Love Family Park

Verzicht auf den Naturschutz

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Das Technofestival "Love Family Park" soll auf den Mainwiesen bei Großauheim bleiben. Die Veranstaltungsfläche soll aus dem Naturschutzgebiet "Hessische Mainauen" herausgenommen werden.

Die Stadt Hanau wird beim Regierungspräsidium Darmstadt (RP) beantragen, die Veranstaltungsfläche des Love Family Parks auf den Mainwiesen bei Großauheim aus dem Naturschutzgebiet „Hessische Mainauen“ herauszunehmen. Das hat das Parlament am Montagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Neben den Bündnismitgliedern SPD und BfH stimmten auch die CDU und die FDP dafür. Die Grünen als dritter Koalitionspartner enthielten sich, ebenso zwei Stadtverordnete der Linken. Die Alternative Fraktion und Ulrike Hanstein von den Linken votierten gegen die Vorlage.

Für Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) stellt der Gang zum RP „die letzte Möglichkeit“ dar, die er nicht als „Entscheidung gegen den Naturschutz“ verstanden wissen will. Aber es gelte, „ein international bekanntes Musikfestival“ mit Imagegewinn für die Stadt und klingelnden Kassen für Gastronomie und Hotellerie in Hanau zu halten. Um das zu erreichen, sieht er keine andere Möglichkeit mehr: Andere Standorte kämen nicht in Frage, alle Versuche, eine dauerhafte Ausnahmegenehmigung zu bekommen, seien fruchtlos geblieben. Parallel zum Antrag beim RP will die Stadt zudem eine Änderung des Flächennutzungsplans prüfen.

Gleichwohl sollen die Mainwiesen als Areal kein „Freiwild“ werden: An den bestehenden Auflagen für den Veranstalter „cosmopop“ ändere sich nichts, betonte der Rathauschef. Zudem sollen 20.000 Besucher künftig die Obergrenze sein – und das Gelände auch ohne Naturschutz nur dieses eine Mal im Jahr als Veranstaltungsfläche genutzt werden.

Kaminsky geht davon aus, dass die Herauslösung aus dem Schutzstatus in drei Monaten über die Bühne gehen könnte – die Zeit drängt, denn für das Festival am 7. Juli läuft bereits der Vorverkauf. Umweltdezernent Ralf-Rainer Piesold (FDP) schien nicht ganz so zuversichtlich: „Das kann länger dauern.“ Man müsse sich deshalb parallel für dieses Jahr wieder um eine Ausnahmegenehmigung bemühen.

Zu den glühendsten Kämpfern für den Love Family Park zählt der junge CDU-Stadtverordnete Bastian Zander. Das Festival trage zum Image der Region „als innovative, moderne und internationale Metropole“ bei: „Wir sollten hier also größere Zusammenhänge sehen und nicht ins Klein-Klein-Denken verfallen.“

Insbesondere die beiden Mitglieder der Alternativen Fraktion sehen das anders: Sascha Feldes und Christa Martin gehen zwar davon aus, dass der RP dem Antrag „sowieso nicht zustimmen wird“ – schlagen aber schon mal vor, der Love Family Park könnte mit reduzierter Besucherzahl wieder an seinen alten Standort auf dem Dunlop-Gelände zurückkehren. Vorwürfe machte Martin ihren alten Kollegen von den Grünen, die sich enthielten, weil in der Koalition „nur das erlaubt“ sei. Grünen-Chef Kamil Kasalak hatte zuvor eingeräumt, dass seine Fraktion nicht für die Herausnahme aus dem Landschaftsschutz stimmen könne. Ulrike Hanstein von den Linken hätte vorher gerne noch einige Fragen geklärt: etwa, ob langfristig „eine Umwandlung in Bauland“ drohe. Sie beantragte, das Thema noch einmal im Ausschuss zu diskutieren. Das lehnte die Mehrheit ab.

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