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Das vom Magistrat gewählte Konzept von Terramag und Baugesellschaft sieht moderne Neubauten vor.

Hanau

Wohnen, Kultur und Büros am Schlossplatz in Hanau

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Magistrat votiert einstimmig für Entwurf von Baugesellschaft und Planungsbüro Terramag. Kritik am Verfahren.

Das Schlossplatz-Areal in der Altstadt wird aller Voraussicht nach von der städtischen Baugesellschaft Hanau (BGH) und dem Planungsbüro Terramag neu gestaltet. Die Partner wollen hier Wohnraum, Büros, gastronomische und kulturelle Angebote, mit der Tanzschule Berné als Mieter, schaffen. Der Magistrat stimmte am Montag für das Konzept – und gegen die Entwürfe der Frankfurter Gruppe KCI, die auf einen historisierenden Stil setzt, die alte Erbsengasse wiederherstellen und ein Hotel bauen will, sowie des Wiesbadener Investors 3W, der Gastronomie, Veranstaltungsräume, Wohnen und ein Hotel plant.

Nach FR-Informationen votierte der Magistrat einstimmig. Dem Vernehmen nach soll sich nur Franz Ott (CDU) enthalten haben, wobei er das wegen seiner Funktion als BGH-Aufsichtsrat getan habe. Das Parlament entscheidet am 23. September und wird wohl zustimmen, auch weil die Koalition aus SPD, Grünen, BfH, FDP eine klare Mehrheit hat.

Die Entwicklung des Areals – zu dem das historische Kanzleigebäude, der Fronhof und das alte Haus des Handwerks gehören – ist das letzte Großprojekt im Rahmen des Stadtumbaus, der Ende der 2000er Jahre begann. Der Freiheitsplatz, wo das Einkaufszentrum Forum und das Kulturforum errichtet wurden, ist bereits fertig, der Marktplatz, wo noch das Neustädter Rathaus saniert wird, weitgehend.

Der Entwurf von KCI orientiert sich leicht an der neuen Frankfurter Altstadt.

Vor der Abstimmung des gesamten Magistrats hatte der hauptamtliche bereits eine „Empfehlung“ für die Hanauer Firma Terramag und die BGH gegeben. Daraufhin war Kritik laut geworden. Besonders vom Ortsverband des Vereins Stadtbild Deutschland um den Vorsitzenden Reinhard Hühn, der sich für das KCI-Konzept starkmacht und dafür eine klare Mehrheit unter den Bürgern sieht. Für Hühn und seine Mitstreiter ist das vom Magistrat favorisierte Konzept deutlich schlechter, etwa weil es gegen die städtische Fassadenfibel verstoße, die Altstadt mit seinen Mietern nicht so stark beleben würde und auch kein Hotel, das Hanau dort brauche, vorsehe. Hühn bezweifelt, dass der Wettbewerb ergebnisoffen war und hält die Beurteilung der Konzepte für falsch. Hanau verpasse mit dem „völlig inakzeptablen“ Ergebnis eine historische Chance. Auch 3W äußert sich enttäuscht und nennt ein Argument für das eigene Konzept: Hanau brauche unbedingt ein ansprechendes Hotel, um der wachsenden Nutzung des Kongresscenters gerecht zu werden.

OB Claus Kaminsky (SPD) weist die Vorwürfe zurück und spricht von „polemisierenden Attacken“ von Hühn. Es handele sich „mitnichten um einen Ideen- oder Architekturwettbewerb“, so der OB. Entscheidend bei der „Konzeptvergabe“ (siehe Info) sei eine „realisierbare, nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Konzeption sowohl für den Neubau als auch für das zu sanierende Kanzleigebäude“. Diese Kriterien sieht er bei BGH/Terramag am besten erfüllt, bei den anderen offenbar nicht. Der Entwurf aus Hanau beinhaltet neben Büroflächen für Terramag etwa 60 Wohneinheiten, die Tanzschule und Gastronomie. Das 2350 Quadratmeter große Areal des Hauses des Handwerks möchte die Stadt dem Duo für 470 000 Euro verkaufen, der Erbbauzins für die 1500 Quadratmeter große Kanzleigebäude-Immobilie soll bei 19 800 Euro pro Jahr liegen – was ziemlich wenig ist. Kaminsky sagt, es gehe nicht darum, den höchsten Preis zu erzielen, sondern die Altstadt dauerhaft zu beleben. Den Vorwurf, der Sieger habe früh festgestanden, weist er ebenfalls zurück. In Zusammenhang mit dem KCI-Entwurf spricht er von einem „Nachbau der Vergangenheit“ mit „aufgekleisterten Fassaden“. Nach der Zerstörung 1945 habe der Schlossplatz eine Zäsur erfahren und sei dann 2003 mit dem Congress Park „modern weiterentwickelt“ worden. Kaminsky verspricht, dass der Entwurf nicht in Stein gemeißelt sei. Die Bürger, so die Zusage, würden beteiligt, um ihn weiter zu verbessern.

Der Umbau

Der denkmalgeschützte Schlossplatz liegt in der Altstadt, gegenüber vom Congress Park Hanau. Besondere historische Bedeutung haben das ab 1685 errichtete Kanzleigebäude und der Fronhof, wo das NS-Regime Widerstandskämpfer einsperrte und dann in Vernichtungslager bringen ließ.

Bei ihrer Entscheidung über den Verkauf des Hauses des Handwerks und die Erbpacht für das Kanzleigebäude greift die Stadt auf die „ Konzeptvergabe“ zurück. Die Kriterien Nutzungskonzept und Vertragsstruktur werden mit 45 Prozent, städtebauliches Konzept und Architekturkonzept/Denkmalschutz mit je 15 Prozent gewichtet.

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