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Wenn die Polizei darüber informiert worden wäre, „hätte es möglicherweise dazu führen können, die Tat zu verhindern“, sagte Alexander Badle.

Rechtsextremismus

Waren die Schüsse zu verhindern?

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Polizei und Justiz rufen auf, Drohungen zu melden. Minister Beuth sensibilisiert Waffenbehörden.

Nach den Schüssen von Wächtersbach haben die hessischen Sicherheitsbehörden dazu aufgerufen, bei Anzeichen für eine drohende Gefahr die Polizei zu alarmieren. „Immer wenn jemand etwas ankündigt, sollte man die Polizei rufen“, sagte die Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA), Madlen Weyhrich, auf Anfrage der FR.

Der 55-jährige Roland K., der am Montag in Wächtersbach einen Eritreer mit einem Bauchschuss schwer verletzt haben soll, hatte nach Angaben von Nachbarn und Kneipenkumpels mehrfach mit einer solchen Tat gedroht. Die Ermittler gehen davon aus, dass K. das Opfer allein wegen seiner Hautfarbe attackiert hat. „Er hatte es seit anderthalb Jahren angekündigt, und ihm hat niemand mehr geglaubt“, berichtete der Wirt von K.s Stammkneipe.

Wenn die Polizei darüber informiert worden wäre, „hätte es möglicherweise dazu führen können, die Tat zu verhindern“, sagte Alexander Badle von der hessischen Generalstaatsanwaltschaft. Es sei „besser, einmal zu viel als einmal zu wenig“ zur Polizei zu gehen, „selbst wenn jemand als Schwätzer abgetan wird“.

Soko „Bieber“ ermittelt

Nach Angaben des LKA wurde der Wirt als Zeuge vernommen. Die Ermittlungen würden jetzt von der 20-köpfigen Sonderkommission (Soko) „Bieber“ beim LKA geführt, sagte Sprecherin Weyhrich. Unmittelbar nach der Tat hatte die hessische Polizei eine „Besondere Aufbau-Organisation“ (BAO) eingerichtet, die ebenfalls „Bieber“ genannt wurde – nach Biebergemünd, dem Wohn- und Todesort des mutmaßlichen Täters.

In der BAO waren nach Weyhrichs Angaben zeitweise bis zu 70 Polizisten des LKA, des Polizeipräsidiums Südosthessen, der Polizeifliegerstaffel und der Spezialkräfte im Einsatz. Eine BAO soll dafür sorgen, dass alle Beweise schnell gesichert und mögliche weitere Gefahren abgeklärt werden. Sie konnte aufgelöst werden, da die Ermittler davon ausgehen, dass Roland K. keine Mittäter hatte.

Der 55-Jährige war Mitglied in einem Schützenverein gewesen. Er besaß sechs legale Waffen und 1000 Schuss Munition.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) machte sich erneut für eine Verschärfung des Waffenrechts stark. Sein Ziel sei es, zu verhindern, dass „Extremisten gleich welcher Couleur“ legal Waffen besitzen könnten. „Wer nicht mit beiden Füßen auf unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht, darf keine Waffe in die Hände bekommen“, sagte Beuth am Donnerstag.

Das Innenministerium werde alle Waffenbehörden in Hessen noch einmal sensibilisieren, die bestehenden Möglichkeiten zum Entzug von Waffen voll auszuschöpfen.

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