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Popkantor Peter Hamburger dirigiert den Chorgesang der Gottesdienstbesucher im Kinosaal.
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Popkantor Peter Hamburger dirigiert den Chorgesang der Gottesdienstbesucher im Kinosaal.

Hanau

Voller Saal auch ohne Hollywood

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Die Plätze im Kinosaal reichen nicht, viele müssen stehen oder auf dem Boden sitzen: Mehr als 250 Menschen kommen zum evangelischen Gottesdienst ins Kinopolis.

"Frau Meyer, hatten wir so etwas schon einmal gehabt?“, ruft die Seniorin auf die Frage des Reporters zum gegenüberliegenden Sofa im Foyer. Nein, Frau Meyer kann sich nicht erinnert, jemals einen Gottesdienst in einem Kinosaal erlebt zu haben. Gretel Meyer ist im Vorstand der Hanauer Kreuzkirche, ihr sind 14 Gläubige, vor allem ältere Herrschaften, aus dem Lamboy-Viertel in das Kinopolis gefolgt. Dort hatte am Sonntagvormittag der Evangelische Kirchenkreis Hanau-Stadt zu einem Abschlussgottesdienst zum Themenjahr „Ich sehe dich – Toleranz leben“ eingeladen.

Der „Service“, um im sprachlichen Bild zu bleiben, trug den Titel „Driving Home für Christmas“, nach dem Song des britischen Sängers Chris Rea. Ein Stück international ging es denn auch in der einen Stunde zu – zumindest, was den musikalischen Teil anbelangte. Peter Hamburger, Popkantor der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, am Elektropiano, Jochen Engel am Saxophon und an der Klarinette, sowie der Gospelchor Good News aus Bischofsheim trugen zu den hierzulande unüblichen Klängen zwischen Predigt und Segensspruch bei.

Der Ort und das Programm lockte die Menschen, viele. „Gott gehört in die Welt und nicht in einen besonderen religiösen Raum“, bemerkte Besucherin Daniela Schnitzer-Wulff. Die Bruchköbelerin war mit ihrer Tochter gekommen. „Man sollte nur noch Gottesdienste im Kino machen“, sagte ein junger Mann zu seiner Begleitung, beeindruckt von der Fülle. Dekanin Claudia Brinkmann-Weiß sagte angesichts des Andrangs: „Wir hätten lieber den großen Saal nehmen sollen.“ Die knapp 200 Plätze in Saal 4 reichten nicht. Stehen oder auf dem Boden sitzen, wurde von den Besucher jedoch ohne Murren hingenommen. Ein Wechsel war wegen des startenden Films im großen Saal nicht möglich.

Liedtext auf Leinwand

Popkantor Hamburger musste sich auf den ungewöhnlichen Ort zur Glaubensverkündung auch erst einmal einstellen, genauer gesagt auf die Akustik. Mitsingen im Sitzen wie in der Kirche funktionierte hier nicht. Er bat die 250 und mehr Besucher, sich zu erheben. Und plötzlich erklang „Er ist die rechte Freudensonn“ kraftvoll und feierlich. Um die Textsicherheit mangels Gesangsbuch musste keiner bangen. Die Liedzeilen wurden auf die Leinwand projiziert, auch als Good News englischsprachige Gospels und Traditionals interpretierte. Dann standen dort die Übersetzungen.

Statt einer herkömmlichen Predigt wurde die Form des Dreier-Disputs gewählt. Claudia Brinkmann-Weiß, Pfarrer Michael Eberson (Hanau) und Pfarrerin Ines Fetzer (Maintal) legten ihre Ansichten zur Weihnachten dar und zeigten, wie viel das Fest doch mit dem Themenjahr der Hanauer Protestanten zu tun hat.

Der Konsens der Runde ergab sich darin, zu Weihnachten gelte es, die große Vision vom Frieden auf Erden auf das Kleine herunterzubrechen. Auch müsse das Fest nicht wie alle Jahre ablaufen. Mal die Spur verlassen, offen für Neues sein, das zeigte die Kirche ja selbst mit dem Gottesdienst bis zum Ende. Beim Verlassen wurde die Kollekte in Ein-Liter-Cola-Bechern gesammelt.

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