Hanau

Wassertropfen statt Abgase

  • Gregor Haschnik
    vonGregor Haschnik
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In einem Pilotprojekt testen Firmen Lieferfahrzeuge, die mit Wasserstoff und Brennstoffzellen betrieben werden.

Das Projekt mit dem Namen „H2anau“ könnte ein Meilenstein auf dem langen Weg zum umweltfreundlicheren Autofahren und Transportieren werden: Im August beginnt in Hanau der nach Angaben der Initiatoren erste Feldversuch mit Elektro-Lieferfahrzeugen, die mit Brennstoffzellen und Wasserstoff betrieben werden. Der wesentliche Vorteil von Wasserstoff: Statt Abgasen kommen am Ende nur Wassertropfen aus dem Auto.

Sieben umgebaute Kleintransporter haben die sechs Partner – darunter die auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen Evonik, Heraeus, Umicore – angeschafft. Umicore zum Beispiel stellt Brennstoffzellen her, Heraeus forscht in dem Bereich. Neben den Firmen beteiligen sich das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung und die Stadtwerke an dem Praxistest. Drei Jahre soll er dauern und zeigen, wie alltagstauglich die Technik ist und wo sie verbessert werden muss. Die Renault-Kangoo-Modelle verfügen über einen Elektromotor, wurden aber von der französischen Firma „Symbio FCell“ mit einer Brennstoffzelle und je zwei Wasserstoff-Gasflaschen mit einem Druck von 350 bar nachgerüstet. In der Zelle werden Wasserstoff und Sauerstoff über Elektroden zur Reaktion gebracht. Dabei wird Energie frei, die den Motor antreibt. Als Speichermedium dient eine Batterie.

Jörg Wetterau, verantwortlich für Technologiekommunikation bei Heraeus, nennt eine längere Reichweite als weiteren Vorteil der Wasserstofftechnologie. Mit den Gasflaschen sollen die Fahrzeuge 350 Kilometer weit kommen. Ein vergleichbares gewöhnliches E-Auto käme lediglich auf etwa ein Drittel davon.

Außerdem, so Wetterau, könne mit Hilfe der Wasserstofffahrzeuge bald ein umweltschonender Kreislauf geschlossen werden: Zunächst wird mit Hilfe von Sonnenenergie Wasserstoff hergestellt, der dann emissionsfrei einen Motor laufen lässt.

Die Wasserstofftankstelle, die die Autos ansteuern werden, steht auf dem Evonik-Gelände im Industriepark Wolfgang. Der Chemiekonzern ist federführend bei dem Test. Bernd Vendt, Evonik-Chef in Hanau, treibt das Projekt voran und ist überzeugt: „Die Technik wird sich durchsetzen und Ressourcen schonen.“ Mit der Initiative wolle er dazu beitragen und gleichzeitig den Technologiestandort Hanau stärken. Die Brennstoffzellenautos hätten eine normale Zulassung, es gebe keine Restriktionen, argumentiert Vendt. Und sie ließen sich in zwei bis drei Minuten volltanken. Demgegenüber bräuchten herkömmliche E-Autos selbst bei optimierten Bedingungen um die 30 Minuten, seien für die Allermeisten unerschwinglich und empfindlicher bei Temperaturschwankungen.

Das Projekt solle saubere Mobilität erfahrbar machen, so Vendt, weshalb Präsentationen bei Veranstaltungen wie dem Hanauer Automarkt geplant sind.

Die Technologie hat allerdings auch Nachteile und muss deutlich weiterentwickelt werden: Kritiker bemängeln etwa, dass die Wagen auch zu teuer seien und die Druckgasflaschen lebensgefährlich werden könnten. Hinzu kommt, dass der von Wetterau angesprochene Kreislauf noch nicht geschlossen ist: Der Wasserstoff, den die Autos in Hanau tanken, wird mit Strom hergestellt, konventionell.

Vendt widerspricht der Kritik: Die Technologie sei sicher beherrschbar, die Umweltbilanz trotz des Stroms sehr gut. Evonik arbeite daran, Wasserstoff mit regenerativen Energien zu produzieren. Eines der umgebauten Fahrzeuge koste etwa 45 000 Euro. Gingen sie in Serie, wären sie viel günstiger, betont Vendt.

Jeder der Partner will seinen Teil zum Erfolg des Wasserstoffautos beitragen: So wird Fraunhofer das Projekt wissenschaftlich begleiten. Und Heraeus arbeitet daran, die Brennstoffzellen – deren Elektroden auch wertvolle Edelmetalle enthalten – zu verbessern, sie effizienter und günstiger zu machen.

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