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Das Musical „Schneeweißchen und Rosenrot“ sahen rund 27. 000 Besucher.
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Das Musical „Schneeweißchen und Rosenrot“ sahen rund 27. 000 Besucher.

Brüder Grimm Festspiele

Verwandelt

  • Gregor Haschnik
    VonGregor Haschnik
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Aus den Märchenfestspielen werden die „Brüder Grimm Festspiele“. Mit dem neuen Programm will Intendant Frank-Lorenz Engel mehr Jugendliche und Erwachsene ansprechen.

Es ist eine kleine Revolution. „Wir haben erst etwas gezögert. Doch Frank-Lorenz Engel hat uns überzeugt. Es wird in der Stadt Diskussionen geben, aber wir sind sicher, dass wir Erfolg haben werden“, sagt Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky (SPD). Frank-Lorenz Engel wird neuer Intendant der Festspiele – und verwandelt sie. Ihren Namen und ihr Konzept. Aus den „Brüder Grimm Märchenfestspielen“ werden die „Brüder Grimm Festspiele“. Er habe sich „verliebt“ in die Spiele, sagt Engel. „Das Werk der Söhne dieser Stadt wird immer im Mittelpunkt stehen.“ Und damit die Märchen, „die jeder kennt, die zum Weltkulturerbe gehören“. Aber: „Die Brüder Grimm haben noch mehr zu bieten als Kinder- und Hausmärchen“, betont Engel. Sie seien herausragende Literatur- und Theaterkenner. Hätten sich intensiv mit ihrer Zeit auseinandergesetzt, der „hochspannenden Epoche“ zwischen Romantik und Klassik. Deshalb will der Intendant 2014 zwar Aschenputtel als Musical aufführen („mein Lieblingsmärchen“). Aber auch „Das Käthchen von Heilbronn“ vom Grimm-Zeitgenossen Heinrich von Kleist. Das Stück sei märchenhaft, auch weil sich darin Liebende im Traum begegnen.

An Jugendliche und Erwachsene

Die Brüder Grimm sollen bei den Festspielen vielschichtiger und mit frischen Ideen präsentiert werden. Engel will die Spiele „weiter öffnen“. Ein Stück von Zeitgenossen der Grimms soll fest verankert werden. Zudem will er in der kommenden 30. Spielzeit das Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ zeigen – und dafür einen Autoren-Wettbewerb starten. Das Stück soll vor allem Jugendliche und Erwachsene ansprechen. In „Es war einmal...“ sollen Grimmsche Märchenfiguren aufeinandertreffen, darunter Frau Holle, Rumpelstilzchen und Feen aus Dornröschen. Zudem ist eine Kooperation mit dem Berliner Admiralspalast im Gespräch. Die Zahl der Inszenierungen soll aber bei vier bleiben.

#textline

Die Pläne stehen jedoch unter Vorbehalt. Die Verhandlungen mit Geldgebern und Partnern laufen noch. Engel ist aber ebenso zuversichtlich wie Kaminsky. Dieser berichtet von „sehr positiven“ Gesprächen mit dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der die Spiele zum Teil finanziert. Engel hatte die Leitung der Festspiele im Frühjahr – mitten in den Vorbereitungen – kommissarisch übernommen, nachdem der damalige Intendant Dieter Gring ausgeschieden war. Der neue Chef will jetzt nach Hanau ziehen, was Kaminsky als „schönes Bekenntnis“ wertet. Engel hat zunächst drei Jahre Zeit, um seine Vorstellungen zu verwirklichen – so lange läuft sein Vertrag. Darüber hinaus haben beide Seiten die Option, die Zusammenarbeit um zwei Jahre zu verlängern. Die 2011 vollzogene Trennung der kaufmännischen und der künstlerischen Leitung wird aufgehoben: Engel ist künftig auch für die Finanzen verantwortlich. Das Salär des im Saarland aufgewachsenen liege „im bisher üblichen Bereich“, so Kaminsky. Der Kontrakt enthält eine „leistungsbezogene“ Komponente. Sind die Spiele erfolgreich, wird der Intendant beteiligt. Im Falle des Misserfolgs muss er Einbußen hinnehmen.

Euphorie für die Zukunft

Dass die Verantwortlichen Vertrauen in Engel haben, liegt auch an der guten Bilanz der diesjährigen Spielzeit. Nach Angaben der Stadt wurden 2013 insgesamt 67 308 Karten verkauft, ein Jahr zuvor waren es lediglich 57 534 gewesen. Und Publikumsmagnet war das von Engel inszenierte Stück „Tischlein deck dich“ (im Schnitt 954 Zuschauer). Vom kalkulierten städtischen Zuschuss von rund 350 000 Euro brauchen die Festspiele in diesem Jahr 333 000 Euro. Die übriggebliebenen 17 000 Euro will Kaminsky nicht behalten, sondern in die Spielzeit 2014 investieren. Wie wird das Publikum auf die neuen Festspiele reagieren? Interessiert, verstört, begeistert? Der Kulturbeauftragte Klaus Remer hofft, dass die Spiele „noch mehr Zuschauer anziehen, auch von außerhalb“. Dazu könne auch der neue Name etwas beitragen, so Remer. So mancher habe bestimmt gedacht, die „Märchenfestspiele“ seien ausschließlich für Kinder. Ursula Ruthardt blickt euphorisch in die Zukunft: „Die Spiele werden einen Schub bekommen“, sagt die Schauspielerin und Vorsitzende des Fördervereins der Festspiele. Der neue Name bringe den intellektuellen Anspruch zum Ausdruck, meint Ruthardt. Sie habe auch erst mal geschluckt, als sie von der geplanten Namesänderung hörte. So mancher Zuschauer werde vielleicht erst einmal irritiert sein, vermutet Ruthardt. Aber: „Die Auffrischung ist längst überfällig. Es ist höchste Zeit, dass wir diesen Weg beschreiten.“

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