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„Wünsche sollen wahr werden“

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Von: Gregor Haschnik

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Christa Kuhn vor dem Hanauer Hospiz Louise de Marillac, wo sie seit 2008 arbeitet.
Christa Kuhn vor dem Hanauer Hospiz Louise de Marillac, wo sie seit 2008 arbeitet. © Monika Müller

Christa Kuhn arbeitet seit 8 Jahren in dem Hospiz Louise de Marillac - und gibt Menschen Geleit bei ihren letzten Tagen.

Frau Kuhn, vor zehn Jahren wurde das Hospiz Louise de Marillac eröffnet, Sie arbeiten dort seit acht Jahren. Gab es in dieser Zeit eine Begebenheit, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich werde viele Augenblicke nie vergessen: Das Lächeln der Dame, deren Bett wir auf die Terrasse geschoben haben, damit sie den Himmel genießen konnte. Oder wie liebevoll das Ehepaar miteinander umgegangen ist, das in unserer Hauskapelle seinen 49. Hochzeitstag gefeiert hat. Wir wollen, dass sich die Menschen bei uns geborgen fühlen und noch einige ihrer Wünsche wahr werden. Wir möchten, dass die Menschen bei uns ihre letzten Tage genießen und in Würde sterben.

Kleinigkeiten bewirken Großes

Worauf legen Sie bei Ihrer Arbeit Wert?
Das Wichtigste ist: Der Gast hat die Oberhand. Wir gehen auf seine speziellen Bedürfnisse ein. Jeder darf zum Beispiel kleine Möbelstücke oder andere persönliche Sachen mitbringen. Und wenn jemand Lust auf eine Torte oder ein Glas Sekt hat, bekommt er sie. Häufig sind es vermeintliche Kleinigkeiten, die Großes Bewirken. Angehörige können jederzeit kommen und bei uns auch übernachten. Darüber hinaus bekommt jeder Gast eine individuelle Schmerztherapie, damit er so wenig wie möglich leiden muss.

Welche Menschen kommen zu Ihnen, und wie lange bleiben sie?
Bei uns ziehen Menschen ein, die austherapiert sind und nur noch eine kurze Lebenserwartung haben. Oft sind es Krebskranke. Immer mehr Gäste haben chronische Erkrankungen, von den Älteren sind viele demenzkrank. Im Schnitt bleiben die Frauen und Männer gut dreißig Tage bei uns. Doch es ist schon vorgekommen, dass Gäste bei uns regelrecht aufgeblüht sind und über ein Jahr hier gelebt haben.

Hat sich der Umgang mit todkranken Menschen in den vergangenen Jahren geändert?
Ja, heute werden sie besser versorgt. Die Schmerztherapie hat sich weiterentwickelt, viele ambulante Palliativ-Dienste sind gegründet worden. Außerdem müssen Betroffene mittlerweile keinen Eigenanteil mehr zahlen, wenn sie ins Hospiz kommen. Die Krankenkassen kommen zu 90 Prozent dafür auf, die restlichen zehn Prozent muss das Hospiz aus Spenden finanzieren.

Tod immer noch Tabu-Thema

Was sollte besser werden?
Um die Gäste in unserem Hospiz kümmern sich drei niedergelassene Ärzte und das Palliativ-Team. Sie arbeiten hervorragend und aufopferungsvoll, stehen an sieben Tagen die Woche 24 Stunden auf Abruf. Wir bräuchten dringend mehr solcher Ärzte, doch nur wenige sind dazu bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Außerdem stehen in der Regel 25 bis 30 Menschen auf unserer Warteliste. Es gibt noch zu wenig Hospiz-Plätze. Und nicht zuletzt ist der Tod nach wie vor ein Tabu-Thema, das viele verdrängen.

Was haben Sie während Ihrer Arbeit im Hospiz gelernt?
Ich bin gelassener geworden, rege mich nicht mehr so viel über unwichtige Dinge auf. Ein Arztbesuch kann alle Pläne zu nichte machen. Deshalb sollte man jeden Tag nutzen und genießen. Das hatte ich vorher auch schon oft gehört, aber hier ist es mir bewusst geworden.

Interview: Gregor Haschnik

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