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Streik in Frankfurt am Main am 19. März.
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Streik in Frankfurt am Main am 19. März.

Verdi Streik

"Verzicht sichert keine Arbeit"

  • Wiebke Rannenberg
    VonWiebke Rannenberg
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Bahnen und teilweise Busse stehen heute in Hessen wieder still. Viele Betroffene fragen sich: Sollten Arbeitskräfte immer mehr Geld verlangen? Verdi-Sekretär Heinz Gröning spricht im Interview über die Notwendigkeit von Streiks.

Heinz Göning arbeitet als Verdi-Sekretär im Bezirk Hanau. Im Interview spricht er mit der FR über Personalpolitik und Warnstreiks.

Hanau ächzt unter dem Rettungsschirm, Kämmerer Kaminsky will 20 Prozent des Personals abbauen. Ist es da nicht kontraproduktiv, wenn die Beschäftigten mehr Geld fordern?

Nein. Die Finanzmisere der Kommunen ist ja nicht vom Himmel gefallen: Die Kommunen bekommen von Bund und Land immer mehr Aufgaben aufgedrückt. Aber dafür können die Beschäftigten nichts. Sie machen gute Arbeit und haben ein Recht auf vernünftige Bezahlung.

War die Streikbereitschaft trotz schwieriger Zeiten hoch?

Die war stärker als sonst, besonders in der inneren Verwaltung im Rathaus, wo die Bereitschaft sonst nicht so hoch war. Sie denken wohl: Jetzt müssen wir uns wehren. Dort sind auch Leute bei Verdi eingetreten. Die Kolleginnen und Kollegen aus den Kitas und der technischen Verwaltung waren schon immer mehr dabei, das war auch diesmal so. 1450 sind auf die Straße gegangen.

In der Privatwirtschaft sind Belegschaften manchmal bereit, Verzicht zu üben, um Arbeitsplätze in ihrem Betrieb zu erhalten. Eine Option, für die Hanauer Verwaltung und Eigenbetriebe?

Nein. Die Beschäftigten leisten gute Arbeit und sollen dafür auch bezahlt werden.

Besteht nicht die Gefahr, dass mehr ausgegliedert wird? Wie bei der HSB?

Unsere Erfahrung ist, dass es Ausgliederungen und Tarifflucht geben kann, egal, wie sich die Beschäftigten vorher verhalten haben. Es passiert immer wieder, dass Arbeitnehmer verzichten, und nach ein paar Jahren wird trotzdem ausgegliedert oder gekündigt. Der Verzicht sichert nicht wirklich die Arbeitsplätze.

Wie sieht es in Hanau aus? Unter dem Dach des Stadtkonzerns gibt es viele Töchtern.

Das stimmt. Aber die meisten sind noch tarifgebunden, das ist nicht in allen Städten so. So konnten die Mitarbeiter der Netz-Gesellschaft, der Bäder- und Hafengesellschaft mitstreiken. Anders ist das bei der Hanau-Grün-Gesellschaft. Die Kollegen konnten nicht streiken.

Und die Busfahrer? Da sind die meisten im Tarifvertrag der privaten Omnibusunternehmer.

Das war ein glücklicher Zufall: Da die Kollegen dort noch in Tarifverhandlungen sind, konnten sie eine Tarifforderung stellen.

Stimmt es, es gibt Beschäftigte, die so wenig verdienen, dass sie zum Sozialamt gehen müssen?

Ja, ich kenne einige Beschäftigte von Städten und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis, die Aufstockungsleistungen bekommen, weil sie sonst nicht rum kämen. Doch die Bereitschaft, sich zu outen, ist nicht sehr groß, weil Empfänger von Sozialleistungen leider immer noch ganz schnell den Stempel Faulenzer bekommen, obwohl der weit überwiegend überhaupt nicht passt.

Interview: Wiebke Rannenberg

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