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Wenn Mamas Frauen lieben

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Von: Gregor Haschnik

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In der Serie „Verbotene Liebe“ spielen Claudia Scarpatetti (links) und Claudia Hiersche ein lesbisches Paar.
In der Serie „Verbotene Liebe“ spielen Claudia Scarpatetti (links) und Claudia Hiersche ein lesbisches Paar. © Imago

In der Gruppe L-Mam treffen sich lesbische Mütter aus dem Main-Kinzig-Kreis. Der Gruppe, die Teil des Vereins Queer Hanau ist, gehören etwa 15 Frauen an. Sie tauschen sich über ihre Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig.

Ein Bilderbuchleben habe sie geführt, sagt Simone. „Eigentlich“, schiebt sie hinterher. Ein Leben mit Erfolg im Beruf und Reihenhaus. Mit einem Ehemann, mit dem sie sich gut verstand. Und einem Sohn, den sie nach wie vor über alles liebt. Trotzdem lief etwas schief, fehlte ihr etwas.

Nachdem sich ihr Mann vor ein paar Jahren von ihr getrennt hatte, hatte Simone einen Traum, in dem ihr eine Stimme sagte: „Wenn du morgen früh wach wirst, dann steh’ zu dir.“ „Ich wusste sofort, was gemeint war: Ich liebe Frauen“, erinnert sich die 36-Jährige. Sie folgte der Stimme, beschloss, sich zu outen. Als Mutter war Simone aber in einer besonderen Situation: „Wie sage ich es meinem Kind? Wie wird mein Ex-Mann reagieren? Werde ich als Mutter von anderen Lesben akzeptiert? Diese Fragen treiben lesbische Mütter um.“

Deshalb hat Simone im Februar 2012 L-Mam gegründet, eine Gruppe für lesbische Mütter. Gemeinsam mit Daniela, einer Freundin, baute sie die L-Mam-Gruppe auf. Am Anfang waren sie nur zu dritt, mittlerweile kommen etwa 15 Frauen zu den Treffen. Die Jüngste ist Mitte 30, die Älteste Mitte 40. Die Altersspanne der Kinder reicht vom Kindergarten- bis zum Erwachsenenalter. „In der Region gibt es kaum Treffs für lesbische Mütter“, sagt Daniela. „Wir gehen aus, grillen zusammen mit unseren Kindern – und sprechen über unsere Erfahrungen.“ Es werde viel gelacht und geredet.

Der Austausch sei für lesbische Mütter besonders wichtig, weil sie sich kaum jemandem anvertrauen könnten und häufig auf Unverständnis oder sogar Hass stießen: „Wenn sich Mütter outen, bricht oft eine Welt zusammen. Das löst viele Fragen, Ängste und Konflikte aus“, sagt Simone. „Du hast doch ein Kind. Wie kannst du so etwas tun?“, bekämen die Frauen oft zu hören. Oder: „Das ist bestimmt nur so eine Phase. Das geht vorbei.“

Aus verletztem Stolz würden manche Männer gewalttätig, andere versuchten, den Frauen das Sorgerecht wegzunehmen. Hinzu komme, dass Mütter in der Szene schon mal als „Homosexuelle zweiter Klasse“ betrachtet würden und ohnehin weniger Zeit hätten, um auszugehen und andere Frauen kennenzulernen. „Lesbische Mütter stehen oft zwischen den Stühlen.“

So wie eine Frau aus der L-Mam-Gruppe: Sie scheut sich davor, sich zu outen. Aus Angst, ihr pubertierender Sohn könnte sie ablehnen. „Viele der Mütter leben ihre Liebe zu Frauen heimlich aus“, sagt Daniela. Sie trennte sich bereits in der Schwangerschaft vom Vater ihres Kindes. Große Reibereien gab es nicht, als sie sich outete. Bei Simone verlief das Outing ebenfalls relativ unproblematisch. „Meine Freunde haben sich für mich gefreut, mit meinem Ex-Mann gab es keine Probleme.“ Die Nachbarn hätten ihre Partnerin, mit der sie seit mehreren Jahren zusammen ist, freundlich aufgenommen. Ihre Eltern hingegen gingen auf Distanz zu ihrer Freundin. „Toleranz endet eben oft am eigenen Gartenzaun“, sagt Simone. Sie hofft, dass sich das Verhältnis bessert.

Am natürlichsten sei ihr heute achtjähriger Sohn damit umgegangen: „Ich habe es ihm nicht umständlich erklärt. Er ist einfach in die Situation reingewachsen und spürt, dass es mir jetzt besser geht.“ Wie er damit umgeht, dass seine Mama eine Frau liebt? „Locker vom Hocker“, sagt der Achtjährige. Seinen Vater sieht er regelmäßig. „Ich denke, Kinder wollen vor allem stabile Verhältnisse und eine glückliche Mutter“, sagt Simone. Es bringe nichts, wenn Mütter ihre Identität verleugneten. „Ich habe meine Gefühle lange unterdrückt, weil ich glaubte, Erwartungen anderer erfüllen zu müssen.“

Simone erinnert sich noch gut daran, wie es war, als sie sich davon befreite und schließlich in ihre Freundin verliebte: „Es war ein Wahnsinnsgefühl. Mein Herz hat endlich laut geklopft.“

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