Die Schüler wehren sich: Lautstarker Protest vor dem Rathaus.
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Die Schüler wehren sich: Lautstarker Protest vor dem Rathaus.

IGS Tümpelgarten-Schule in Hanau

"Wir lieben unsere Schule"

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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Der Großteil der Tümpelgarten-Schule soll nach dem Willen von Schuldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) Schritt für Schritt geschlossen werden. Dagegen protestieren nicht nur die Kinder und Jugendlichen - auch Lehrer und Eltern sind gekommen.

Sie sind schon von Weitem zu hören: Mit Trommeln und Sprechchören ziehen Kinder und Jugendliche aus der Tümpelgarten-Schule am Donnerstagmittag durch die Hanauer Innenstadt. Sie demonstrieren gegen die Pläne von Schuldezernent Axel Weiss-Thiel (SPD), den größeren Teil ihrer Schule zu schließen.

„Das lassen wir uns nicht gefallen“, steht auf dem Pappschild, das Lisa-Marie in der Hand hält. Sie und ihre Mitschülerinnen Chantal und Isa wollen, dass die ganze Tümpelgarten-Schule im Lamboy erhalten bleibt, nicht nur die Grundschule. Weiss-Thiel hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass in den kommenden Jahren nach und nach die Förderstufe (5. und 6. Klasse) sowie die Haupt- und die Realschule geschlossen werden sollen. Jetzt hätten sie kleine Klassen und ein gutes Verhältnis zu den Lehrern, betonen die Mädchen aus der achten Klasse und sagen: „Wir lieben unsere Schule!“

Gute Atmosphäre

Das sehen auch die Jungen und Mädchen aus dem sechsten Jahrgang, die daneben stehen, so. „Wir wollen uns erheben, TGS soll leben“, heißt es auf einem handgemalten Schild. Und auf einem anderen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Schule klaut.“ Die Tümpelgarten-Schule sei etwas Besonders, sagen Yaren, Kubilay, Muhammed, Burak, Hasin und Melisa. Dort sei die einzige Förderstufe in der Stadt: „Wenn die Noten nicht so gut sind, kann man sich in der Förderstufe noch auf die Realschule vorbereiten.“

Ein anderer erzählt, dass schon seine Eltern diese Schule besucht haben. Auch die gute Atmosphäre untereinander, der neue Kunstrasenplatz und Schwerpunkte wie die Umweltschule zählen die Schülerinnen und Schüler auf. Ihre Klassenlehrerin Sarah Ringeling ist sicher: „Unsere Schule ist etwas Besonders.“ Sie könne viel mehr bieten als andere Schulen. So sei sie als Klassenlehrerin zwölf Stunden pro Woche in der Klasse.

Furkan Kurt ist begeistert davon, wie viele der 600 Schülerinnen und Schüler mitgekommen und eine Stunde durch den kalten Nieselregen gelaufen sind. Fast alle seien da, sagt der 16-Jährige, der im vergangenen Jahr Schulsprecher war. Sein Nachfolger Hakan Senel betont, er wisse, dass der Stadtrat die Schule nicht sofort und ganz schließen wolle, und dass die, die jetzt da sind, ihre Schulzeit noch beenden können.

Aber es gehe ja schließlich um die, die noch kommen wollen, und um die Schule an sich. „Es wäre schade, wenn das alles verloren gehen würde“, sagt er. Und auch Furkan Kurt lobt das besondere Engagement der Lehrinnen und Lehrer: Sie kümmerten sich um die Schüler und redeten regelmäßig mit den Eltern.

Schuldezernent zur SV-Sitzung eingeladen

Organisiert wurde die Demonstration von der Schülerverwaltung (SV). Doch auch Lehrer, Eltern und Mitglieder des Fördervereins sind gekommen. SV-Lehrerin Sezi Eruygun erinnert sich noch an die erste Reaktion der Schüler auf die geplante Schließung: Alle anderen Schulen bekommen Geld, zum Beispiel für eine neue Mensa, aber für uns ist nichts übrig, hätten sie gesagt.

Dirk Sticha, Elternvertreter und Mitglied der Schulkonferenz, ärgert sich darüber, „dass hier eine besondere Schule geopfert wird“, obwohl in einigen Jahren der Bedarf wieder da sein werde. Auch die Förderstufe werde ihrem Namen gerecht: Zu Beginn hätten 40 Prozent eine Empfehlung für die Realschule, nach den zwei Jahren 60 Prozent.

In der kommenden Woche wollen die Schüler diese und viele andere Fragen an Schuldezernent Weiss-Thiel stellen. Der hatte angeboten, auch bei der Demonstration zu reden. Doch dann hätte es kein wirkliches Gespräch gegeben, fanden die Schüler und luden ihn zu ihrer SV-Sitzung ein.

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