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Karl Seyler vom NABU
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Karl Seyler vom NABU

Linsengericht

Der mit den Vögeln pfeift

  • Detlef Sundermann
    VonDetlef Sundermann
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Karl Seyler ist Schutzgebietsbetreuer des Nabu. Wenn er durch Wald und Feld streift, kann er sich mit seinen Schutzbefohlenen sogar unterhalten: Er beherrscht zahlreiche Vogelstimmen.

Karl Seyler kann den Pirol richtig in Rage bringen. Seyler, der rund 60 Vogelstimmen imitieren kann, spielt jedoch nur bei Führungen den Reviereindringling. Der 73-Jährige aus Linsengericht-Eidengesäß ist ein Urgestein unter den Vogelkundlern. Jetzt ist er einer von 200 Schutzgebietsbetreuern des Nabu Hessen. „An dem 72-stündigen Lehrgang habe ich aber nicht teilgenommen – weiß ich doch schon alles“, stellt er klar und legt den neuen Ausweis auf den Wohnzimmertisch.

Was will man einem Naturkenner wie Seyler auch noch beibringen. Er gründete Ende der 60er Jahre den Nabu-Ortsverein Eidengesäß. Seit 41 Jahren ist er als Vogelexperte und Kassierer beim Kreisverband tätig. Die zahlreichen Natur- und Vogelstimmenführungen sowie Vorträge in Kindergärten und Schulen füllen zudem seinen Tag.

Vor Jahren wirkte er bei der Kartierung deutscher Brutvogelarten mit. Bei jedem Nabu-Projekt in der Region hebt Karl Seyler aus Leidenschaft den Finger. Das Herz des Naturschützers hängt besondern an einem 1500 Quadratmeter großen Stück Wiese und Wald, dem Erndtal am Dorfrand.

„Schon als Junge habe ich mich für die Natur sehr interessiert“, erzählt er. Als Schüler sammelte er bei Bauern nicht benötigte Tongefäße, um sie zu Nisthilfen umzufunktionieren. „Die Kenntnisse habe ich mir damals mit dem Kosmos-Buch ,Was fliegt denn da’ angeeignet“, erzählt der Autodidakt mit einem Lächeln.

Sein Hobby machte er nicht zum Beruf. Nach der Lehre zum Starkstromelektriker studierte Seyler parallel zum Beruf bei der Degussa in Hanau über sechs Semester bis zum Abschluss als Elektrotechniker.

Der gebürtige Eidengesäßer gehört zu den Menschen, die ihre Leidenschaft mit anderen teilen können und möchten. Wenn der Vogelkundler erzählt, schwingt in seinen Worten nie das Pathos des Pädagogen mit.

Für die einmal im Jahr stattfindende Pflegearbeit im Erndtal kann er rund zehn Mitstreiter begeistern – auch Leute, die nicht beim Nabu sind wie die Trekkerfreunde. „Viel Geld hat unser Ortsverein nicht“, erklärt Seyler.

Das Erndtal ist ein Stück intakte Natur, weiß er aus seinen Beobachtungen zu berichten. Der enorme Bestand an Feldmäusen hat das Gebiet etwa zum Revier für Bussard und Habicht werden lassen. Auch andernorts rar gewordene Bodenbewohner wie Ringelnatter oder Eidechse sind dort heimisch.

Der 73-Jährige würde gerne beizeiten die eine oder andere seiner Aufgaben an jüngere Leute abtreten. Die zeigten oft großes Interesse für Naturschutzprojekte – allerdings weniger im Verein. „Es sieht nicht so rosig beim Nachwuchs im Nabu Eidengesäß aus“, meint Karl Seyler mit kummervollem Blick.

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