Hanau

Zukunftsfähig mit Frauen

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Fischerzunft mit neuen Meisterinnen.

Fischerzunft mit neuen Meisterinnen.

Nur über meine Leiche“, hörte Karl-Heinz Adam auf seinen Vorschlag von seinen Vorstandskollegen. Mutig war der Vorstoß von Adam. Er brach mit einer knapp 600 Jahren alten Tradition der Fischerzunft Steinheim 1425. Auch Frauen sollten das Erbrecht zum Fischermeister erhalten. Das war vor 16 Jahren. Der diesjährigen Meisterprüfung stellten sich nun drei junge Frauen und zwei Männer – auch um ein altes Familienrecht nicht zu verlieren.

Der Fischerzunft kann man nicht einfach beitreten wie einem Sportverein, sagt Adam. Es sei ein Privileg, das einst vom Klerus oder Fürsten als Erbrecht vergeben worden sei, um den Beruf als Fischer ausüben zu können.

Das Recht im Main ein Netz auszuwerfen, kann nur von Generation zu Generation weitergeben werden, und nur an den ältesten Sohn in der Familie. Und so sei die Fischerzunft in Hanau vor allem seit Jahrhunderten mit den Namen Adam, Kaiser, Kämmerer oder Seipel verbunden. Stand dem Ältesten nicht der Sinn nach Fisch und Fluss, erlosch für diese Familie das Erbrecht, berichtet Adam. Ebenso, wenn der Nachwuchs allein aus Töchtern bestand.

Lehrzeit beginnt im Alter von 14 Jahren

Schon nach dem Krieg hatte die Zunft ihr Brauchtum der gesellschaftlichen Entwicklung angepasst, erzählt der 77 Jahre alte Ehrenvorsitzende. Die Familien waren weniger kinderreich. Nun sollte es nicht mehr der erstgeborene Sohn sein, der das Erbrecht sicherte. Aber auch das verhinderte kaum, dass die Zunft personell weiter schrumpfte, zumal keiner mehr etwa mit Main-Aal sein Einkommen bestritt.

Damit die Zunft nicht an der eigenen Tradition zugrunde geht, wagte Adam 1998 als Vorsitzender den Vorstoß, von nun an auch Frauen aufzunehmen. Offene und verdeckte Vorbehalte seien im Vorstand geäußert worden. Für Frauen sei die Arbeit zu schwer oder dem Main drohe eine Überfischung, erzählt Adam.

In einer außerordentlichen Versammlung stimmten damals drei Viertel der Mitglieder für eine Modernisierung. Mehr als sechs Frauen sollen seitdem die Ausbildung absolviert haben, die meist mit 14 Jahren als Lehrling beginnt und die von einer zwei Jahre dauernden Gesellenzeit bestimmt wird, bevor die Meisterprüfung abgelegt werden kann.

Nur noch wenige aktive Fischer

Die neuen Meisterinnen werden ihre neue Qualifikation jedoch nicht nutzen, um erwerbsmäßig Netze und Reusen im Main auszulegen. „Aktive Fischer gibt es unter den rund 40 Zunftmitgliedern nur noch wenige“, sagt Adam. Er und Sohn Olaf gehören dazu. Beide betreiben es im Nebenerwerb. Der Fang werde nach dem Räuchern auf dem Wochenmarkt in Bruchköbel verkauft.

Artenerhalt und Naturschutz sind die Hauptaufgaben der Zunftmitglieder in der Gegenwart, sagt Olaf Adam. Hier wird besonders das Auge auf den Gewässerschutz geworfen. Die Zunft äußerte sich früh kritisch zum geplanten Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger am Großkrotzenburger Mainufer. Die Fischer drängten auf eine Renaturierung des Hellenbachs in Klein-Auheim, die derzeit läuft, und auf eine Sanierung des Altmains bei Steinheim. Der Flussstumpf ist laut Olaf Adam noch eine der wenigen Laichrefugien.

Mit zugekauften Fischen wird der Besatz ergänzt, sagt Karl-Heinz Adam. Viele Fische schafften wegen der Schleusen auf dem Main die Rückkehr nach Hanau zum Laichen nicht. Seit Eröffnung des Main-Donau-Kanals vor 22 Jahren finden die Adams oder Kaisers immer mehr schuppige Zuwanderer wie die Grundel im Netz. Das Fischlein sieht Adam aber nicht als kulinarischen Ersatz etwa zum Aal.

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