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Zwei Geschwindigkeiten

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Von: Gregor Haschnik

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Hanauer Schüler haben bald mehr Zeit am Gymnasium.
Hanauer Schüler haben bald mehr Zeit am Gymnasium. © Hoyer

Die Hanauer Konkurrenten Karl-Rehbein-Schule und Hohe Landesschule bieten künftig G8 und G9 parallel an. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lehnt das Parallel-Angebot grundsätzlich ab.

Ab dem Schuljahr 2013/2014 können die Schüler der Karl-Rehbein-Schule und der Hohen Landesschule (Hola) zwischen dem achtjährigen und dem neunjährigen Gymnasium wählen. Das haben die Gremien der beiden Schulen entschieden. In den Klassen 5 und 6 werden die Schüler künftig weiterhin nach G8-Stundentafel unterrichtet, danach haben sie die Wahl.

Nach Angaben von Hola-Schulleiter Hans Joachim Bezler gab es in der Schulkonferenz, die insgesamt aus dreizehn Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern besteht, zehn Ja-Stimmen und drei Enthaltungen, in der Gesamtkonferenz aller Lehrer eine „absolute Mehrheit“ und im Schulelternbeirat 30 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.

An der Rehbein-Schule gab es laut Schulleiter Jürgen Scheuermann in der Schulkonferenz keine Gegenstimme, in der Gesamtkonferenz zwei und unter den Elternvertretern eine. „Das Parallelangebot ist eine Herausforderung, aber wir haben ein Konzept entwickelt, mit dem wir die Situation meistern werden“, sagt Scheuermann. Am wichtigsten sei es jetzt, die Schüler und Eltern vor der Wahl gut zu beraten.

An der Hola hat die Gesamtkonferenz nach Informationen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hanau zunächst anders votiert. Sie hat sich für eine Rückkehr zu G9 ausgesprochen und gegen ein Parallelangebot. Schulleiter Bezler räumt ein, dass das Meinungsbild unter den Lehrern erst anders war, sich nach intensiven Diskussionen aber gewandelt habe. „Wir werden die Lehrpläne so anpassen, dass wir gut mit dem Parallel-Angebot umgehen können“, sagt Bezler. Er befürworte das Angebot, „weil die Schüler beim Lernen nun mal unterschiedliche Geschwindigkeiten haben“.

Schulen fürchten Konkurrenz

Heinz Bayer, Vorsitzender der GEW Hanau, kritisiert das Parallelangebot: „Das ist der falsche Weg. Etwa 90 Prozent der Eltern wollen zu G9 zurück.“ Das ermögliche ein nachhaltigeres Lernen und entlaste Schüler wie Lehrer. Die Parallelstruktur stelle Schulen und Lehrkräfte vor große Organisationsprobleme. „Die Planung und Vorbereitung der Stunden wird viel schwieriger.“

Der Kreisvorsitzende vermutet, die Gymnasien haben die gleiche Entscheidung getroffen, weil sie Angst hatten, dass Schüler zum Konkurrenten abwandern. Möglicherweise habe die Gesamtkonferenz an der Hola deshalb ein zweites Mal abgestimmt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Rehbein-Schule ihre Entscheidung bereits gefällt. Bayer lehnt das Parallelangebot grundsätzlich ab: „Die Landesregierung hat es nur eingeführt, damit sie etwas besser ihr Gesicht wahren kann, nachdem G8 massive Kritik ausgelöst hat.“

Beim Umgang der anderen Gymnasien mit G8 und G9 ist im Main-Kinzig-Kreis kein klarer Trend zu erkennen: Das Gelnhäuser Grimmelshausen-Gymnasium und andere im Osten des Kreises kehren zu G9 zurück. Die Hanauer Otto-Hahn-Schule konnte als kooperative Gesamtschule schon zum Schuljahr 2011/2012 G9 wiedereinführen. Die evangelisch geprägte Paul-Gerhardt-Schule in Hanau und das katholisch geprägte Kreuzburg-Gymnasium in Großkrotzenburg wollen am G8-Modell festhalten. Das Maintaler Albert-Einstein-Gymnasium wiederum hat sich entschieden, G8 und G9 anzubieten.

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