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Abrechnung mit Straßengegnern

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Unterhalb der Wickerer Warte soll die Trasse verlaufen.
Unterhalb der Wickerer Warte soll die Trasse verlaufen. © R. Oeser

Soll die Umgehungsstraße B519 ausgebaut werden? Darum geht es bei einer Bürgerversammlung in Flörsheim. Die Stimmung ist aggressiv und klar pro Straße.

Von Claudia Horkheimer

Von menschenverachtendem Verhalten, Volksverdummung und Lügen spricht Andreas Steba von der Bürgerinitiative Bi Pro. Er wohnt in der Rüsselsheimer Straße in Weilbach, durch die täglich 10000 Autos fahren. „Den ganzen Tag über ist es laut und wir wissen nicht mehr weiter“, sagt er. Für Menschen wie ihn sei es besonders bitter, was die Gegner der geplanten Entlastungsstraße glaubhaft machen wollten. Etwa dass die Natur mehr wert wäre als das eigene Wohlbefinden. Es ist eine Generalabrechnung mit den Gegnern der Umgehungsstraße B519, die an diesem Abend in der Flörsheimer Stadthalle vollzogen wird. Schon eine Stunde bevor es losgeht, stehen die Mitglieder der Bi Pro vor dem Eingang Spalier. „Weilbach stirbt und die Galf schaut zu“, „Schluss mit dem LKW-Durchgangsverkehr“ steht auf ihren Transparenten. Ein Mitglied der Bürgerinitiative für die Umgehungsstraße trägt eine Atemschutzmaske. Die Besucher strömen zu dem von der Stadt anberaumten Infoabend zum Bürgerentscheid über die B519 neu.

Vielleicht hat es die Bigu (Bürgerinitiative gegen diese Umgehungsstraße) geahnt, als sie ihre Teilnahme kurzfristig absagte, weil ihr externer Experte keine Redeerlaubnis erhielt. Ganz offensichtlich befürwortet die Mehrheit der etwa 800 Flörsheimer, die gekommen sind, den Bau der Straße. Viele von ihnen sind Anwohner, also direkt betroffen von der Blechlawine, die sich Tag um Tag durch die Mainstadt und ihre Stadtteile Weilbach und Wicker quält.

Der Durchgangsverkehr soll sich durch die Umgehungsstraße um bis zu 79 Prozent reduzieren, wie CDU, SPD und FDP einhellig darlegen. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) ruft unter tobendem Applaus dazu auf, beim Bürgerentscheid am 13. Februar mit „Nein“ zu stimmen und damit für den Bau zu votieren.

Für Peter Kluin (Galf) und Jürgen Kühn (dfb) als einzige Umgehungsstraßengegner auf dem Podium ist es schwer darzulegen, dass der Gesamtverkehr weniger stark zurückgehen werde als der Durchgangsverkehr, weil sie kaum die Buh-Rufe, Pfiffe und das Gelächter durchdringen. Zudem sind sie schlecht vorbereitet. Obwohl sie stichhaltige Zahlen zu präsentieren hätten, die den Effekt des Millionenprojekts etwas relativieren, haben sie im Gegensatz zu den Befürwortern keine Handzettel angefertigt und verteilt. Außerdem bleibt der Stuhl des Bigu-Vertreters auf dem Podium leer. „Peinlich, dass ihr euch nichts traut zu sagen“, schimpft eine Frau aus dem Publikum.

Man habe die komplizierten Sachverhalte der Verkehrsprognosen von einem externen Planungsbüro darstellen lassen wollen, springt Kluin den nichtanwesenden Mitstreitern bei. Das Planungsbüro durfte nicht auftreten, weil es nicht aus Flörsheim stammt, wie Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Odermatt am Vortag entschied. Aus Protest blieb die Bigu fern. Eine alternative Infoveranstaltung der Bigu soll nun am 31. Januar in der Alten Sektkellerei Falkenberg statt.

Neben Fragen zu Finanzierung und Bauzeit wurden Befürchtungen von Keramag-Mitarbeitern laut, die sich von der Straße gestört fühlen. Diese entkräftete Antenbrink mit dem Hinweis auf die geplante Lärmschutzwand.

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