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Sie arbeiten für das DRK, kriegen aber nicht dessen Tarif.

Maintal

Warnstreik für gerechtere Löhne

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30 Pflegekräfte aus DRK-Seniorenheimen nehmen an der Verdi-Aktion in Maintal teil.

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Kohle klaut!“, skandieren die Pflegekräfte der DRK Kleeblatt Seniorenzentren. „Das 11. Gebot: Du sollst nicht bei der Pflege sparen“, steht auf einem Schild, auf einem anderen „Endlich ein Heim mit Mut zum Streik! Meckern allein reicht nicht!“

Rund 30 von etwa 170 Beschäftigten der drei Standorte Bischofsheim, Dörnigheim und Hochstadt sind am Dienstag dem Aufruf von Verdi gefolgt und beteiligten sich an einem Warnstreik, der mit der Frühschicht begann und zur Spätschicht endete. Von der Einrichtung in Bischofsheim ging der Demozug zum Marktplatz und dann zum Bürgerhaus.

In der Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung fordern die Mitarbeiter, dass sie nach dem sogenannten DRK-Reformtarifvertrag bezahlt werden. Das Problem: Verdi hat mit dem DRK den Vertrag abgeschlossen, der sich an der Bezahlung in Häusern in öffentlicher Trägerschaft orientiert, doch die Maintaler Zentren sind rechtlich eigenständig, müssen sich nicht daran halten. Laut Verdi verdient etwa eine Pflegehilfe im ersten Jahr hier 21 379 Euro, eine examinierte Kraft im vierten Jahr 29 037 Euro. Mit Tarifvertrag wären es 27 806 und 36 751 Euro. Zudem setzten sich die Streikenden unter anderem für eine 39- statt 40-Stunden-Woche, Weihnachtsgeld und Sonderurlaub bei Todesfällen in der Familie ein.

Verdi-Sekretärin Anette Hergl ist „sehr zufrieden“ mit der Resonanz am Dienstag. Alle Einrichtungen und Berufsgruppen sind vertreten, auch Hauswirtschaftskräfte. Die allermeisten, die nicht teilnahmen, „stehen ebenfalls hinter uns“, sagt Betriebsrätin Manuela Fritsche. Man müsse berücksichtigen, dass Pflegebeschäftigte Streiks noch nicht gewohnt seien, auch weil sie stärker Sanktionen fürchteten und die Bewohner nicht alleine lassen wollten. Verdi erwartet nun, dass das Management an den Verhandlungstisch zurückkehrt, so Hergl. Die in Aussicht gestellte Einmalzahlung in Höhe eines halben Monatslohns sei kein Angebot, nur der Versuch, Mitarbeiter ruhigzustellen. Nach Abzug der Steuern bleibe kaum etwas übrig.

Geschäftsführerin Gudrun Schröter teilt auf FR-Anfrage mit: „Wir haben hier einen anderen Weg als den DRK-Reformtarifvertrag gewählt.“ Im Gegenzug „beschäftigen wir mehr Personal als der hessische Rahmenvertrag vorsieht“. Ausfälle würden fast immer eins zu eins ersetzt, Fortbildungen unterstützt. Sie wolle mehr zahlen, so Schröter, aber man müsse einen Kompromiss finden zwischen dem Reformtarif und einem Gehaltsgefüge, „das den Erhalt unserer Stellen und die damit verbundenen besseren Arbeitsbedingungen nicht gefährdet“. Sie sieht die Politik in der Pflicht, die Pflege besser finanzieren müsse. Den Weg wolle Verdi nicht mitgehen.

Hergl widerspricht: „Wir sagen gebetsmühlenartig, dass wir den Reformtarif nicht sofort verlangen, sondern zu einer stufenweisen Angleichung über mehrere Jahre bereit wären.“ Die Beschäftigten bräuchten aber dringend mehr Geld, appelliert Fritsche. Sie berichtet von alleinerziehenden Frauen, die einen Zweitjob als Putzkraft brauchen. Von Kollegen, die aufstocken und Wohngeld beantragen müssen. Und die Arbeitsbedingungen beim DRK in Maintal seien kaum besser als anderswo, sondern hart, was auch mit Personalnot zusammenhänge: Viele hätten gekündigt, um zu Zeitarbeitsfirmen zu wechseln, die besser zahlten.

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