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Mechthild Sckell und ihr Team unterstützen Eltern und Kinder.

Hanau

"Wir sind Brückenbauer "

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Die Familienberatung beklagt zunehmend die Störung der Eltern-Kind-Beziehung durch neue Medien.

Anfangs sei das Angebot mit Skepsis betrachtet worden. „Die Beratungsstelle hatte sich aber dennoch schnell etablieren können“, sagt Mechthild Sckell. Die Zahl der Ratsuchenden ist von einigen Hundert pro Jahr auf mittlerweile mehr als 900 angestiegen, sagt die Leiterin der Familienberatungsstelle des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs (ASK).

Die Beratungsstelle besteht nunmehr seit 25 Jahren. Nicht nur die Quantität der Beratungen, sondern auch die Inhalte haben sich in dieser Zeit verändert. Neben den Beratungsklassikern wie Trennung der Eltern oder Überforderung in der Erziehung kommen verstärkt Kampfeltern und der Einfluss der neuen Medien hinzu. Manchmal müssen Eltern aber auch einfach lernen, sich mit ihrem Kind zu beschäftigen, mit ihm zu spielen.

„Das Angebot ist heute viel differenzierter“, sagt Sckell, die vor 15 Jahren zur Familienberatung kam. Gruppenangebote etwa für strittige Eltern, Multifamilientherapie, Kurse zur Stärkung der Eltern-Kind-Bindung oder das Programm „Frühe Hilfen für einen guten Start ins Lebens“ zählen deshalb zur Beratung hinzu. Unverändert seit der Eröffnung ist hingegen die Stärke des Beraterteams aus Sozialpädagogen, pädagogischen Mitarbeitern und Psychologen. Viereinhalb Stellen gibt es. Finanziert wird der Betrieb vom Main-Kinzig-Kreis und vom ASK. Und auch der geografische Zuständigkeitsbereich ist unverändert, alle Kommunen im Altkreis Hanau, von Maintal bis Hammersbach, außer Hanau, obwohl sich die Beratungsstelle in der Stadt befindet. Hanau hat eine eigenen Beratungsstelle.

Die Nachfrage an Beratung liegt bei uns im Bundestrend“, sagt Sckell. Laut Statistik sei jedes dritte Kind bereits mit seinen Eltern in einer Beratung gewesen. Die steigende Häufung erklärt sie mit dem rascheren Wandel in der Familienstruktur, höherer Scheidungsquote und nicht zuletzt damit, dass die Hilfe der Familienberatung heute von Eltern selbstverständlicher angenommen werde als noch vor 25 Jahren. Die meisten Eltern kommen auf Empfehlung von ehemaligen Ratsuchenden, der Kita oder Schule. „Wir haben heute den Status einer Regelstelle“, sagt Sckell. Familien in Krisensituation ist auch die freie Trägerschaft durch das ASK wichtig. „Vor dem Jugendamt haben die meisten Angst, unnötigerweise“, sagt Sckell. 

Schwierige Eltern-Kind-Verhältnisse entstehen nicht selten aus einer Kommunikationunfähigkeit der Mutter und/oder des Vaters. „Wenn Eltern zu uns kommen, verlangen sie, dass wir ihnen ein Patentrezept für das Verhalten des Kindes geben“, sagt Sckell. Die Familienberatung sieht sich jedoch in der Rolle des Brückenbauers und Übersetzers, um Eltern eine „Feinfühligkeit“ für den Nachwuchs zu vermitteln.

„Sie lernen, die Signale des Kindes richtig zu interpretieren, damit es sich sicher geliebt und verstanden fühlt.“ Es gelte hierbei Kompromisse zu finden, damit die Eltern wieder den Blick auf das Kind richteten und ihr Herz öffneten, so Sckell. Die Familienberatung hat mit „Frühe Hilfen“ ein Angebot entwickelt, dass diese Eltern-Kind-Entfremdung erst gar nicht entstehen lassen soll. Sckell bemerkt: „Wir wissen, dass viele Probleme mit der Geburt anfangen.“ Familienhebammen der Beratungseinrichtung können daher junge Familien durch das erste Lebensjahr des Kindes begleiten und ihnen so zudem Sicherheit geben. 

Vieles habe sich in den 25 Jahren im Zusammenleben der Familien auch gebessert. „In der Regel machen sich heute Eltern mehr Gedanken über das Kind, Väter engagieren sich mehr in der Erziehung und Beratung wird eher angenommen.“ Bei Trennungsfällen habe der Gesetzgeber das Doppelresidenzmodell für die Kinder ermöglicht. Doch weniger Arbeit wird es damit für die Familienberatungsstelle auch in Zukunft nicht geben. Neue Themen tun sich auf und verstärken sich zunehmend, wie sogenannte Kampfeltern, die bei einer Trennung das Kind als Waffe gegen den Ex-Lebenspartner einsetzen, der zwanghafte Internet- und Spielekonsum der Eltern am Smartphone und am Computer sowie die sich daraus ergebende Vernachlässigung der Kinder oder die Vereinsamung innerhalb der Familie. 

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