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Viel Platz für glückliche Hühner

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Picken und gackern: Sebastian Mager zeigt eines seiner rund 900 Hühner.
Picken und gackern: Sebastian Mager zeigt eines seiner rund 900 Hühner. © Martin Weis

Voller Hof dank Bio-Eiern: Auch wegen des jüngsten Skandals um den Betrug mit Bio-Eiern herrschte am Samstag großer Ansturm bei der Führung über den Biolandbetrieb Magerhof in Klein-Karben. Der Landwirt klärte über den Unterschied zwischen Bio und Bioland auf.

Von Monica Bielesch

Der Skandal um den Betrug mit Bio-Eiern bescherte dem Bioland-Bauernhof Mager am Samstag bei seiner Hofführung einen ungeahnten Zustrom. Gemeinsam mit dem BUND Karben-Niddatal sowie dem Naturschutzbund (Nabu) Karben hatte Landwirt Sebastian Mager eingeladen – und mehr als 70 Menschen aus nah und fern kamen zu seinem Hof nach Klein-Karben.

Die Führung war schon lange angesetzt und stand unter dem Titel „Wir haben die Agrarindustrie satt: glückliche Hühner auf dem Bioland Magerhof“. Sebastian Mager betreibt am Rande von Klein-Karben gemeinsam mit seinen Eltern seit 1994 einen Bioland-Bauernhof mit Gemüse- und Ackerbau, Schweinezucht und Hühnerhaltung, einer Backstube sowie einem Hofladen, der kürzlich sogar eine Auszeichnung erhalten hat.

„Wenn ich die Eier nicht selbst in unserem Hofladen und auf dem Wochenmarkt verkaufen könnte, dann würde sich meine kleine Hühnerhaltung nicht lohnen“, sagte Mager seinen Besuchern. Knapp 900 Hühner und acht Hähne hält er nach den strengen Richtlinien des Bioland-Anbauverbandes für Tierhalter und Erzeuger. Und welche das sind, wollte das wohlwollende, aber doch sensible Publikum erfahren.

Strenge Standards beim Futter

Besonders beim Futter für die Hühner wurde nachgefragt. So erhalten die Magerhof-Hühner neben einer Schrotmischung aus hofeigenem Getreide, welches auch für die eigene Brotproduktion genutzt wird, noch selbstangebaute Luzerne, einen Bio-Sojakuchen sowie Futterkalke. Woher das Soja komme, wollte ein Besucher wissen. „Von einem Biolandhof in Italien“, sagt Mager. Ein EU-Biobetrieb sei nicht ausreichend, denn die Bioland-Standards sind strenger. „Bioland bedeutet, dass der gesamte Betrieb danach arbeitet, nicht nur einzelne Teile“, betonte der junge Landwirt.

Derweil schauten die Besucher dem Treiben der Hühner auf der großen Auslaufwiese zu. Die Hennen pickten und scharrten, rannten mit federndem Gang und wackelndem Kopf ungeahnt schnell herum und umschwirrten die krähenden Hähne. So sehen also glückliche Hühner aus. Das meinte auch Peter Harnisch, der seine Lebensmittel im Hofladen kauft und daher angesichts der jüngsten Lebensmittelskandale entspannt war.

Sebastian Mager beantwortete geduldig alle Fragen über die Anzahl der Kontrollen, die seinem Hof jährlich gelten, über mögliche Gefahren durch Bodenverseuchungen mit Dioxin, über die Stallhaltung und den Lebenszyklus der Hühner. Er betonte, dass der Bioland-Verband trotz seiner bisher erreichten Standards noch eine Weiterentwicklung vorantreibt.

Wichtig war ihm etwa die Zucht einer eigenen Bioland-Hühnerrasse. Denn momentan arbeiten die Bioland-Erzeuger mangels Alternative noch mit konventionellen Rassen, die seit 60 Jahren ausschließlich auf Quantität gezüchtet würden, erläutert Mager.

„Der Kunde muss auch begreifen, dass unsere Eier ein echtes Produkt sind und darum auch endlich“, sagte er angesichts der seit einer Woche stark gestiegenen Nachfrage nach seinen Bioland-Eiern. Auf dem Wochenmarkt in Klein-Karben waren die Magerhof-Eier schnell ausverkauft. „Und noch ist nicht mal Ostern“, bemerkt Mager und lacht.

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