Hanau

Weniger Briefkästen

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Im Stadtzentrum von Hanau fehlt es an Briefkästen - wegen der Großbaustelle. Die im Internet präsentierten Standorte sind nicht aktuell.

Einen frisch frankierten Brief im Stadtzentrum so en passant auf dem Weg zur Arbeit oder während des Einkaufens in einen der gelben Blechkästen der Post zu werfen, ist derzeit ein vergebliches Vorhaben. Am Marktplatz oder rund um den Freiheitsplatz lässt sich keiner mehr finden. Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau heißt es von der Post, dass diese Situation der Großbaustellen geschuldet sei.

Trotz der fehlenden Briefkästen ist der gesetzliche Versorgungsauftrag gesichert, sagt Postsprecher Alexander Böhm. Danach müsse im städtischen Gebiet alle 1000 Meter Luftlinie eine Briefbox stehen. „In der Wirklichkeit liegt die Post weit unter den Vorgaben.“ Bundesweit betrage die durchschnittliche Distanz von einem zum anderen Postkasten kaum mehr als 500 Meter, so Böhm.

Ganz ohne Briefkasten ist das Stadtzentrum nicht, wenn man sich auskennt. Und davon geht die Post aus. In der Sternstraße 20 steht ein stummer Briefentgegennehmer, allerdings in einem zurückversetzten Hauseingang. Mit bloßem Blick in die Straße ist der gelbe Kasten nicht zu entdecken. Ein weiterer befindet sich in der Französischen Allee / Ecke Lindenstraße, der wird jedoch im Post-Internetportal unter Briefkasten-Finder (standorte.deutschepost.de/briefkaesten) nicht angezeigt.

Kein dauerhafter Abbau

Dafür bekommt der Nutzer der elektronischen Suche Kästen samt Leerungszeiten am Marktplatz auf einem Stadtplan präsentiert, die nach Alexander Böhms Angaben von der Post wegen der Baustellen bereits am 11. Juni demontiert worden sind. Warum in dem nach Aktualität schreienden Medium veraltete Informationen stehen oder neue Standorte noch nicht zu finden sind, konnte Böhm nicht beantworten. Der Sache soll nachgegangen und der gegenwärtige Zustand eingepflegt werden.

In Hanau werden keine Postkästen auf Dauer abgebaut, sagt Böhm. Vor mehr als zehn Jahren habe die Post das Netz ausgedünnt, seitdem sei es unverändert. Ob jedoch die Briefkästen nach dem Stadtumbau wieder an ihre früheren Standorte am Marktplatz und Freiheitsplatz zurückkehren werden, ließ Böhm offen. Die Entscheidung liege bei der Stadt und bei den Hauseigentümern, ohne deren Genehmigung gehe nichts.

„Die Post ist nur für den Auf- und Abbau der Briefkästen zuständig.“ Von der Stadt heißt es, künftig soll ein Kasten am Marktplatz auf der Rathausseite installiert werden. Am Freiheitsplatz soll es auch wieder einen Briefkasten geben, der Standort sei noch offen.

Die verschwundenen Briefschlucker etwa an einem Behelfsstandort zu platzieren, beispielsweise am Zentralen Omnibusbahnhof, lehnt die Post ab. Leute, die häufiger in Hanau zugegen sind, wissen in der Regel, wo es noch Briefkästen in der Innenstadt gibt, heißt es. Auch komme es aus aktuellem Mangel an Einwurfgelegenheiten im Stadtzentrum nicht zu einem Überquellen der Briefkästen in Randlage wie am Kurt-Blaum-Platz, versichert Böhm.

Bei starker Nutzung sogar Sonderleerungen

Die Post beobachte die Füllstände. Zeige sich, dass ein Standort stark frequentiert werde, nehme die Post dort auch Sonderleerungen vor. Die würden jedoch nicht auf den Kästen angegeben. Die dort angeschlagenen Leerzeiten würden trotz Extraabholung immer eingehalten. „Diese Zeiten sind verbindlich.

Einfach dem nächsten Austräger der Post, den man in der Stadt trifft, den Brief in die Hand drücken, geht hingegen nicht. In den Posttaschen an Dienstvelos oder -Caddys sei nicht ausreichend Platz für einen solchen Service.

Den können hingegen Bewohner der ländlichen Region nutzen. Postmitarbeiter seien dort zumeist mit dem Lieferwagen unterwegs. Das Postauto bietet zudem noch Platz für Briefmarken, damit Dorfbewohnern der Gang oder die Fahrt in die nächste Postfiliale oder -agentur erspart bleibt. Das ist eine Pflichtleistung der Post, sagt Sprecher Böhm. In der Stadt sei es dagegen eine freiwillige Leistung, wenn der Briefträger auf Wunsch des Kunden am nächsten Tag Marken zum Verkauf mitbringe.

Briefmarken soll der Kiosk auf dem Marktplatz führen. Wenn dort der gewünschte Wert ausgegangen ist, bleibt etwa nur der Weg zum Postamt am Kanaltorplatz oder zur -agentur in einem Fahrradladen am Kurt-Blaum-Platz. Automaten im Stadtzentrum? Fehlanzeige. Doch im Zeichen moderner Zeiten, hat die Post hier für den Kunden einen Service zu bieten: Briefmarken aus dem Internet selbst drucken mit eigener Motivwahl. Allerdings benötigt der Nutzer hierzu eine entsprechende Technik, sagt Böhm.

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