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Der Kampf an der Kinzigbrücke am 31. Oktober 1813 in einer Darstellung von Johann Lorenz Rugendas.
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Der Kampf an der Kinzigbrücke am 31. Oktober 1813 in einer Darstellung von Johann Lorenz Rugendas.

Hanau Napoleon

Das Volk zahlte den Preis

  • Uta Grossmann
    VonUta Grossmann
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Die Schlacht bei Hanau jährt sich am 30. Oktober zum 200. Mal. Eine Ausstellung blickt aus Hanauer Sicht auf Napoleons letzten Sieg in Deutschland. Und zeigt die Auswirkungen auf die Menschen.

Die Schlacht bei Hanau jährt sich am 30. Oktober zum 200. Mal. Eine Ausstellung blickt aus Hanauer Sicht auf Napoleons letzten Sieg in Deutschland. Und zeigt die Auswirkungen auf die Menschen.

Am 30. und 31. Oktober jährt sich die Schlacht bei Hanau zum 200. Mal. Das Historische Museum Schloss Philippsruhe und der Hanauer Geschichtsverein 1844 nehmen das Jubiläum zum Anlass für eine Sonderausstellung: „Die Franzosen kommen!“ – Hanau in der Zeit Napoleons 1806-1813.

Die Ausstellung blickt aus Hanauer Sicht auf die französische Zeit von 1806, als Napoleon die preußische Armee bei Jena und Auerstedt vernichtend schlug und in Berlin einzog, bis zur Schlacht bei Hanau 1813, dem letzten Sieg des Franzosenkaisers auf deutschem Boden.

Napoleon war mit seinen Soldaten auf dem Rückzug, nachdem die Truppen der Verbündeten Russland, Preußen, Österreich und Schweden den Franzosen in der Völkerschlacht bei Leipzig die entscheidende Niederlage der Befreiungskriege beigebracht hatten. „Napoleons Armee war nach der verlorenen Schlacht in einem miserablen Zustand“, erläutert Erhard Bus aus Nidderau-Windecken, Historiker und Kurator der Sonderausstellung. Die Soldaten zogen durchs Kinzigtal und „lebten ihren Frust an der Bevölkerung aus“, es gab Übergriffe, Plünderungen, Diebstahl und Gewalt.

Die Bewohner des Kinzigtals mussten Soldaten und Pferde sowohl der Franzosen als auch der gegnerischen Alliierten mit Nahrung versorgen. In Scheunen und Privathäusern und auch in Schloss Philippsruhe wurden Lazarette eingerichtet, um die Verwundeten zu pflegen. Mit welchen Instrumenten die Ärzte damals hantierten, zeigt ein originales Chirurgenbesteck, das ein Heidelberger Sammler zur Verfügung gestellt hat.

Kleidung bringt den Tod

Ein Karren mit Militärkleidung illustriert, wie sich Krankheiten verbreiteten: Wenn Zivilisten die Kleidung von verstorbenen Soldaten filzten, holten sie sich oft auch Typhus oder Fleckfieber ins Haus. Die Krankheiten verbreiteten sich rasant in der Bevölkerung. Ein Beispiel aus Mittelbuchen belegt eindrucksvoll, wie die Menschen unter den Folgen der Schlacht bei Hanau litten. In den fünfeinhalb Monaten von Mitte Mai bis Ende Oktober 1813 wurden dort sieben Einwohner beerdigt. Im November und Dezember waren es 32.

Im heutigen Lamboyviertel, das damals vor den Toren der Stadt lag, trafen am 30. Oktober die Truppen Napoleons auf die bayerisch-österreichischen Truppen. Die Bayern hatten kurz zuvor die Seiten gewechselt. Die Franzosen siegten und schossen in der Nacht zum 31. Oktober die Hanauer Vorstadt in Brand. Tausende Soldaten ließen auf dem Schlachtfeld ihr Leben.

Die Ausstellung porträtiert zentrale Akteure des Geschehens wie General Carl Philipp von Wrede, der die bayerisch-österreichischen Truppen befehligte, aber auch die Brüder Jacob, Wilhelm und Ludwig Grimm. Sie stehen stellvertretend für die Ideen der Romantik.

Ein Diorama des 2012 verstorbenen Hanauers Matthäus Steiger zeigt Johannes Ruth aus Langendiebach, der als ortskundiger Gendarm Napoleon höchstpersönlich den Weg wies. Ein Diorama von Rainer Stephan gibt eine Vorstellung davon, wie die französische Infanterie in Kolonne in den Kampf zog.

Die Schlacht bei Hanau hat indirekt auch mit der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zu tun. Der Pfarrer der Niederländisch-Wallonischen Gemeinde, Paul Appia, der ursprünglich aus dem Piemont stammte, erlebte das Elend der Verwundeten nach der Schlacht und erzählte seinem in Hanau geborenen Sohn Louis immer wieder davon. Louis Appia wurde später Chirurg, engagierte sich für eine bessere Versorgung von Kriegsverletzten und war Mitglied im Komitee der Fünf, aus dem das IKRK hervorging.

Einen Ausstellungsraum gestalten Schüler der Hohen Landesschule Hanau. Sie stellen strategisch relevante Orte der Schlacht vor und vergleichen 200 Jahre alte Pläne mit dem heutigen Stadtbild.

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