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1000 Flaschen zu verschenken

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Monika Loos bei der Weinlese in Diedenbergen.
Monika Loos bei der Weinlese in Diedenbergen. © FR/Müller

Auf dem städtischen Weinberg bei Diedenbergen wächst ein guter Tropfen. So gut, dass er nicht verkauft werden darf. Von Barbara Helfrich

Von Barbara Helfrich

Über der Ebene hängt noch ein Dunstschleier, aber im Weinberg scheint schon die Sonne auf die Reben. Einige Plastikkisten sind bereits mit Trauben gefüllt. Bis zum Mittag soll die Lese im kleinen städtischen Weinberg am Ortsrand von Diedenbergen gelaufen sein. Rund ein Dutzend ehrenamtliche Erntehelfer schneiden die Früchte von den 405 Rieslingstöcken, die in 20 Reihen stehen. Rathausmitarbeiter und ehemalige Verwaltungsbedienstete machen mit, außerdem Mitglieder des Diedenbergener Heimatgeschichtsvereins. Zwei Frauen plaudern über den Gallusmarkt am vorigen Wochenende, während sie mit Scheren die Trauben abschneiden.

Rathausmitarbeiter Karl-Heinz Harpf hat gerade den Öchslegehalt der Trauben gemessen und ist zufrieden: "Um die 93 Grad. Das wird wieder Spätlese-Qualität, wie im vorigen Jahr." Ein guter Tropfen also, aber auf dem Etikett wird wie immer nur Tafelwein stehen. Denn als Anfang der 1970er Jahre der Weinbau in Diedenbergen aufgegeben wurde, fiel der Ort endgültig aus der Weinbergsrolle. Nur "zu Forschungs- und Demonstrationszwecken" durfte die Stadt den Weinberg 1990 neu anlegen. Der Wein darf deshalb nicht seiner Qualität entsprechend eingestuft und auch nicht verkauft werden.

An die 1000 Flaschen füllt die Stadt in jedem Jahr ab. Sie werden etwa an Jubilare verschenkt, die einen besonderen Geburts- oder Hochzeitstag feiern. Auch Wahlhelfer werden für ihren Einsatz mit einer Flasche Diedenbergener Riesling belohnt. Katholische und evangelische Kirchengemeinde im Stadtteil schenken ihn zudem als Messwein aus. Gekeltert und ausgebaut, also erstgelagert, wird der Wein von der Hofheimer Winzerfamilie Seidemann.

Gleichbleibende Qualität

"Der Boden ist gut, die Qualität gleichbleibend", lobt Karl-Heinz Harpf, der im zweiten Jahre für den Weinberg zuständig ist - nur nebenbei, Finanzplanung und Doppik sind in der Verwaltung sein Hauptgeschäft. Mit dem Weinbau kennt er sich aus, weil seine Großeltern Winzer waren. Bei der Ernte am Dienstagvormittag half auch Bernhard Racky, der vor Harpf kommunaler Wein-Beauftragter war und inzwischen im Ruhestand ist. Dass bei trockenem Wetter gelesen werde, sei gut für den Wein, sagte Racky: "Wenn es feucht ist, gibt es zwar mehr Brühe, aber die Qualität geht runter."

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