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Für Karasek gehören die Brüder Grimm neben Luther zu den wichtigsten Förderern der deutschen Sprache.
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Für Karasek gehören die Brüder Grimm neben Luther zu den wichtigsten Förderern der deutschen Sprache.

Hanau Jahresempfang Karasek

Wortwitz und Optimismus

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Beim Jahresempfang der Stadt Hanau lobt Redner Hellmuth Karasek den hessischen Dialekt und die Mundart im Allgemeinen, der Oberbürgermeister Claus Kaminsky hingegen fand warme Worte für den Stadtumbau.

Er sei beeindruckt. Die große Zahl der Honoratioren schüchtere ihn ein, sagt Gastredner Hellmuth Karasek und bittet um Nachsicht für den Fall, dass er den Faden verlieren sollte. Der Journalist und Schriftsteller spricht beim Jahresempfang der Stadt Hanau über die deutsche Sprache – und über die Wiederentdeckung der Dialekte. Er wird selbstredend nicht nervös und gewinnt seine Zuhörer mit Wortwitzen, langen und kurzen: „Kommt ein Einarmiger in einen Second-Hand-Shop...“, sagt Karasek und die Leute lachen.

Der 79-Jährige will Anglizismen nicht verteufeln, aber dazu ermuntern „so zu sprechen, wie uns der Schnabel gewachsen ist“. Sonst gäbe es nicht die Unterscheidung zwischen Spätzle- und Knöpfle-Schwaben. Sonst hätte Goethe auf dem Sterbebett nicht „Mer licht hier so schlecht“ sagen können: Die deutsche Sprache sei vor allem wegen ihrer Dialekte vielfältig, kraftvoll, lebendig und lustig. Aber auch wegen der Brüder Grimm, meint Karasek. Und er sage das nicht, um der Stadt schnell ein Kompliment zu machen. Die Grimms seien für die Entwicklung des Deutschen ebenso wichtig gewesen wie Luther. Ohne die Brüder Grimm gäbe es zum Beispiel nicht den „schönsten Farbdreiklang“, so Karasek: „Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz“.

"Kein Stillstand"

Rund 700 Gäste waren zum Jahresempfang im Congress Park Hanau eingeladen worden. Darunter viele bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Zum Beispiel die Bundestagsabgeordneten Sascha Raabe (SPD) und Katja Leikert (CDU), der Landtagsabgeordnete Christoph Degen (SPD), Sparkassen-Chef Robert Restani oder Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß. Aber auch viele weniger bekannte Menschen geladen. Sie engagieren sich ehrenamtlich in der Stadt, sei es in sozialen Einrichtungen oder in Sportvereinen.

Während des Empfangs feiert die Stadt sich selbst. Entsprechend positiv fielen die Reden von Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und Oberbürgermeister Claus Kaminsky (beide SPD) aus. Funck lobte den Stadtumbau. Hanau werde für alle attraktiver, sagte sie. Die „mutigen“ Entscheidungen des Stadtparlaments und des Magistrats seien richtig gewesen: „Wir können uns keinen Stillstand leisten.“

Kaminsky sagte, die Tradition der Brüder Grimm verpflichte. Deshalb werde im Forum Hanau trotz knapper städtischer Kassen eine moderne Bibliothek entstehen. Die Widrigkeiten des Stadtumbaus würden sich lohnen. Beim nächsten Empfang werde die Stadt einen großen Schritt nach vorne gemacht haben.

"Gesichtserker"

Für Karasek steht derweil fest: „Man muss sich um den Erhalt der Sprache keine Sorgen machen. Sie stößt alles Überflüssige ab und nimmt Neues an.“ Mundarten erlebten eine Renaissance. „Es ist eine Reaktion auf die Weltsprache Englisch. Man freut sich über den Dialekt, weil er einen zurück zu den Wurzeln bringt.“ Die eine oder andere Bereicherung von außen könne trotzdem nicht schaden, sagt Karasek und nennt ein Beispiel: Weil das Wort Nase aus dem Lateinischen stammt, wollten Sprachpuristen es durch „Gesichtserker“ ersetzen. Gut, dass es sich nicht durchgesetzt hat, findet Karasek.

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