Arbeiterwohnungen in Maintal

20 Wanderarbeiter in Einfamilienhaus untergebracht

  • schließen

Eine neue Satzung soll in Maintal (Main-Kinzig-Kreis) den Umgang mit Ferien- sowie Arbeiterwohnungen regeln und Missbrauch verhindern.

Um die 20 Betten stehen in den kleinen Ein- bis Zweifamilienhäusern, zwei bis drei pro Zimmer. Oft sind es Wanderarbeiter aus Osteuropa, die hier nächtigen, bevor sie auf Baustellen im benachbarten Frankfurt schuften. Ein Bett kostet mehrere Hundert Euro. Der große Profiteur ist der Vermieter, die Verlierer sind die ausgebeuteten Arbeiter und die vielen Wohnungssuchenden.
In Maintal gibt es mehrere solcher Objekte. Anwohner berichten von zugeparkten Straßen und vielen Männern auf engem Raum. Hinzu kommen Wohnungen, die zu Ferienapartments umfunktioniert wurden, und dem Markt für Miet- und Kaufimmobilien vorenthalten werden. Dem Magistrat sind 30 solcher größtenteils online beworbenen Häuser bekannt, die Dunkelziffer dürfte hoch sein.

Um dem Problem entgegenzuwirken, hat das Parlament eine Satzung für Ferien- und Arbeiterwohnungen beschlossen. Das Hessische Wohnungsaufsichtsgesetz erlaubt Kommunen dies seit Juni 2017. „Wir gewinnen damit eine Steuerungsmöglichkeit und können zum Wohle der Maintaler Wohnraum erhalten“, sagt der Erste Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos). Denn auch in Maintal ist der Markt angespannt: Um die Nachfrage zu bedienen, müssten laut Stadt pro Jahr 150 bis 200 Einheiten gebaut werden, in den vergangenen Jahren waren es jeweils nur 100. Allein bei den geförderten Wohnungen stehen 250 Haushalte auf der Warteliste der Stadt. 

Die Maintaler Ferienwohnungssatzung orientiert sich an der Frankfurter. Wer Wohnraum als Ferien- oder Arbeiterwohnung vermieten will, muss bei der Bauaufsicht des Main-Kinzig-Kreises eine Genehmigung beantragen. Wer als Ersatz neue Wohnmöglichkeiten schafft oder einen Ausgleich zahlt, den die Stadt entsprechend investieren will, hat gute Chancen auf grünes Licht. Keine der Pflichten muss erfüllen, wer in der eigenen Wohnung nur ein Zimmer oder die Räume während des Urlaubs vermietet, und zwar weniger als acht Wochen im Jahr. Ein Antrag ist aber zu stellen. 

Die Wahlalternative Maintal (WAM) findet den Vorstoß „grundsätzlich richtig, um Missbrauch vorzubeugen“, sagt der WAM-Stadtverordnete Klaus Seibert. Allerdings stellte die Fraktion einen Änderungsantrag, der schließlich scheiterte. Demnach sollten Gebäude, in denen der Eigentümer und Vermieter selbst wohnt, von der Satzung unberührt bleiben – wenn es im Haus höchstens zwei Wohnungen gibt. „Damit wollten wir vor allem diejenigen schützen, die sich ihre Immobilie mühsam zusammengespart haben.“

Seibert fordert von der Stadt und ihrer Maintal Immobilien Gesellschaft (MIG), schneller für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. „Der Bedarf ist riesig.“ Der Stadtverordnete verweist darauf, dass es in den 90ern noch 2000 Einheiten mit Sozialbindung gab und nun weniger als 400. „Zudem steigen die Mieten rasant.“

Sachtleber entgegnet, zum Schutz der von der WAM genannten Hauseigentümer gebe es etwa die Acht-Wochen-Regel. Wichtig sei zunächst aber, Schlupflöcher zu vermeiden. Die Geschäftemacher – die Maklern in Maintal teilweise deutlich mehr als verlangt böten, um zum Zuge zu kommen – könnten die Lücken nutzen, so Sachtleber. Die Stadt sei dabei, für mehr günstige Wohnungen zu sorgen und werde ihr Engagement ausbauen, verspricht er. Als aktuelles Beispiel nennt er unter anderem die 20 geplanten Wohneinheiten in der Siemensallee, wo die MIG auch dank Förderung durch den Main-Kinzig-Kreis Mietpreise um sieben Euro pro Quadratmeter ermöglicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare