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Die Pause ist das Beste: Wanderer des Spessart-Touristen-Vereins Hanau um 1879.

Spessartbund

Aus Liebe zur Natur

Der Spessartbund feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Als Dachverband unabhängiger Wandergruppen wurde er 1913 als Sprachrohr, zur „Jugendpflege und Propaganda“, in Hanau gegründet. Heute fehlt es den Gruppen an Nachwuchs.

Von Andreas Zitzmann

Friedrich Julius Rausenberger (1859–1927) hatte sich ganz der Erforschung der Natur verschrieben. Der wissenschaftliche Lehrer an der Hanauer Realschule wurde 1883 Mitglied der schon damals berühmten „Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde“ mit – bis heute – Sitz in Hanau, 1924 wurde er ihr Erster Vorsitzender.

Dabei beließ es aber der Forscher und Pädagoge, der als „großmütig und warmherzig“ beschrieben wurde, nicht. Dem Vereinsleben ohnehin zugetan, wurde er auch Mitglied der „Sektion Hanau der Aschaffenburger Spessartfreunde 1880“. Höhepunkt seines ehrenamtlichen Engagements war dann seine Wahl zum Ersten Vorsitzenden des Spessartbundes. Das geschah am 26. Januar 1913, mithin vor genau 100 Jahren, in Hanau. Heute hat der Bund fast 17000 Mitglieder, am vergangenen Samstag wurde in einem kleinen Festakt in Schloss Philippsruhe an die Gründung dieser Dachorganisation erinnert.

In der Zeit der Romantik war es „modern“ geworden, per pedes die Natur zu erkunden, zu wandern. Neue Eisenbahnstrecken erleichterten es den Wandervögeln außerdem, in die damals noch recht unberührte Natur des Spessarts zu gelangen.

Neue Wege und Wanderkarten

Erste Vereine gründeten sich, darunter bereits 1879 der „Spessart-Touristen-Verein Hanau“, einer von vielen in der Region zwischen dem heutigen Rhein-Main-Gebiet, dem Bergwinkel, Gemünden bis hinunter nach Wertheim und Miltenberg. In den folgenden Jahren etablierten sich diese Natur-, Heimat- und Wandervereine. Es gab ordentliche Satzungen, Wanderkarten, viele Wege durch Feld und Wald waren markiert worden – fehlte eigentlich nur noch ein Dachverband.

Eine Arbeitsgemeinschaft gab es bereits seit 1911, zwei Jahre später lud Friedrich Julius Rausenberger zur Gründungversammlung ins Hanauer Gasthaus „Zur Sonne“. Es kamen die Spessartfreunde aus Aschaffenburg, Frankfurt, dem Freigericht, dem mittelfränkischen Lichtenau, Offenbach und Rothenbuch (Kreis Aschaffenburg).

Zweck des Unterfangens war unter anderem nicht nur der „geschlossene Auftritt“ gegenüber Ämter und Behörden, schildert es Carsten Pollnick in der umfänglichen Chronik zum 100-jährigen Bestehen, sondern auch gegenüber dem Verband Deutscher Wander- und Gebirgsvereine, außerdem die „Jugendpflege“ und „Propaganda“, sprich Werbung.

Rausenberger, nicht nur neuer Vorsitzender des Spessartbunds, sondern zunächst auch Kassenwart, blieb bis kurz vor seinem Tod 14 Jahre lang in diesem Amt. Der Spessartbund hat bis heute die Funktion einer Dachorganisation behalten. Die einzelnen Ortsgruppen – inzwischen sind es 96 – haben einen Großteil ihrer Eigenständigkeit behalten, treten daher auch nicht unter dem Oberbegriff Spessartbund auf, sondern unter ihrem eigenen Namen. Hanau und der Main-Kinzig-Kreis sind – der Lage des Spessart geschuldet – „nur“ das nördliche Eingangstor des waldreichen Mittelgebirges. Von dessen 2500 Quadratkilometern sind lediglich 730 Quadratkilometer hessisch, der Rest bayerisch.

Markierungen wieder entfernt

Konsequenterweise gibt es in der hiesigen Region nur elf Ortsgruppen, allein in der Stadt Aschaffenburg mit ihren Ortsteilen sind es schon deren fünf. Die Ziele der Ortsgruppen sind durchaus unterschiedlich. So bietet der „Spessartbund Bad Orb“ gezielt Aktivitäten für Kurgäste an, der „Kulturverein Flörsbachtal“ hingegen wandert zwar gern, widmet sich aber auch und im Schwerpunkt der Kulturarbeit. Bereits seit 1911 gibt es die „Wanderfreunde 1911 Großauheim“, und der „Spessart-Touristen-Verein 1879 Hanau“ ist in der Region der älteste.

Die Vereine haben alle ein gemeinsames Ziel: Sie wollen das Wandern durch die Natur fördern, bieten dazu regelmäßige Touren und sorgen nicht zuletzt dafür, dass sich dabei niemand verirrt. Die Markierung der Wege ist eine wichtige Aufgabe – so wichtig, dass viele dieser Markierungen gleich nach der Gründung des Spessartbundes ab 1914 wieder entfernt wurden, damit sich „der Feind“ nicht daran orientieren möge.

Wandern und Vereinsfeste – das reizt eher die ältere Generation. Daher haben nicht wenige der Ortsgruppen Nachwuchsprobleme. So klagen die „Natur- und Wanderfreunde Burgjoß“, die sich erst 1976 gründeten, in ihrem kleinen Porträt in der Chronik, dass „bislang keine Verjüngung im Verein und in der Vorstandschaft gelungen“ sei. Aber man habe die Hoffung noch nicht ganz aufgegeben. Auch die Altersstruktur der Ortsgruppen wird für die Dachorganisation Spessartbund wohl eine große Herausforderung bleiben.

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