Anstoßes ist die Wetterstation, die noch in diesem Jahr in Langenhain errichtet wird. Bau und Unterhalt werden komplett aus öffentlichen Kassen bezahlt. Die Daten nutzt und verkauft der private Wetterdienst Meteomedia. In seinem jetzt veröffentlichten Schwarzbuch listet der Steuerzahlerbund den Fall unter der Rubrik "Teure Imagepflege" auf.

Denn aus Sicht der Stadt und des Kreises dient es der "Image- und Öffentlichkeitspflege" sowie der "Tourismusbranche", wenn der Name Hofheim-Langenhain künftig auf Laufbändern am Rand der Fernsehbildschirme zu lesen ist. Dort publiziert der 1991 von "Wetterman" Jörg Kachelmann gegründete Wetterdienst die Daten von rund 470 Mess-Stationen bundesweit.

Die Stadt stellt für die Station ein Grundstück in der Nähe des Bahá ´ í-Hauses kostenlos zur Verfügung und zahlt 18.000 Euro für ihren Bau. Der Kreis steuert 10.000 Euro bei. Die laufenden Kosten trägt die Stadt allein, laut Steuerzahlerbund summieren sie sich auf rund 670 Euro im Jahr. Im Gegenzug stellt Meteomedia die Messdaten und Prognosen der Kommune kostenlos zur Verfügung.

Dass in Langenhain künftig das Wetter gemessen wird, komme auch dem Wetterwarnmanagement der gesamten Region zu Gute, argumentierten Kreis und Stadt, als der Steuerzahlerbund im Mai erstmals kritische Fragen zu dem Projekt stellte: "Im gesamten Main-Taunus-Kreis wird derzeit keine offizielle Wetterstation betrieben, auch der Deutsche Wetterdienst hat dort keinen Messpunkt." Zudem würden Obstbau und Landwirtschaft von lokalen Wetterdaten profitieren, Schulen könnten sie für den Unterricht nutzen.

Der Steuerzahler Bund hält dagegen, dass der Deutsche Wetterdienst "nur ganz wenige Kilometer entfernt in Wiesbaden-Auringen" schon eine Station betreibe, eine weitere in Langenhain mithin überflüssig sei.

Über dieses Argument hätten Meteorologen "schallend gelacht", kontert Stephanie Schleß, Pressesprecherin von Meteomedia. Denn das Wetter sei im wesentlich höher gelegenen Langenhain ganz anders als in Auringen. Zudem würden dort Sonne und Wind nicht gemessen. Aus Sicht von Jörg Kachelmann schließe die neue Anlage eine Lücke im Messnetz und sei daher "sehr wichtig".

Meteomedia kooperiert nach eigenen Angaben bei rund 200 bis 300 seiner Mess-Stationen mit Kommunen. Dass die gesamten Kosten von der öffentlichen Hand getragen würden, sei "kein Einzelfall", aber auch nicht die Regel. Üblich sei eine Mischfinanzierung, bei der Kommunen, Vereine, Unternehmen und Sponsoren sich die Kosten teilen. Meteomedia zahle stets für Datenübertragung und Auswertung, auch in Hofheim. Für einige Stationen trage die Firma zudem die Instandhaltungskosten, die in Langenhain ebenfalls die Stadt übernimmt. Die Kritik sei "zu kurz gedacht", so Schleß. Richtig sei jedoch, dass Hofheim sich die Station überdurchschnittlich viel kosten lasse, so die Meteomedia-Sprecherin: "Für viele Kommunen ist bei 10000 Euro Schluss."

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