Der Windecker Marktplatz soll Zentrum des Festes werden.
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Der Windecker Marktplatz soll Zentrum des Festes werden.

Nidderau

Weil es dem Grafen dort gut gefiel

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
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Der Nidderauer Stadtteil Windecken feiert in diesem Jahr 725 Jahre Stadtrechte. Das Jubiläum wird ab Februar mit einem mehrmonatigen Programm gefeiert.

Der Nidderauer Stadtteil Windecken feiert in diesem Jahr 725 Jahre Stadtrechte. Das Jubiläum wird ab Februar mit einem mehrmonatigen Programm gefeiert.

Weil Graf Ulrich von Hanau das Dorf Windecken als einen schönen Fleck empfand, und ihn somit zu seiner Residenz erkor, erhielten die Bewohner die gleichen Freiheitsrechte wie die der Kaiserstadt Frankfurt – und das 15 Jahre bevor Hanau zur Stadt ernannt wurde. 725 Jahre liegt die Stadterhebung zurück, die auch dazu beitrug, das Nidderau mit der Gebietsreform in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Stadtstatus erhielt und nicht zur Gemeinde wurde. Das Jubiläum soll ab kommenden Monat mit einem Programm aus Vorträgen, Stadtführungen und einem Theaterstück sowie einem „gemeinsamen Essen aller Windecker“ gefeiert werden.

Nein, pompös soll der Verstaltungsreigen von 24. Februar bis 4. August nicht ausfallen, aber informativ bis unterhaltsam, bemerkt Cheforganisator und Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Rainer Häuser. „Es ist ja ein kleines Jubiläum.“ Die Mitspieler sind dennoch zahlreich, angefangen von der Stadt mit ihren Gremien, über den Kulturring bis hin zum Ortsbeirat.

Veranstalter suchen Sponsoren

Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen. Hierzu zählte nicht nur die Programmplanung. Finanzielle Unterstützung musste organisiert werden. Häuser schätzt, dass die Kosten am Ende irgendwo zwischen 20.000 bis 30.000 Euro liegen werden. Wenig im Vergleich zum Fest „700 Jahre Stadtrechte“. Damals seien rund 100.000 D-Mark ausgegeben worden, so Häuser. Trotz klammer Stadtkasse, gibt es aus dem Rathaus auch diesmal einen Zuschuss, der aber kleiner ausfällt und mit den vorhandenen Spenden nicht reicht, sagt Häuser. Er muss daher noch ein paar Geldgeber auftreiben.

Häuser hofft auf pralle Portemonnaies im Nidderauer Stadtteil, der zur Zeit der Stadterhebung Wunnecke hieß. Gleichwohl soll den Windeckern der historische Ruf vorausgehen, dass sie nur scheinbar die Taschen voller Münzen haben. Einst sollen die Windecker mit Schlüsseln in der Hosentasche geklappert haben, um Wohlstand vorzutäuschen. Das trug ihnen den Spitznamen „Schlüsselrappeler“ ein – so die Legende.

Die Verleihung der Stadtrechte gab den Bürgern mehr Freiheit und Wohlstand. Denn der Status Stadt implizierte auch Marktrechte. Um die geht es in einer Führung als Auftakt zum Festprogramm am 24. Februar. In weiteren Vorträgen wird die Vor- und Frühgeschichte dargestellt und erläutert, was es mit den Ofenkacheln im Schloss auf sich hat. Die Historikerin Monica Kingreen wird über „650 Jahre jüdisches Leben in Windecken“ referieren und in einem Rundgang die Orte des jüdischen Lebens aufsuchen, das mit der Deportation und Ermordung durch die Nazi endete.

Die Ortsgeschichte wird zudem in einer Ausstellung im Heimatmuseum vorgestellt.

Eine Vergangenheitsdarstellung anderer Art zeigt die Niddabühne mit dem Stück „Hexenprozess“. Das Werk aus der Feder des früheren Stadtinspektors Wilhelm Reul ist 1954 erst- und letztmalig aufgeführt worden. Inhalt sind die Geschehnisse von 1288 zur Stadterhebung und von 1688 bei einem Hexenprozess. Die Niddabühne sucht für die Neuinszenierung noch Mitspieler und Helfer (E-Mail an simone@patter-family.de). Das Schauspiel wird auf dem Marktplatz vorgetragen.

Der historische Marktplatz wird überdies Ort des Altstadtfestes werden. Am 29. und 30. Juli sollen dann definitiv nur die angenehmen und heiteren Seiten des Mittelalters zur Schau und zum Erleben präsentiert werden.

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