Aufgeregte Fabelwesen in schrillen Kostümen: Robin (Marius Schneider, Mitte) ist Titanias Elf für besondere Aufgaben.
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Aufgeregte Fabelwesen in schrillen Kostümen: Robin (Marius Schneider, Mitte) ist Titanias Elf für besondere Aufgaben.

Märchenfestspiele Hanau

Die Ziege im Mann

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Bei den Märchenfestspielen in Hanau trifft „Sommernachtstraum“ auf „Tischlein deck dich“: Das Märchen der Grimms bettet Intendant Engel in eine Rahmenhandlung, bei der er sich des Personals und Konstrukts aus Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ bedient.

Zickig zu sein ist eine Eigenschaft, die gemeinhin Frauen zugeschrieben wird. In der Inszenierung von „Tischlein deck dich“ bei den Märchenfestspielen gibt es ein veritables männliches Exemplar zu bestaunen. Denn die Ziege, die in der Geschichte Zwietracht in der braven Familie sät, ist eigentlich ein Kerl: Elfenkönig Oberon, den seine Liebste Titania verzaubert hat. Um es vorwegzunehmen: Das meckernde Miststück ist der Star der Aufführung im Amphitheater, von Patrick Dollmann (das tapfere Schneiderlein aus der Saison 2012) wunderbar biestig und kapriziös, aber nie übertrieben tuntenhaft gespielt.

Der neue Intendant Frank-Lorenz Engel hat „Tischlein deck dich“ für die Bühne bearbeitet und inszeniert. Er habe sich stets gefragt, warum die Ziege so gemein sei, erzählte er vor der Premiere am Samstag – und fand seine eigene Erklärung: Das Märchen der Grimms bettet Engel in eine Rahmenhandlung, bei der er sich des Personals und Konstrukts aus Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“ bedient.

Hier wie dort geraten Titania und Oberon in Streit über ein Findelkind: Titania möchte es zu den Menschen schicken, weil sie bei ihnen die wahre Harmonie wähnt. Oberon hingegen will den Jungen im Elfenreich behalten, bei den Irdischen herrsche nur Gezänk. Hübsche Ironie: Selbiges breitet sich zwischen dem zauberhaften Herrscherpaar immer mehr aus – bis Titania (Nadine Buchet gibt sie charismatisch als launenhafte Diva) den Konflikt auf ihre Weise löst: Kurzerhand verwandelt sie Oberon in eine Ziege. Der dergestalt gehörnte Liebhaber trollt sich in die Welt der Menschen. Dort versucht er, in der Familie, die das Findelkind aufgenommen hat, den Beweis für seine These zu liefern, indem er Intrigen spinnt und den Vater gegen seine Söhne aufwiegelt.

An diesem Punkt setzt die bekannte Märchenhandlung ein, die in der Folge immer wieder mit der Ebene der Elfen verwoben wird. So kommt Titania den Brüdern zu Hilfe, indem sie in ihnen die Zaubergaben Tischlein, Goldesel und Knüppel schenkt. Letztere sind verwandelte Elfen: Die von Flatulenz geplagte Bohnenblüte (drollig: Corinna Lechler) kann ihr Problem als Goldesel sinnvoll nutzen. Puck Robin (Marius Schneider) legt als „Knüppel ohne Sack“ eine furiose Choreographie hin.

Am Ende sind Vater und Söhne und Elfenpaar wieder traut vereint, Findelkind Florian (Maximilian Rösler) hat in der netten Kellnerin (Catrin Omlohr) eine Liebs

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