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Das Behinderten-Werk Main-Kinzig kümmert sich seit 25 Jahren auch um die schmutzige Wäsche. Bild: Heinzelmännchen
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Das Behinderten-Werk Main-Kinzig kümmert sich seit 25 Jahren auch um die schmutzige Wäsche. Bild: Heinzelmännchen

Wächtersbach

Wächtersbacher Wäscherei setzt auf Menschen mit Handicap

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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20 Tonnen Wäsche am Tag: Die Großwäscherei Heinzelmännchen des Behindertenwerks gibt seit 25 Jahren als Inklusionsbetrieb Menschen mit Behinderung Arbeit.

Im großen Stil wird in Wächtersbach schmutzige Wäsche gewaschen, seit 2009. Zuvor waren es 13 Jahre im benachbarten Bad Soden-Salmünster. Addiert ergeben sich 25 Jahre für die Heinzelmännchen Wäscheservice und Hausdienstleistungsgesellschaft mbH, einer Tochter des Behindertenwerks Main-Kinzig (BWMK). Von den 110 Beschäftigten haben rund die Hälfte ein Handicap. Der einstige Kleinbetrieb ist zu einer stattlichen Firma gewachsen, pro Tag werden bis zu 20 Tonnen Bettwäsche, Arbeitskleidung und andere Textilien verarbeitet. Der Betrieb soll für Behinderte auch als Trittbrett für den Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt fungieren.

In der Industriestraße 36 nahe dem Bahnhof sind die Dimensionen groß. Das 2009 erstellte und 2016 erweiterte Betriebsgebäude entspricht mit 5000 Quadratmetern Fläche einer ordentlichen Lagerhalle, die Maschinen darin sind darauf ausgelegt, große Mengen zu waschen, zu trocknen und zu plätten. Ständig werden sie be- und entladen.

„Die Wäscherei läuft im Zweischichtbetrieb“, sagt BWMK-Pressesprecherin Dorothee Müller. Die Wäscherei stößt dennoch an ihre Grenze. Im Sommer soll daher eine der beiden Waschstraßen erneuert werden, so dass die Kapazität um bis zu 25 Prozent steigen kann.

Der Anfang war bescheiden und holprig. Mit sieben Beschäftigten, fünf mit einem Handicap, wurde der Betrieb in einer alten Werkstatt in Bad Soden-Salmünster eröffnet. Die Wahl auf den ländlich geprägten Ostkreis ergab sich aus der Nähe zu den damals angestellten Personen. Der Vorstand des BWMK habe erkannt, dass Behinderte weiterreichendere Möglichkeiten benötigten als die Werkstätten, sagt Müller. Bei Betrieben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestand seinerzeit wenig Bereitschaft, Behinderte etwa aus den Werkstätten aufzunehmen.

Die Heinzelmännchen GmbH – der Name ergab sich aus der Kölner Sage über Hausgeister – ist von Anfang an ein betriebswirtschaftlich geführter Inklusionsbetrieb. „Eine ganz normale Firma, aber mit einer Behindertenquote von 50 Prozent.“ Die Wäscherei sei daher nicht vergleichbar mit den Werkstätten des BWMK, wo die Menschen individuelle Betreuung und Begleitung erhalten und die Arbeitssituation eine andere ist.

Die Heinzelmännchen müssen sich hingegen den Marktkräften stellen. Anfangs sei das sehr schwierig gewesen. Erst ein Auftrag des Büdinger Krankenhauses öffnete die Türen zu weiteren Kunden wie Kliniken, Altenheimen oder Gastronomie- und Herbergsbetrieben im weiten Umkreis. „Wir wurden von Mitbewerbern kritisch beäugt“, sagt Müller. „Der Kunde erhält außer dem vergünstigen Umsatzsteuersatz eines Inklusionsbetriebs keinen Preisvorteil.“ Man arbeite mit „marktfähigen Preisen“, heißt es, ohne konkrete Angaben zu machen.

Die 110 Beschäftigten, davon 60 Prozent Frauen, werden nach Haustarif, angelehnt an TATEX (Tarifpolitische Arbeitsgemeinschaft Textilreinigung im Deutschen Textilreinigungsverband) entlohnt, teilt der kaufmännische Leiter Artur Kusai mit. Die Bezahlung liege in der untersten Lohngruppe bei knapp 6,5 Prozent über Tarif.

„Für die Menschen in den Werkstätten ist die Wäscherei ein guter Erprobungsbereich im Rahmen der 24-monatigen Orientierungsphase“, sagt Müller. Die Stellen würden intern ausgeschrieben, Bewerbungen von außen seien auch möglich. Es werden Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Behinderung angenommen. Sie müssen jedoch in der Lage sein, selbst den Betrieb zu erreichen. Die Wäscherei bildet zudem Behinderte bei Eignung aus, zur Textilpfleger:in und in Büromanagement.

Die Ausbildung ist nicht theoriegemindert, heißt es. Das soll den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtern. Allerdings seien die Chancen nicht üppig – wie schon vor 25 Jahren. Auch sei kein Unternehmen im Kreis der Wäscherei in Teilen gefolgt und habe wenigstens eine Inklusionsabteilung geschaffen. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen in Hessen hat dieser Tage die Kampagne „Ein Team“ gestartet.

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