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Klare Botschaft: Wächtersbach bleibt bunt. Vor einem Jahr und in diesem Jahr auch demonstrierten viele Menschen in Wächtersbach.
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Klare Botschaft: Wächtersbach bleibt bunt. Vor einem Jahr und in diesem Jahr auch demonstrierten viele Menschen in Wächtersbach.

Wächstersbach

Wächtersbach: Mahnung vor der rechten Gewalt

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Sternfahrt und Kundgebung zum Jahrestag des Anschlags auf Bilal M. in Wächtersbach.

In Gedenken und als Ermahnung an den rassistisch motivierten Anschlag vor zwei Jahren auf einen Eritreer kamen am Samstag mehr als Hundert Personen zu einer Sternfahrt zusammen. Eingeladen hatte dazu das Integrationsbündnis 22. Juli. Fahrtziel war der Messeplatz, unweit von dort wurde am 22. Juli 2019 zur Mittagszeit der 26 Jahre alte Bilal M. von einem 55-jährigen Mann aus dem fahrenden Auto angeschossen. Er hatte die Tat kurz zuvor im benachbarten Biebergemünd in einer Kneipe angekündigt. M., der allein wegen seiner Hautfarbe vom Täter ausgesucht worden seien soll, überlebte den Anschlag schwer verletzt.

„Bilal geht es heute körperlich gut, aber psychisch ist er ein Wrack“, berichtete Bürgermeister Andreas Weiher (SPD) bei der Kundgebung über den Zustand von M., der es aus Angst in der Kleinstadt, in der er sich gut integriert hatte, nicht mehr aushielt und mit seiner Familie nach Hanau zog. „Der Anschlag hat unser Leben verändert“, sagte Nadia M., die Ehefrau von Bilal, vor den Zuhörer:innen. Als sie noch einmal kurz die Tat schilderte, versagte ihr die Stimme. Bilal habe immer noch Schmerzen, arbeiten könne er noch nicht. „Wir wären gerne in Wächtersbach geblieben“, sagte Nadia .

Anfeindungen vor der Tat

Die TAT

Kurz vor 13 Uhr, als Bilal M. seine Ausbildungsstätte in der Industriestraße für die Mittagspause verließ, schoss ein 55-Jähriger aus Biebergemünd aus dem Auto auf das Opfer, das unter anderem einen Bauchschuss erlitt.

Ermittler bezeichneten den Täter, der sich nach der Flucht selbst tötete, als „frustrierten, isolierten Einzeltäter“ mit „fremdenfeindlichen Motiven“.

Waffen und Munition soll der Täter legal besessen haben, er war Mitglied in einem Schützenverein. sun

Wächtersbach sei stets eine bunte Stadt gewesen, in der die einstigen Gastarbeiter schnell sesshaft geworden sein und wo die größte Moschee in der Region stehe, sagte Weiher, der einer von mehreren Rednern war. „Und dann passiert eine solche Tat.“ Trotz der Gedenktage und der Regenbogenfahne am Rathaus gebe es auch einen „latenten Rassismus“ - heute viel stärker als noch vor zehn Jahren, so Weiher.

Erzählungen eines dunkelhäutigen, aktiven Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr hätten ihn erschüttert, sagte Weiher. Auch Bilal M. hatte vor der Tat Anfeindungen erlebt, wie er nach dem Krankenhausaufenthalt berichtet haben soll. Er habe sich dennoch sicher gefühlt. Das Internet habe dieser Entwicklung seinen so genannten sozialen Medien Vorschub, sagte Weiher. Das habe er selbst erfahren, als kurz nach der Tat eine Mahnwache abgehalten wurde. „Ich bekam im Netz die übelsten Beschimpfungen“, sagte Weiher. Die Agitatoren erreichten über das Internet mit seinen Algorithmen die Manipulierbaren, um so die freiheitlich demokratische Grundordnung zu stürzen.

Bundesweit betrachtet mögen die Anschlagsgefahr von Extremisten aus verschiedenen Lagern kommen, „in unserer Region kommt die Bedrohung von Rechts“, stellte Stadtverordnetenvorsteher Jan Volkmann (FW) fest. Er bedauerte, dass Bilal M. mit seiner Familie nicht mehr in der Stadt wohnt.

Weniger die eindringliche Warnung vor Rechtspopulisten und -extremisten, wie durch den Gelnhäuser Verein Hand aufs Herz, bestimmte die Rede von Marion Bayer von der Hanauer Initiative 19. Februar, die sich nach den Morden an neun Menschen in Hanau durch einen Rechtsextremisten, bildete. Bayer klagte das Versagen der Behörden auf Kreis- und Landesebene an. So hätte die Waffenbehörde nach dem 22. Juli 2019 aufgerüttelt seien müssen und nicht einen Monat später dem als auffällig bekannten Attentäter in Hanau noch einen EU-Waffenschein ausstellen dürfen. Vorwürfe auch zur Versorgung der Betroffenen. Das, was sie erhielten, sei weit entfernt von sozialer Gerechtigkeit, so Bayer. Erst nach öffentlichen Druck, habe das Land einen Opferfonds aufgelegt.

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