Hanau Stiftung Lichtblick

Wenn das Leben zur Qual wird

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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Ihr Mann ist Alkoholiker und trichtert ihr ein: "Du bist nichts, du kannst nichts". Nach einer quälenden Beziehung fasst Pauline Werner mit Hilfe der Stiftung Lichtblick neuen Lebensmut.

"Ich war psychisch am Ende“, sagt Pauline Werner (Name geändert). Immer wieder machten ihr Panikattacken zu schaffen; sie hatte Angst, die Wohnung zu verlassen. Essen konnte sie kaum, und wenn sie sich doch dazu durchgerungen hatte, musste sie sich bald übergeben.

Dann gab es eine Phase, in der sie aus Frust Fett- und Kalorienreiches in sich hineinstopfte und dutzende von Kilos zunahm. Dann hungerte sie wieder, ekelte sich vor Lebensmitteln und war kaum in der Lage, einkaufen zu gehen, geschweige denn etwas zu kochen.

Auslöser war ihre Ehe und die quälend lange Trennungsphase: „Mein Ex-Mann trichterte mir ein: ,Du bist nichts, du kannst nichts, und ohne mich kommst du gar nicht zurecht‘“, erinnert sich Werner. Er war Alkoholiker und suchte häufig Streit, nachdem er abends von der Arbeit nach Hause gekommen war, „bei den kleinsten Kleinigkeiten“. Gewalttätig wurde er auch.

Die Trennung fiel Werner vor allem wegen des gemeinsamen Sohnes schwer. Sie versuchte, sich zu arrangieren, gab nach, irgendwann brachte sie ihr Kind abends früh ins Bett und zog sich nur noch zurück. Sie sorgte zwar für ihren „geliebten Sohn“, hatte aber fast keine Lebensfreude mehr. „Dabei war ich früher ein so selbstbewusstes und quirliges Mädchen.“

Durch den Rat eines Psychologen kam sie zur Stiftung Lichtblick. Sie besuchte zunächst den Treff „Kaffee-Klatsch“ und ging zu Sozialpädagogin Monika Ewald in die Beratung. „Erst musste ich mich zwingen hinzugehen, sah aber schon bald, dass es mir helfen könnte.“

Im Gespräch mit anderen Frauen habe sie Halt gefunden und erkannt: „Ich bin nicht die einzige auf der Welt, der es schlecht geht. Ich kann es schaffen.“ Mit Ewald habe sie ihre Probleme fokussiert und mögliche Lösungen besprochen – in kleinen, erreichbaren, aber verbindlichen Schritten. „Wir sind die Herausforderungen nach und nach zusammen und geduldig angegangen, zum Beispiel das Einkaufen.“ Auf Augenhöhe seien die Gespräche gewesen, „menschlich und alltagsnah“.

Das Gemeinschaftserlebnis bei den Treffen und Kursen – ob beim Basteln oder Frühstücken – „hat es mir erleichtert, mich auf das Tun und nicht auf die Dämonen in meinem Kopf zu konzentrieren“. So kam es, dass sich das Kochen von der Horrorvorstellung zurück zur Leidenschaft entwickelte. Werner bereitete Essen für die gesamte Gruppe zu und freute sich über die große Anerkennung dafür. Sie habe gelernt, zu genießen und ihren Körper zu spüren. „Ich ging aufrechter statt mich klein zu machen“, sagt Werner und fügt hinzu: „Meine Lebensfreude wurde wieder geweckt. So konnte ich den Alltag viel besser bewältigen.“ Davon habe auch ihr Sohn profitiert: „Er hat sich gut entwickelt. Darauf bin ich stolz.“

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