1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Kinzig-Kreis

Willkommen im Leben

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Rund 700 bis 800 Kinder kommen jedes Jahr in Hanau zur Welt - ab April erhalten alle Mütter und Väter von Neugeborenen einen Gutschein für ein "Willkommenspaket" der Stadt. Diese Studentinnen haben es entworfen.
Rund 700 bis 800 Kinder kommen jedes Jahr in Hanau zur Welt - ab April erhalten alle Mütter und Väter von Neugeborenen einen Gutschein für ein "Willkommenspaket" der Stadt. Diese Studentinnen haben es entworfen. © Renate Hoyer

"Viele junge Eltern haben Erziehungsfragen, denen sie sich nicht gewachsen fühlen", sagt Hanaus Sozialdezernent Weiss-Thiel (SPD). Die Stadt hilft jungen Eltern künftig mit einem Begrüßungspaket.

Von Ute Vetter

Rund 700 bis 800 Kinder kommen jedes Jahr in Hanau zur Welt - ab April erhalten alle Mütter und Väter von Neugeborenen einen Gutschein für ein "Willkommenspaket" der Stadt. Dafür erhalten sie im Kinder- und Jugendbüro eine von 500 schwarz-orangefarbenen Kuriertaschen.

Diese enthalten ein Lätzchen, ein Babybadetuch, Gutscheine für kostenloses Babyschwimmen, ein Märchenbuch, einen Ordner mit Infos zu Themen wie Betreuungsplätze, Beratung und Hilfe, Wirtschaftliche Hilfe, Angebote für Kinder sowie Broschüren zu Gesundheitsvorsorge und Impfungen.

"Das Paket ist aber mehr als nur eine Geste", betonte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Montag im Rathaus. "Es ist ein niederschwelliges Informationsangebot für junge Familien mit Unterstützungsangeboten der Stadt und ihren frühen Hilfen".

Das Paket gibt es in fünf Sprachen - von Deutsch bis Russisch

Die 500 Pakete wurden in Russisch, Türkisch, Italienisch, Englisch und Deutsch aufgelegt; dabei half der Ausländerbeirat. Die Kosten bezifferte Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) mit 19.000 Euro. Er sagte: "Viele junge Eltern haben Erziehungsfragen, denen sie sich nicht gewachsen fühlen."

Die Stadt wolle vor allem jenen helfen, denen "soziale Ressourcen" fehlten. "Sie sind auf professionelle Hilfen angewiesen". Insgesamt verlören zu viele den Überblick über die vielfältigen Hilfsangebote der Stadt.

Die Idee geht auf einen Stadtverordnetenantrag von 2007 zurück, erklärte Anne-Dorothe Stübing, Vorsitzende des Präventionsrates. 2008 entstand das Netzwerk "Frühe Hilfen", in dem Ärzte, Kliniken, Gesundheitsämter, Diakonie, Wohlfahrt, Kommunaler Sozialer Dienst, der Eigenbetrieb Kindertagesstätten und freie Träger zusammenarbeiten.

Im selben Jahr stellte die Stabsstelle Prävention mit dem Deutschen Kinderschutzbund, Ortsverband Hanau, das Dormagener Vorreiter-Modell eines Willkommenspaketes vor. Dieses basierte jedoch nicht auf Freiwilligkeit wie in Hanau, sondern hier wurden frisch gebackene Eltern von Jugendamt-Mitarbeitern zu Hause aufgesucht. "Das stieß nicht immer auf Begeisterung", erklärte Stephanie Kämmerer, Leiterin der städtischen Stabsstelle Prävention. Darum wählte Hanau bewusst den Weg der Freiwilligkeit.

Ende 2009 eröffnete das Kinder- und Jugendbüro im Böckler-Haus am Sandeldamm 19 als niedrigschwellige, unbürokratische Anlaufstelle für junge Familien. Hier sollen die Pakete abgeholt werden, denn hier wollen die Mitarbeiter (2,5 Planstellen) den Kontakt zu den Familien mit Babys und Kleinkindern aufbauen und bis zu deren Eintritt in die Grundschule möglichst halten.

Kooperation mit Hochschule

Um den Bedarf eines Willkommenspaketes festzustellen, kontaktierte Kämmerer die Fachhochschule (FH) Frankfurt. Studenten des Fachbereichs "Soziale Arbeit und Gesundheit" interviewten von Oktober 2009 bis Ende Januar 2010 fast 90 Wochenmarktbesucher zwischen 16 und 83 Jahren, wovon 62 Prozent in Hanau lebten. 58 Prozent kannten keine Angebote für Neugeborene in Hanau, 93 Prozent befürworteten ein Willkommenspaket. Eine Mehrheit befürwortete aber die Übergabe über die Gesundheitshilfe, erst dann übers Kinder- und Jugendbüro.

Auch interessant

Kommentare